Vor 1 Jahr gepostet

Der Weg von Wordpress nach Tumblr

Ich hatte letztens schon erwähnt, dass Tap to Play! nunmehr in Tumblr erzeugt wird und nicht mehr in einer eigenen Wordpress-Installation. Dieses Posting beschreibt die Prozesse, die für eine Umstellung von Wordpress auf Tumblr erforderlich sind.

Tumblr sieht sich als kleines Blogging-System, welches Fetzen aufsammelt, über die man online stolpert. Dementsprechend kommt es mit vorgefertigten Templates für unterschiedliche Inhaltsformen: Texte, Bilder, Videos, Links. Wordpress als ausgewachsene Blogging-Plattform ähnelt dagegen eher einem umfangreichen Content Management System. Beide Systeme verwenden für die Darstellung Themes. Die Ähnlichkeiten enden hier allerdings schon, denn wo die Wordpress-Themes mit PHP-Code und Plugins beliebig erweitert werden können, besteht ein Tumblr-Theme ausschließlich aus HTML. Erweiterungen gibt es hier nicht. Wie übernimmt man also eine Wordpress-Installation samt aller Artikel, Kommentare und möglichst der Theme-Funktionen zu Tumblr? Der Weg ist glücklicherweise erstaunlich schmerzfrei.

Zu Beginn steht die Wahl des zu verwendenden Themes, welches am Besten gleich Unterstützung für das Disqus-Kommentiersystem, Google Analytics und Twitter mitbringt. Über die Tumblr-Oberfläche müssen dann die passenden Benutzerdaten eingerichtet werden. Das Theme bindet die Funktionalität per Javascript ein.

Damit ist die Basisfunktionalität schon einmal abgedeckt. Hinzu kommen noch Syndication-Funktionen: So kann Tumblr z.B. RSS-Feeds anderer Quellen (wie Twitter-Favoriten, geteilte Artikel im Google Reader) als “Link-Artikel” importieren und Artikel automatisch auf Twitter und Facebook veröffentlichen. Ebenso automatisch funktioniert eine Einbindung von Google Feedburner: Tumblr liefert an Feedburner automatisch die Inhalts-Feed aus, wogegen alle anderen zu Feedburner umgeleitet werden.

Drei Funktionen mussten von Hand in meinem Theme nachgerüstet werden: Die Twitter-Box rechts sollte alle Tweets von zwei Accounts anzeigen und auch die Antworten an diese Accounts. Das kann das Tumblr-Theme nicht, weshalb ein anderes Javascript eingebunden werden musst. Flattr sollte integriert werden, was Tumblr gar nicht unterstützt, aber mit etwas Javascript ebenfalls kein Problem ist. Das Kontaktformular wird über wufoo realisiert.

Diese ganze Prozess hat insgesamt zwei Stunden erfordert. Verbleiben weitere Aufgaben:

  • Umschalten der Domain auf Tumblr
  • Übernahme aller Texte
  • Übernahme aller Bilder
  • Übernahme aller Kommentare

Das Umschalten der Domain hat zunächst mit Tumblr nichts zu tun - dort trägt man nur seinen Domainnamen ein und anschließend die Tumblr-IP-Adresse bei seinem Provider. Dann geht es an die Kommentare, Texte und Bilder. Zunächst werden alle Bilder auf einem anderen Server abgelegt, so dass die ursprünglichen, von Wordpress abweichenden, Pfade weiterhin gültig sind. Anschließend werden alle Artikel mit der Export-Funktion von Wordpress als XML exportiert. Dann wird Wordpress um das Disqus-Plugin ergänzt und alle Wordpress-Kommentare werden nach Disqus importiert. Jetzt muss noch nur alles miteinander verbunden und in Tumblr abgelegt werden.

Hier kommt ein PHP-Skript (Download) zum Zuge, welches den Wordpress-Export einliest, einige Umformatierungen vornimmt, die Bild-URLs ändert, den Artikel samt Tags und evt. anderer Metadaten wie Custom Fields in Tumblr speichert und eine CSV-Datei schreibt, welche die alte und neue URL enthält. Diese CSV-Datei schüttet man abschließend in Disqus hinein, damit Disqus die alten Wordpress-Pfade in neue Tumblr-Pfade ändern kann. Fertig.

Zusammenfassung:

  1. Aufbau des Themes
  2. Export der Artikel aus Wordpress (XML)
  3. Ablage alle Bilder auf irgendeinem Webserver
  4. Übernahme der Kommentare zu Disqus
  5. Umstellung der Domain auf Tumblr
  6. Übernahme der Artikel per PHP-Skript nach Tumblr
  7. Anpassung der Kommentar-Links in Disqus

Insgesamt kann eine solche Umstellung also entspannt in 4-6 Stunden realisiert werden.

Übrig bleibt lästige Handarbeit: Alle Artikel enthalten Links, die auf die alten Wordpress-Pfade verweisen. Zudem sind in den Suchmaschinen natürlich auch die alten Pfade gespeichert. In Tumblr kann man hierzu Weiterleitungsseiten erzeugen, deren alter Pfad auf den neuen Pfad umleitet. Dummerweise lassen sich diese nicht per Skript anlegen. Das muss folglich von Hand durchgeführt werden und sollte auch zeitnah durchgeführt werden, da die alten Pfade nicht mehr funktionieren.

Hinzu kommen noch einige Umformatierungen an den Texten, da durch andere Styles manche Texte und Abstände etwas merkwürdig aussehen können.

Vor 1 Jahr gepostet

Oliver wird weniger und iTrackBites hilft

Wer abnehmen möchte muss zuerst schauen, ob er zuviel isst, was er isst und wo die Stellschrauben liegen, die korrigiert werden sollen. Als System mag ich Weight Watchers gerne, da hier viele komplizierte Werte auf einen einzelnen Wert heruntergebrochen werden können: Man darf X “Punkte” pro Tag essen und jedes Essen hat ebenfalls X “Punkte” - berechnet aus Kcal/60 und Fett/9. Das ist einfach und übersichtlich und hat zudem nichts mit einer Diät zu tun. Schnell fällt bei mir auf, dass z.B eine Scheibe Brot mit Käse schon bei fünf Punkten landet und in meine erlaubten 30 Punkte deutlich einschlägt. Wiegt man weniger, so hat man weniger Punkte zur Verfügung und ändert so langsam und dauerhaft sein Essverhalten.

