• 1112 – episode 01

    letztes Jahr, mid-February Ausführlich gespielt von Lakeshore 1 Kommentar

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    1112 ist das erste Point & Click-Adventure auf dem iPhone. Nach einer cineastischen Einführung in Form eines Traums schlüpft man in die Rolle von Louis und folgt dem linearen Handlungsstrom, der aus der Erfüllung verschiedener Aufgaben an unterschiedlichen Orten besteht. 1112 -- episode 1 dient als Einführung der Charaktere und Orte, sowie des groben Handlungsbogens. Der Entwickler möchte in der ersten Episode sanft in die Handlung einführen und das Interesse für die Welt, in der Louis lebt, wecken. So lernt man die Freundin von Louis kennen, die Kollegen, die Arbeitsplätze und andere Geschäfte. Außerdem erfährt man nebenbei von merkwürdigen Gesetzen, die in Louis Welt existieren.

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    Das Spiel startet in Louis Haus, wo man gleich mit Aufgaben wie dem Abschalten des Weckers, der Suche nach Medikamenten und der Reparatur des Boilers beginnt. Dabei bewegt man sich durch einzelne handgezeichnete Räume, wo teils bewegte Figuren oder Gegenstände erscheinen. Die einzelnen Bilder sehen fantastisch aus -- die hohe Auflösung des iPhones kommt hier wunderbar zur Geltung. Fast jeder Gegenstand kann angetippt werden, worauf eine Liste von Aktionen erscheint, wie z.B. “Einschlagen”, “Bewegen”, “Küssen” usw. Das Spielinterface ist ansonsten am rechten Bildschirmrand aufgereiht, wo man in sein Inventar blicken, Gegenstände in die Hand nehmen oder Dialoge verlassen kann. Die Navigation zwischen unterschiedlichen Räumen kann entweder über eine Karte geschehen oder über das “Laufen” von Raum zu Raum, indem man bei jeder Tür auf “Öffnen” tippt.

    Die Bedienung versucht, die Möglichkeiten des iPhones gut einzubinden. Das Telefon muss gedreht oder geschüttelt werden, Multitouch kommt bei manchen Rätseln zur Geltung und auf dem Computer von Louis wird sogar ein Desktop-System abgebildet, welches per Drag and Drop bedient werden kann. Dialoge können durch Tippen weiter geschaltet werden und Fragen stehen in Form von zwei Listen zur Verfügung, eine enthält vorgegebene Fragen und eine enthält Wörter, die man im Spiel gesammelt hat. Zusätzlich steht eine Tastatur zur freien Eingabe von Texten zur Verfügung.

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    Ich bin zwar aufgewachsen mit klassischen Point & Click-Adventures wie Sam & Max oder Day of the Tentacle und mag auch die alten Infocom-Textadventures sehr gerne, aber 1112 lässt mich einige Dinge vermissen, die ich bei Adventures erwarten würde. Negativ aufgefallen ist mir vor allem der sehr lineare Ablauf. Man hangelt sich von einer Aufgabe zur anderen und wird durch eine sich sehr gemächlich entwickelnde Handlung geschleust. Man kann sich zwar frei zwischen den Räumen bewegen, an der Reihenfolge der zu erledigenden Aufgaben ändern dies allerdings nichts. So hatte ich eher den Eindruck, dass ich ein grafisches Buch lese und nicht wirklich ein Adventure spiele. Die Rätsel sind allesamt ziemlich einfach aufgebaut -- gehe nach A, hole B, verwende es mit C -- so dass man hier ebenfalls nicht gefordert wird. Die eingangs erwähnten vielen Möglichkeiten, mit der Umgebung zu interagieren, sorgen nicht für absurde und heitere Reaktionen des Spiels, sondern ständig für Antworten von Louis im Stil von “Das mache ich jetzt nicht”, “Nein danke, darauf habe ich keine Lust” usw.. Das ist schade, denn wenn ich bei einer Tür schon die Möglichkeit angeboten kriege, sie einzutreten, dann möchte ich dies natürlich auch einmal ausprobieren. Nach einiger Zeit ignoriert man deshalb die weniger sinnvollen Aktionen und hangelt sich nur noch von Aufgabe zu Aufgabe. Das ist für ein Adventure natürlich fatal, denn dabei geht es eigentlich um das spielerische Entdecken der Welt. Auch die Kommunikationsmöglichkeiten lassen zu wünschen übrig -- was bringt mir die Freitexteingabe mit einer Tastatur, wenn das Spiel nur genau ein Wort versteht und darauf zu reagieren vermag?

    1112 ist deshalb ein seltsam enttäuschendes Spiel. Es steckt unglaublich viel Arbeit in den Grafiken und Animationen, dem Sound, der Bedienung und den vielen Texten. Ja, das Spiel ist sogar in vier Sprachen verfügbar! Das ändert aber nichts an der mangelnden Interaktion, der Linearität, der frustrierenden Reaktion auf die Aktionen und einer Handlung, die man in drei Sätzen zusammen fassen kann. Die Spielzeit beträgt beim ersten Durchspielen deshalb auch nur magere drei Stunden. Spielt man das Spiel erneut, so ist man in unter 15 Minuten durch -- das zeigt schon, wie wenig an relevanten Aktionen und Handlungen tatsächlich vorhanden sind. Selbst die ersten Adventures für den Nintendo DS -- z.B. Another Code -- bewegen sich in einer komplett anderen Liga als 1112. Das Internet ist voller Reviews mit ähnlichen Bemerkungen und leider werden sie in der Regel vom Entwickler komplett ignoriert oder als persönlicher Angriff gewertet. Dass Louis die vielen vom Spiel angebotenen Aktionen schlicht nicht ausführen möchte wird in weiteren Episoden so “behoben”, dass diese Aktionen einfach verschwinden… So scheint die Chance, dass sich 1112 in weiteren Episoden zu einem richtigen Grafik-Adventure entwickelt, eher gering.

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    Fazit

    1112 enttäuscht aufgrund der ungenutzten Möglichkeiten. Hübsche Grafik und tolle Bedienung kann nicht über fehlende Handlung und mangelnde Interaktionsmöglichkeiten hinweg täuschen.

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