Weight Watchers offeriert ein umfangreiches Zubehörprogramm (wöchentliche Treffen, Online-Werkzeuge, Schrittzähler und ähnlichen Quark) um mit diesem System Geld verdienen zu können. Zusätzlich wird alle paar Jahre einmal die Berechnungsformel geändert, sodass man sich alles neu kaufen darf. Wer sein Geld nicht dort investieren möchte und keinen Druck durch Gruppentreffen benötigt, kann mit dem älteren Flex-Points-System alles selber machen. Umfangreiche Bücher für Restaurants und Supermärkte, die Punktewerte aufführen, gibt es bei eBay - falls man sich das nicht alles selber ausrechnen möchte.

Bleibt die Frage übrig, wie man am Besten Buch führen möchte. Früher habe ich alles auf Papier aufgeschrieben, mir dann eine kleine PHP-Website mit Datenbank gebastelt und später die unsägliche (offizielle) Flash-Applikation verwendet. Auf dem iPhone sieht es leider immer noch erstaunlich düster aus: Eine offizielle App existiert nur im US-Store und das Unternehmen wirft gerne Apps aus dem Store, mit denen man Punkte zählen könnte.

Übrig bleiben aus diesem Grund einige Apps, mit denen man “Dinge” zählen kann, z.B. “Bites”. Nahezu alle derartigen Zähl-Apps sind ähnlich aufgebaut: Es kann ein Maximalwert pro Tag definiert werden, es wird mit der Zeit eine Datenbank von gegessenen Produkten gespeichert und es gibt eine Favoritenlisten, sowie einen Punkterechner. Leider sind nahezu alle derartigen Apps vollkommen unbrauchbar. Es werden massive Anstrengungen unternommen, nicht wie eine iPhone-App auszusehen und viele Fehler mit sich zu bringen, sodass Kernfunktionen überhaupt nicht funktionieren. Gerne wird auch übersehen, dass nicht jedes Land in lbs und Joule wiegt und die Berechnungsformel von Weight Watchers sich auch pro Land und Programm unterscheidet. Ich bin letztlich bei iTrackBites hängen geblieben, da es am Wenigstens nervt.

Die Applikation teilt sich in drei Tabs auf für die Wochenliste, den Rechner und die Favoriten. “Tracker” enthält das Protokoll. Übersichtlich werden hier die gegessenen Speisen und verbleibenden Punkte aufgeführt:

Wer möchte, der kann auch detailliert eintragen, wieviel Flüssigkeiten, Eiweiß usw. er zu sich genommen hat:

Der Tab “Calculator” enthält den Rechner zur Berechnung der “Bites” (auch nach europäischer Formel) und Aktivitäten:

Die App kommt zusätzlich mit einer Liste von US-Nahrungsmitteln, die in Deutschland natürlich wenig hilfreich ist. Es müssen somit erst einmal alle Speisen eingetragen werden, die man im Laufe der Zeit isst.

iTrackBites ist angenehm unaufdringlich in der Anwendung und das Führen der Liste hat einen analogen Charme, der mir gut gefällt. Weniger gut gefällt mir die Hässlichkeit der App - aber die Alternativen sind leider noch weniger erträglich.

Vor 1 Jahr gepostet

Oliver wird weniger und Fatwatch hilft

Mai 2011: Ich bin 34 und wiege 121 Kilo. Das sah mal anders aus: 2000 waren es 117 Kilo, 2004 92 und 2006, als ich mit Fitnesstudios anfing, bereits wieder 108. Natürlich weiß ich, was ich essen sollte. Aber auch von natürlichen und gesunden Dingen kann man zuviel essen. Stetig nimmt man dann zu. Abnehmen ist deshalb eigentlich simpel: Weniger aufnehmen, mehr verbrauchen oder beides. Ich bevorzuge die Erhöhung des Verbrauchs. Rad fahren, Schwimmen und Training im Fitnessstudio haben stets schnell Erfolge gezeigt. Im Abnehmzeitraum bis 2004 funktionierten deshalb ein selbst durchgeführter Weight Watchers-Plan und viel Rad fahren sehr gut. Was fehlte ist die Disziplin: Eintöniges Training, Routine, Faulheit und die eine oder andere Krankheit bringen mich raus und der äußere Druck für einen Neustart fehlte. Deshalb startet jetzt quasi der letzte Versuch: 30km Fahrrad bringt pro Tag der Weg zur Arbeit, plus Schwimmen, plus Training im Studio um die Ecke, wo 2x die Woche auch ein Fahrradkurs stattfindet. Das sollte zu schaffen sein, schließlich ist der Sommer da. Falls nicht, so kommt 2012 Hilfe von außen, die mir in den Arsch tritt.

 Startpunkte:

  1. 16. Mai 2011
  2. 121 Kilo
  3. 781km laut Fahrradcomputer

Protokolliert wird das Gewicht in Fatwatch am iPhone. Im Gegensatz zu den meisten Gewichtsprogrammen interessiert sich Fatwatch nicht sonderlich für die täglichen Wiegeergebnisse. Stattdessen ermittelt es aus diesen eine Tendenz. Grafik und Zielerreichung orientieren sich dann an dieser Tendenz. Das führt zu deutlich genaueren Ergebnissen und auch nicht zu Panikattacken, wenn man einmal ein Kilo mehr wiegt, bloß weil man mehr getrunken hat oder noch nicht auf dem Klo war. Erst Veränderungen, die über mehrere Tage hinweg auftreten, sorgen für entsprechende Veränderungen der Tendenz und Grafiken.

Die Historie schaut momentan so aus:

Die kleinen Balken unten markieren: Ausdauertraining (blau), Krafttraining (braun), viel essen und trinken z.B. bei Konzerten und Parties (grün). Die großen Sprünge in der Mitte der Grafik entstammen sehr großzügigen Wiegeabständen. Seit 2011 wird wieder fast täglich gewogen. Die gestrichelten Linien sind das Ziel (grün) und die Tendenz (rot).

Die berechnete Tendenz orientiert sich immer am gewählten Maßstab. so kann man z.B. schauen, wie es weiter gehen würde, wenn man sich wie in den letzten zwei Wochen verhält oder einen Überblick über das komplette Jahr erhalten. Die obige Grafik bezogen auf das letzte Jahr zeigt dementsprechend auch eine andere Tendenz an:

Das Ziel von 92 Kilo ist angeblich am 23.08.2013 erreicht - unter der Voraussetzung, dass ich täglich 250 Kalorien einspare:

Aktuell weiche ich noch von diesem Plan ab:

In der letzten Abnahmephase vor etwa 1,5 Monaten zeigte Fatwatch noch an, dass ich das Ziel knapp ein Jahr früher, also Mitte 2012 erreichen werde.

In den nächsten Wochen werden sich diese Zahlen (hoffentlich) weiter verändern: Fatwatch wird das Zieldatum automatisch der Gewichtsentwicklung anpassen und nach Vorne oder Hinten rücken, wenn dies erforderlich ist.

Den Fortschritt werde ich hier ab und an beschreiben, in der Regel quartalsweise.

Vor 1 Jahr gepostet

Effizienz dank Instapaper

Instapaper ist ein “Später lesen”-Dienst. Kurz gesagt: Wann immer man auf etwas interessantes stößt, liest man es nicht sofort oder speichert einen Bookmark ab, sondern schiebt es in Instapaper rein. Instapaper existiert als Website, iPhone-App, iPad-App und kann gemerkte Artikel als ePub-Format (für iBooks) oder im Magazinformat für Amazons Kindle exportieren (letzteres auch mit Versand an die Amazon-E-Mail-Adresse). Das Lesen unterscheidet sich vom Studium der Website, da Instapaper den reinen Text und die Artikelbilder darstellt, aber von Navigation, Werbung und dem regulären Seitenlayout befreit.

Ich verwende es seit mittlerweile vier Jahren, zuerst als Website, ab Juli 2008 dann auch als App für das iPhone und iPad. Vier Jahre sind eine lange Zeit, betrachtet man die Fluktuation von Apps, zumal mir zu Beginn gänzlich unklar war, was ich eigentlich damit anfangen soll.

Instapaper dient mir zumeist als Seitengrab: Solange es einfacher ist, eine Seite bei Instapaper abzulegen, als sie direkt zu lesen, führe ich dies durch. In den letzten Jahren haben sich hierbei etliche Möglichkeiten ergeben, allen voran die direkte Instapaper-Einbindung in viele Apps, über die ich neue Seiten auffinde (Reeder am Mac/iPhone/iPad für RSS, etliche Twitter-Clients). Wann immer ich einen interessanten Link in Twitter entdecke oder mein RSS-Reader mir einen Link vorschlägt, landet er in Instapaper (siehe Screenshot). Bei anderen Applikationen öffne ich den Link zunächst im Browser und klicke anschließend das Instapaper-Bookmarklet an. Am iPhone funktioniert auch eine Variante über die Zwischenablage: Eine Adresse kopieren, Instapaper öffnen und es fügt die URL seiner “Später lesen”-Liste hinzu.

Im Ergebnis enthält Instapaper damit eine Liste aller Artikel, die ich für möglicherweise interessant befunden habe. Gelesen werden können diese direkt über den Browser (zusammen mit der Safari-Extension Instapaper Beyond einigermaßen bequem) oder die iPhone/iPad-App. Die Apps speichern den Inhalt zwischen und laden neuen Inhalt im Hintergrund herunter. Der Workflow ist damit angenehm schmerzfrei: Kurz Instapaper öffnen, wieder schließen und im Hintergrund werden die neuen Artikel geladen. Anschließend können sie auch offline gelesen werden, z.B. im Flugzeug.

Die Apps stellen den Inhalt in einer sehr reduzierten und immer gleichen Form dar: Als reinen Text mit Artikelbildern. Navigiert werden kann per Scrollen oder durch Blättern. Schriftarten, ihre Größe, Rand- und Zeilenabstände können genauso festgelegt werden wie die Helligkeit. Zudem erkennt Instapaper, ob man am Tage oder in der Nacht liest und stellt sich in einen Nachtmodus um, der einen nicht durch einen Helligkeitsschock erblinden lässt.

Was ist nun der Vorteil von einer “Später lesen”-Applikation? Zunächst einmal lassen sich alle Artikel in der gleichen Form lesen. Man muss sich nicht auf immer andere Seitenlayouts einstellen oder wird von blinkender Werbung abgelenkt. Das Speichern der Artikel erleichtert das Lesen in Umgebungen, bei denen man keinen oder schlechten Empfang hat. Als Hauptvorteil sehe ich aber die bessere Konzentration auf relevante Inhalte an: Instapaper wird nicht stündlich geöffnet, sondern maximal täglich, manchmal auch nur wöchentlich. So lassen sich dann in einem Rutsch die gemerkten Artikel der letzten Woche durchlesen. Dabei stellt man fest, dass sich vieles bereits erledigt hat und das Lesen am ersten Tag nur Zeitverschwendung gewesen wäre. Übrig bleibt das Relevante.

  1. Instapaper-Website
  2. Entwickler-Blog
  3. AppStore (Universal-App)
Vor 1 Jahr gepostet

Wie viel Digitales brauchen wir?

Analog

Die erste Nacht in der ersten Wohnung, irgendwann 1999, Berlin-Friedrichshain. Ich lehne an der Wand des ansonsten fast leeren Zimmers, laut spielt der CD-Wechsler die neue Tiamat-CD ab und ich tauche ein in deren Klanglandschaften, schwebe davon, genieße den Moment. Während draußen das Berliner Stadtleben herumprickelt. Es war eine Zeit, in der ich noch kein Handy besaß. Der Fernseher diente vor allem dem Abspielen von Videos aus der Videothek nebenan. Meine Computerleidenschaft befand sich auf einem absteigenden Ast: Ein altersschwacher PC mit FreeBSD wurde vereinzelt gebootet, um zwischen XEmacs und dem Opera-Browser zu wechseln - ich programmierte damals metal.de und thedarkchat.de.

Digital

Seitdem geschah, technisch betrachtet, einiges: Der Mac kam 2002 ins Haus, der iPod und eine Soundbridge 2005, 2006 ein Nintendo DS, das iPhone 2008, 2009 ein MacBook, 2010 ein iPad und eine XBox und Wii stehen auch noch herum. Jedes der Geräte bedeutete Veränderungen. Der iMac samt iTunes sorgte z.B. in erstaunlich kurzer Zeit für die komplette Verlagerung sämtlicher Musik auf den Rechner. Vorbei die Zeiten, in denen ich dem Wechsler komplizierte Abfolgen beibringen musste, iTunes erledigte dies schneller und einfacher. Vorbei auch die Zeiten, in denen ich CDs kaufen musste: Dank dem iTunes Store und neuerdings auch Amazon kommt neue Musik sofort ins Haus. Den iPod nano sah ich damals als das beste Stück Unterhaltung an, die ich jemals gekauft hatte: Ich konnte eine so umfangreiche Menge an Musik mit mir herum tragen, dass ich immer den passenden Song für die aktuelle Stimmung dabei haben würde und die kleine Soundbridge ermöglichte das Einschlafen zu Podcasts, die vom Rechner gestreamt wurden - “Schlaflos in München”. Mit dem Nintendo DS lernte ich wieder den Spaß an Computerspielen kennen, den ich Jahre zuvor durch die ersten 3D-Spiele verloren hatte. Gebannt saß ich in der Bahn und spielte Age of Empires und Super Mario. All diese Geräte verbindet eine Sache: Sie konnten wenig und machten das, was sie konnten, einfach und gut. Dies gilt selbst für den iMac, der als stationärer Rechner nur mäßig häufig wirklich benutzt wurde und dank EyeTV eher als Aufnahmestation denn als “Computer” verwendet wurde. Kurz: Es war eine geordnete, gezielte, bewusste und geradezu heimelig-analoge Nutzung.

Mobil

2008 wurde alles anders. Das iPhone kam. Das erste unfassbar handliche Gerät, welches alles konnte: Den iPod und den DS ersetzen, das abendliche Lesen von Blogs, das Mailen am iMac und das Betrachten von Filmen und Serien am iMac. Fortan konnte ich Musik hören und Serien schauen, wo immer ich war. Ich konnte in der Badewanne den RSS-Feed der ZEIT lesen und Dinge recherchieren. Unterwegs mit Freunden mailen. Jederzeit etwas spielen. Und natürlich - Web 2.0 und AppStore sei Dank - viel Zeit mit Unbekannten in Twitter oder flüchtig Bekannten in Facebook verbringen. Diese neuen Möglichkeiten habe ich genossen und alles wie ein Schwamm aufgesogen. Die Touch-Oberfläche war neu und grandios und die Möglichkeit, alles jederzeit machen zu können, empfand ich als Befreiungsschlag, sogar als Zeitersparnis, denn vieles, was ich z.B. Abends am Rechner erledigte, konnte ich nun unterwegs machen.

Multitasking

Doch diese vielen neuen Möglichkeiten kommen nicht mit mehr Zeit, diese zu nutzen. Sie konkurrieren miteinander und mit den ungenutzten Zeiträumen. Sie reiben sich aneinander auf. Und sie erzeugen Sog und Druck gleichzeitig: “Ich kann ja mal kurz [etwas spielen|in Twitter reinschauen|Feeds prüfen|nach neuen Apps schauen]”. Dementsprechend sieht eine iPhone-Sitzung heute meist so aus: Musik hören, dabei Feeds lesen und interessante zu Instapaper schieben. Twitter überfliegen und interessantes zu Instapaper schieben. Die Tagesschau und ZEIT überfliegen. Das Minispiel des Monats öffnen und kurz spielen (momentan Disc Drivin’). Anschließend kurz etwas in Instapaper lesen… Auch TV-Serien werden nicht mehr am Stück geschaut, sondern in kleinen Abständen, häufig unterwegs. Gerne unterbrochen durch andere Apps, die mit ihren Nachrichten die Wiedergabe unterbrechen. Die Zeit zerfasert und das, was man in ihr macht, auch. Fortan war nichts mehr geordnet, gezielt oder bewusst, sondern alles stets im Fluss ständigen Wechselns.

Abwehr

Verteufeln möchte ich alle diese Geräte nicht. Letztlich ist es uns überlassen, wie wir sie verwenden. Betrachte ich allerdings all die Menschen, die in der U-Bahn auf winzige Displays starren, auf ihnen herum wischen und sie wild antippen, so muss ich die Frage stellen, ob wir überhaupt in der Lage sind, mit Geräten umzugehen, die ein derart beständiges Unterbrechungspotential haben und jede noch so kleine Pause mit Ablenkung zu füllen vermögen. In den letzten Jahren konnte ich an mir selbst immer wieder Abwehrreaktionen erkennen: Alle paar Monate wird das iPhone geleert, ungenutzte Apps gelöscht, auf das Wesentliche konzentriert. Ich genieße Zeiten ohne iPhone, z.B. bei Auslandsurlauben. Und nach einigen Leseversuchen am iPad bin ich wieder bei richtigem Papier angekommen. Dennoch zieht es mich immer wieder in seinen Bann. Sog und Druck sind weiterhin vorhanden.

Aber langsam überwiegt Ernüchterung. Anstelle die Geräte für sinnvolle Dinge zu nutzen (wozu ich auch Spiele zähle), sind sie nur noch Überbrückungen für kurze Zeitspannen. Lange Zeitspannen werden ebenso genutzt und damit nur zu Aneinanderreihungen von kurzen Zeitspannen. Es fehlt die Konzentration auf einzelne Dinge, die bewusste Nutzung, aber auch die bewusste Nicht-Nutzung, um wieder Zeit spüren zu können.

Im Mai startet deshalb der Versuch, das iPhone wieder mehr zu einem Gerät zu machen, dass wenige Aufgaben gut löst und nicht mehr alles kann. Das iPad betrifft das übrigens weitaus geringer. Schon durch die schiere Größe des Geräts ist eine stetige Überall-Nutzung nicht möglich und die Verwendung zweckgebundener als beim iPhone.

Vor 1 Jahr gepostet

Bloggen mit dem iOS - Reality Check

Es gibt wohl kaum eine größere Differenz zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit als beim Bloggen mit dem iPhone oder iPad. Wo z.B. Twitter absolut grandios funktioniert, sieht es bei Wordpress, Tumblr und Posterious desaströs aus. In der Regel funktionieren die einzelnen Text-Editoren, die die Web-Umgebungen mitbringen, nicht mit dem iOS. Aber auch die spärlichen nativen Apps (meist nur für das iPhone) kommen kaum über das Verfassen simpler Texte, häufig mit HTML-Eingabe, hinaus.

Es ist verblüffend, wie wenig sich in diesem Gebiet in den letzten zwölf Monaten getan hat. Einzig für Wordpress scheint es seit diesem Monat mit Blogsy eine brauchbare Alternative zu geben, so dass evt. nicht mehr die eigentliche Artikelarbeit am Mac gemacht werden muss. Die anderen Blog-Plattformen schauen scheinbar weiter in die Röhre.

Pikant ist auch die mangelnde Zusammenarbeit der einzenen erforderlichen Apps. Wird z.B. ein Bild bearbeitet, so soll es ja später in den Artikel übernommen werden. Dafür wäre es hilfreich, wenn das Bildprogramm gleich per FTP oder in die Dropbox uploaden und die URL in die Zwischenablage übernehmen könnte. Genauso wäre es praktisch, wenn ein grafischer HTML-Editor seinen HTML-Quellcode in die Zwischenablage kopieren könnte. Kein Quell der Freude ist auch stets die “Öffnen mit”-Funktion, mit der man Dateien an andere Apps übergeben kann. Dafür muss die Funktion in der Quellapp eingebaut sein und die Zielapp muss deren Dateitypen verstehen. Das führt zu lustigen Situation, wenn sich z.B. ein Quellcode-Editor nicht für HTML registriert und man somit keine Dateien an ihn übergeben kann. Die Krönung ist allerdings der Editor Elements, der sich prinzipiell weigert, eine HTML-Datei aus der in ihm selbst geöffneten Dropbox zu öffnen, diese aber als Übergabe aus der Dropbox-App klaglos entgegen nimmt – am iPhone. Am iPad registriert sich Elements erst gar nicht für derartige Dateien.

Sofern also keine All-In-One-Lösung für die gewünschte Blogging-Plattform vorhanden ist, bleibt ein chaotischer Haufen leidlich zusammen arbeitender Apps übrig.

In meinem Fall sieht es so aus:

Ich habe mich für die Apps Photo Studio FX, Essay, Textastic, QuickTumblr und natürlich Dropbox entschieden. Als zusätzliche Hilfe kommt AppShopper hinzu, da man aus dem AppStore keine Links zu den Apps holen kann.

FX Photo Studio (AppShopper) ist eine Bildbearbeitung und wird von mir hauptsächlich zur Beschneidung und Skalierung von Bildern verwendet. Die App kann zwar direkt in Tumblr speichern, erstellt dort aber ein öffentliches Posting, welches über einen Bug der Tumblr-App nicht mehr privat geschaltet werden kann. Auch kommt man nur schwer an die Bild-URL. Da die App nicht in der Dropbox speichern kann, werden zunächst die Bilder im normalen Fotoalbum gespeichert und dann mit der Dropbox-App hochgeladen. Immerhin per Batch-Upload.

Für die Textbearbeitung erscheint die iPad-App Essay praktisch (AppShopper). Der Autor antwortet zwar nicht auf Twitter-Fragen, dafür erhält man aber einen soliden WYSIWYG-HTML-Editor inkl. Linkfunktion und Dropbox-Speicherung. Was fehlt sind eine Bilderfunktion und ein “Öffnen mit”-Menü, um die Dateien direkt an andere Apps übergeben zu können. Auch die Übergabe des HTML-Quellcodes in die Zwischenablage fehlt. Leider kann man der App nicht beibringen, keinen CSS-Code in die Datei zu schreiben. Diesen muss man nämlich später wieder entfernen, da Tumblr damit nicht klar kommt. Mein Wunsch ist damit klar: Kopie des HTML-Codes (ohne CSS) in die Zwischenablage und senden des Quellcodes (ohne CSS) per “Öffnen mit”, denn das würde den nächsten Schritt überflüssig machen. Ebenfalls wünschenswert wäre die Zusatzzeile über der Tastatur, die der fantastische Texteditor Writer (AppShopper) bietet.

Bleibt folglich nur die Handarbeit: Mit dem Quellcodeeditor Textastic (AppShopper) lassen sich direkt HTML-Dateien von Dropbox öffnen. Der Editor unterstützt eine Zusatzleise für die Klammereingabe und eine spezielle Markierungsform, bei der der Cursor zwischen zwei spitze Klammern gesetzt werden kann (die Standard-iOS-Markierung würde hierbei nichts selektieren). So lässt sich der CSS-Müll von Essay, den Tumblr nicht mag, leicht entfernen. Leider scheint sich Textastic nicht für die Dateiendung “html”zu registrieren. Der geschriebene Artikel kann deshalb nicht aus Dropbox übergeben werden, sondern muss über die App erneut aufgerufen werden.

Mit QuickTumblr (AppShopper) scheint es exakt eine Tumblr-iPad-App zu geben, welche hilfreiche Quelltextbearbeitungen unterstützt. Top-Feature: Man kann einen IMG-Tag einfügen und dieser enthält dann direkt, was sich in der Zwischenablage befindet. Über einen stetigen Wechsel zwischen dieser App und Dropbox lassen sich so recht bequem alle Bilder einfügen. Links auf große Bilder habe ich bereits in Essay gesetzt.

Diese Variante funktioniert somit am iPad, auch wenn sie natürlich nicht ideal ist. Am iPhone ist es ähnlich: FX Photo Studio existiert als als separate App, Essay ist Universal und die Quellcodebearbeitung kann per Elements (Universal) durchgeführt werden.

Vor 1 Jahr gepostet

Seamless - Und die Musik spielt weiter

Apps wie Seamless sind einer der Gründe, weshalb ich die iOS-Plattform so gerne mag. Und Präsentationen von Apps wie Seamless.

Was macht Seamless? Die App löst ein simples Luxusproblem: Man hört Musik, ist in die Musik eingetaucht und muss gehen. Nach Hause. Oder ins Büro. Den Genuss möchte man aber nicht unterbrechen. Jetzt kommt Seamless ins Spiel: Man öffnet die App am iPhone, drückt exakt eine Taste und iPhone und Mac werden synchronisiert: Der Mac wird leise gemacht und pausiert, der iPod im iPhone spielt den Song und wird laut gemacht. Selbstredend komplett synchron - denn es geht ja um den unterbrechungsfreien Gerätewechsel.

Die App kostet 79 Cent (AppStore) und die Begleit-App im Mac-AppStore ist kostenlos (Mac-AppStore).

Erwähnenswert ist freilich das grandiose Werbevideo, welches all das verkörpert, was an der Apple-Welt so gerne verpönt wird: Arroganz, Selbstzufriedenheit, Selbstironie. In fantastischer Location aufgenommen, auf die ich sehr neidisch bin:

Vor 1 Jahr gepostet

Review: Reckless Racing

Mit Reckless Racing veröffentlicht EA ein Rally-Rennspiel in klassischer Top-Down-Sicht. In fünf (iPhone) bzw. acht (iPad) Kursen darf hierbei gegen lokale Gegner oder Online-Gegner gefahren werden. Auch wenn der Kursumfang mit, freundlich gezählten, sechzehn Kursen (jeder kann vorwärts und rückwärts gefahren werden), eher mau ausfällt, kommt bei Reckless Racing viel Freude auf.

Das liegt zum einen am guten Sound und der guten Grafik, aber auch an den sehr detailliert und interessant gestalteten Kursen mit Brücken, Flüssen, Teichen und Gebäuden. 3D-Elemente wie Steine oder Verkehrshütchen können umgefahren werden und bleiben im Weg liegen. Auch die im Matsch hinterlassenen Fahrspuren bleiben erhalten, so dass die Strecke nach einigen Runden angenehm wüst ausschaut. Die einzelnen Fahrzeuge fahren sich übrigens deutlich anders, so dass hier pro Strecke das passende Fahrzeug gefunden werden muss (oder der passende Fahrstil). Wirklich gelungen wird das Spiel aber durch die Steuerung: Fast jede denkbare Variante wurde umgesetzt, z.B. Buttons, Lenkräder und Accelerometer. Die Button-Steuerung kann an den eigenen Geschmack angepasst werden: Größe und Position lassen sich variieren.



Das Spiel kommt mit etlichen Spielvarianten: Klassisch kann auf der Jagd nach Medaillen gegen Computergegner gefahren werden oder man kämpf gegen seinen eigenen “Geist” aus der Vorrunde und versucht, aus dessen Fehlern zu lernen. Gelungen ist auch ein Paketdienstmodus, in welchem man auf zusätzlichen Strecken so schnell wie möglich Ware von A nach B bringt. Der Online-Modus funktioniert problemlos und wird über Polarbit realisiert, so dass Käufer von z.B. Crash Bandikoot 2 hier Bekanntes vorfinden.


Für Online-Funktionen und Ranglisten verwendet Reckless Racing nicht das Game Center oder OpenFeint, sondern eine eigene Lösung, die sich angenehm im Hintergrund hält. Für die Nutzung dieser Funktionen muss man sich einmalig mit einem Nickname und einer eMail-Adresse anmelden. Leider tappt Reckless Racing hier in die Faulheitsfalle und synchronisiert nicht mehrere Geräte miteinander. Wer also auf iPhone und iPad spielt, der findet jeweils unterschiedliche Spielstände vor. Die Online-Funktionen werden also nur verwendet, um lokale Ergebnisse zu veröffentlichen und nicht, um die lokalen Ergebnisse mit den evt. veränderten Online-Ergebnissen abzugleichen. Der Verzicht auf das Game Center sorgt aber immerhin dafür, dass auch das iPad in den Genuss der Online-Funktionen kommt.


Die iPhone-Version kann mit Pixelverdopplung problemlos am iPad gespielt werden. Dank der anpassbaren Steuerung bleibt das Spiel sehr gut spielbar. Im direkten Vergleich kann man gut sehen, dass die iPad-Version zwar höher aufgelöste 3D-Objekte z.B. für Fahrzeuge und Bäume verwendet, der Hintergrund aber von der iPhone-Version nur vergrößert wurde und deshalb matschig aussieht. Es ist klar, dass das Spiel auf dem iPad dennoch deutlich gewaltiger wirkt als auf dem iPhone, da weniger Spielgrafik durch die Finger verdeckt wird. Die beiden folgenden Screenshots zeigen zunächst die iPhone-Version am iPad, dann die “offizielle” iPad-Variante:




Reckless Racing ist ein ausgesprochen spaßiges Rennspiel mit beeindruckender Grafik. Die geringe Anzahl an Strecken scheint man auch bei EA bemerkt zu haben, so dass das iPhone-Spiel für freundliche 2,39€ (AppStore) über den Ladentisch geht. Diedrei zusätzlichen Tracks am iPad (AppStore) deuten bereits an, dass es weitere Strecken per In-App-Purchase geben wird.   

Vor 1 Jahr gepostet

(Link) Jetzt neu: iDOS - DOS Emulator (Universal)

Bemerkung zu diesem Link:

Spiele lassen sich (als ZIP-Datei) per iTunes übertragen und dann in der Dosbox per unzip auspacken. Etliche Klassiker wie Stunt Car Racer und Pinball Fantasies funktionieren problemlos, manche haben natürlich Geschwindigkeitsprobleme, die erst kommende iPad-Hardwareupdates beheben werden. Insgesamt ist es schön, dass so auch die alten Klassiker weiter leben können. Das Ganze kostet übrigens nur 79 Cent, die man hier durchaus investieren darf.

Vor 1 Jahr gepostet

Der Desktop stirbt

(Brett Jordan via Flickr)

Die morgige Vorstellung von Mac OS X 10.7 erfüllt mich mit Langeweile und Desinteresse. Mac OS X fühlt sich alt an. Es erfüllt seine Arbeit ohne viel Aufsehen zu erregen und ist verlässlich. Neue Software für den Arbeitsknecht interessiert mich kaum. Ich habe mich im OS X eingerichtet und arbeite täglich damit. Verbesserungen interessieren mich nicht mehr. Das Mac OS X und die komplette Klasse an mausbasierten Desktop-Rechnern ist aus meinem Fokus gerutscht. Wie konnte es dazu kommen?

Am Mac bin ich seit Mac OS X 10.2. Davor verwendete ich FreeBSD, OS/2 und PC/Geos. Auch eine kleine Windows NT-Phase war dabei. All das verwendete ich auf einem kleinen Desktop Zuhause oder natürlich dem iMac. Nach Stunden am PC auf Arbeit saß ich gerne Abends Zuhause und habe Blogs gelesen. Ich habe meine Musik digitalisiert. Etwas programmiert. Fern gesehen. Artikel geschrieben. Mich daran erfreut, dass ich nach dem Tod von OS/2 endlich wieder nicht mehr vom Betriebssystem genervt werde. Und ich habe am Nintendo DS gespielt.

Die erste Veränderung kam Anfang 2008 mit dem iPhone. Damals noch ohne AppStore konnte ich auf einmal unterwegs Blogs im Google Reader lesen und Filme sehen. Meine abendlichen Rechner-Sitzungen verschwanden und aufgenommene Serien sah ich immer häufiger unterwegs. Der Jailbreak brachte zudem Nintendo-Spiele wie Fire Emblem auf das Gerät, so dass ich meinen DS ebenfalls nicht mehr nutzen musste. Er verwaiste zusehends. Das iPhone besetzte langsam Flächen in meinem Leben.

Die zweite Veränderung kam Mitte 2008 mit dem AppStore. Auf einmal wurde aus dem kleinen Multimediabrowser ein richtiger Rechner mit offiziellen Anwendungen und Spielen. Immer mehr Dinge meiner privaten Rechnerzeit verlagerten sich auf das iPhone: Spiele, Fernsehen, Blogartikel vorbereiten, Twitter, Facebook. Hinzu kamen neue Funktionen: Shazam konnte mir im Club sagen, welcher Song dort gerade lief - und ich konnte ihn sofort über iTunes kaufen und auf dem Nachhauseweg hören. Dank Fahrinfo und DB Navigator weiß ich jederzeit - und in der Regel vor dem Bahnpersonal - welche Verbindung passend ist. Mit Qype schaue ich nach interessanten Orten in der Nähe. Und Kino.de ist mein Portal zu den Kinos in meiner Gegend (erinnert sich noch jemand an die auf U-Bahnhöfen angebrachten Spielpläne?). Die Kombination aus Online-Diensten und spezialisierten Apps sorgt für eine neue Nutzung des Internets und Rechners an sich. Wofür einen Desktop, wenn die Informationen der Welt in meiner Hand liegen? Das iPhone hat seinen Platz gefunden.

Die dritte Veränderung kam mit dem iPad. Als großer iPod Touch bot er die Bildschirmfläche eines Desktop-Rechners mit der direkten Bedienung des iPhones und ausgewachsene Software: Online-Banking, Mindmaps erstellen, PDFs durchgehen und mit Notizen versehen, Texte schreiben, Zugriff auf das Dokumente-Archiv, Remote Desktop (VNC, RDP, X11), eBay, Fotos anschauen, Wikipedia, Blogs, Fernsehen, Filme, Präsentationen und PDFs an den Beamer geben, Tabellenkalkulation - all dies geschieht am iPad.

Jetzt, drei Jahre nach Erscheinen des ersten iPhones, sieht meine Rechnerlandschaft dementsprechend verändert aus: Der iMac, einst abendliche Zentrale, wird nur noch als Fernseher und Syncstation verwendet - und wandert demnächst in das Regal. Nur noch wenige Programme sind in der tatsächlichen Nutzung: EyeTV, iTunes, Lightroom und Handbrake. Es sind zwangsläufig all die Applikationen, die für Apples Sync-Mechanismen erforderlich sind oder für die es noch keine iPad-Alternativen gibt, da das iPad zu wenig Speicher besitzt. Mein MacBook dient dagegen im Büro als Arbeitsplatz. Seit dem iPad verbringt es dort auch die Abende und Wochenenden. Alles andere wird mit dem iPad erledigt.

Sicher: Alles, was ich am iPad mache, könnte ich auch z.B. an einem Macbook oder Netbook erledigen. Die Gründe für solch dicke Rechner und dicke Software werden aber weniger. Momentan verbinden sich verschiedene Entwicklungen. Das Internet, WLAN, 3G, Datenbanken, Lokalisierungsfunktionen, Synchronisation, kein Installationsaufwand, kein Wartungsaufwand, viele Apps und natürlich die kleinen, tragbaren Computer, die mehr als zehn Stunden Betrieb überleben, sorgen zusammen für neue Einsatzgebiete und stellen immer stärker die Frage, ob es nicht viel eher die dicken Rechner sind, die sich verteidigen müssten. Denn wer möchte sich heutzutage mit der Rechnerwartung beschäftigen, nach der Deinstallation irgendwelche Application Support-Ordner aufräumen oder mit Druckertreibern im Gigabytebereich hantieren müssen? Mit Apples Touch-Geräten wächst eine Rechnerfamilie heran, die mit der alten Rechnervorstellung bricht. Diese Geräte funktionieren einfach. Für jedermann.

Dazu drei Beispiele: 

  1. Dank Air Video habe ich stets meine gesamten Filme dabei, ohne mich um die Konvertierung in ein kompatibles Format und die Synchronisierung mit iTunes kümmern zu müssen. Die Bedienung ist kinderleicht: Ich muss das iPad genau sechs Mal Antippen, um die App zu starten, mich mit dem Rechner Zuhause zu verbinden, einen Film auszuwählen und diesen zu mir zu streamen. Das dauert weniger als zehn Sekunden.

  2. Wollte ich früher eine Auktion bei eBay starten, so gingen Fotos über einen absurden Weg, der die Kamera, USB, iView und AppleScript umfasste, in einen Smart Folder, der dann von iSale, meiner eBay-Software, verwendet wurde. Heute mache ich meine Dropbox am iPhone auf, mache ein Foto, öffne die Dropbox am iPad und speichere das Bild ab. Die iPad-Version von GarageSale bietet mit dann das Bild zur Auswahl an. In der Dropbox liegen übrigens alle meine Daten außer RAW-Bilder und Videos, so dass ich auf jedem Rechner immer mit dem aktuellen Dateien arbeiten kann, ohne mir Gedanken machen zu müssen.

  3. Außerdem archiviere ich gerne Dinge. Konzertkarten z.B. oder Unterlagen. Dies umfasste früher die Arbeit mit einem Canon-Scanner, der schrecklichen Canon-Software, AppleScript und iView. Als Ergebnis mussten Scans natürlich regelmäßig auch überarbeitet werden, wo dann noch Photoshop Elements ins Spiel kam. Heute lege ich das Blatt Papier in den Scanner und nach vier Tipps im Menü hat der Scanner die Seite eingescannt und als PDF-Anhang an Evernote gemailt, über welches mir auf allen Geräten auch gleich eine Volltextsuche zur Verfügung steht. Maximal müssen die Bilder noch zugeschnitten werden. Der Workflow funktioniert so gut, dass ich sogar unterwegs Dinge mit JotNot am iPhone “einscanne” und direkt in Evernote abspeichere. Kernpunkte sind hierbei der schnelle Zugriff auf allen Systemen (die Evernote-Software ist überall verfügbar), die ohne Download der Dokumente funktionierende Volltextsuche und der komplett rechnerlose Scanvorgang. Auch die eMail versendet der Scanner selbsttätig. Vor Jahren wäre dies undenkbar (oder unbezahlbar) gewesen. Reine Standalone-Lösungen wie Yoyimbo konnten sich deshalb auch bei mir nie durchsetzen.

Hinzu kommt die momentan sehr hohe Geschwindigkeit, in der sich die tragbaren Rechner entwickeln. Man vergleiche iOS 1 und das erste iPhone mit den jetzigen Möglichkeiten, z.B. der Bearbeitung von HD-Videos in iMovie direkt auf dem iPhone.  Dafür hatte Apple früher einen speziellen iMac im Programm!

Womit wir wieder beim Desktop wären. Momentan ist er unverzichtbar. Aber er fühlt sich an wie die Videokassette, die CD und das merkwürdig riechende Sofa der Oma. Ein Relikt einer vergangenen bzw. vergehenden Zeit, in der man Daten nicht direkt anfassen konnte und sich bewusst vor den Rechner setzte. Wenn ich heute mein 1,5 Jahre altes Alu-MacBook anschaue - ein unbestreitbar elegantes, hübsches und flaches Gerät - so sehe ich ein Auslaufmodell, was sich alt und klobig anfühlt und eine Tonne wiegt.

Mitte 2010 äußerte sich Steve Jobs auf der All Things Digital. heise schrieb dazu:

“Wenn wir eine Agrarnation wären, wären alle Autos Lastwagen, denn die würden am meisten benötigt.” Autos seien mit dem Wachsen der Städte populär geworden. PCs würden ähnlich wie Lastwagen auch weiterhin benötigt, aber nicht mehr von allen. Fortschritte in der Chip- und Softwareentwicklung könnten dafür sorgen, dass auf Geräten wie dem iPad Arbeiten möglich werden, die bisher auf herkömmlichen Computern erledigt werden.

Er hat vollkommen recht. 25% Marktanteil bei PCs stimmen ihm ebenso zu wie die aktuellen Verkaufszahlen: 60% der Verkäufe entstammen Produkten, die vor drei Jahren noch nicht existierten.

In wenigen Jahren wird es selbstverständlich sein, bei Computern zuerst an Tablets oder Smartphones zu denken. Die heutigen Rechner werden nach wie vor existieren, aber zunehmend nur von Personen gekauft werden, die spezielle Aufgaben erfüllen und diese z.B. beruflich benötigen. Es wächst eine Generation heran, für die “CD” wieder nur eine Seife ist, die Musik streamt und ihr Leben in Social Networks teilt. Immer und überall. Desktop-Rechner passen hier nicht mehr rein. Auch für das MacBook wird es eng.