Tap to Play!

Text

iTunes Match. Jetzt auch hier.

Der Wechsel vom alten iTunes-Fairplay-DRM (128kbit) zum DRM-freien “iTunes plus” (256kbit) würde mich über den klassischen Upgrade-Weg über 100 Euro kosten. Oder ich werfe 25 Euro zu iTunes Match, lasse iTunes alles in die Wolke schieben und als iTunes plus-Dateien, ohne DRM, mit verbesserter Qualität, wieder herunter laden. Zudem, so meine Hoffnung, lassen sich damit mein Mac Mini und das MacBook miteinander verbinden und syncen Dateien und Metadaten. Und auf meinem MacBook wird Festplattenplatz frei, da ein iTunes aus Match heraus nicht nur downloaden, sondern auch streamen kann. Und die 25 Euro bezahlen das für ein Jahr. Und die aufgewerteten und heruntergeladenen Dateien gehören danach weiterhin mir. Deal?

Soweit die Theorie. Jetzt ist meine Infrastruktur aber nicht sonderlich übersichtlich…

Man nehme:

  • iMac, früherer Media-Server, geleerte iTunes-Bibliothek
  • Mac Mini, aktueller Media-Server, vollständige iTunes-Bibliothek
  • MacBook, enthält eine Teilkopie der iTunes-Bibliothek des iMacs mit anderen Ratings, Playcounts und sonstigen Metadaten
  • iPhone, synct per Wifi mit einer komplexen Smart Playlist-Struktur des Mac Minis
  • Zweites iPhone, synct per Wifi zwei statische Playlisten
  • iPod nano, synct per Kabel selektierte Künstler, Alben und statische Playlisten
  • iPad, synct per Wifi einige Podcasts

Ich durfte anhand etliches Tests mutiger Personen schon lernen, dass eine Umstellung auf iTunes Match folgendes bedeutet:

  • Alle Macs und iOS-Geräte haben Vollzugriff auf die komplette iTunes-Bibliothek und können jederzeit alles aus der Wolke herunterladen oder streamen.
  • Die vorhandene Musik wird dazu gegen den iTunes Store abgeglichen. Dort nicht vorhandene Songs werden hochgeladen.
  • Auf einem Gerät hinzugefügte Musik - egal welcher Quelle - steht allen anderen Geräten nach einiger Zeit zur Verfügung. So z.B. auch Einkäufe von Amazon.
  • Metadaten werden zwischen allen Geräten gesynct, sowie Playlisten - statische und intelligente.
  • Aktiviert man auf iOS-Geräten iTunes Match, so findet kein Musik-Sync mehr über iTunes statt. Musikvideos, die größer als 200MB sind, verschwinden damit von den Geräten bzw. müssen anderweitig aufgespielt werden.
  • Ebenso entfällt bei iOS-Geräten die optionale Konvertierung auf 128kbit. Meine aktuelle Playlist-Konstruktion würde somit nicht mehr auf das iPhone passen.
  • Auf iOS-Geräten werden intelligente Playlisten nicht korrekt unterstützt und zeigen “alle” Songs an, unabhängig von Sortierung oder Limitierung auf z.B. 25 Songs.

Der Plan ist somit, zunächst nur die Macs miteinander zu verbinden, da der Rest entweder kein Match unterstützt (nano) oder ich in einen großen Topf Leid treten würde (iOS).

Und so funktioniert es:

Die Aktivierung von iTunes Match auf dem Mac Mini ist zunächst harmlos: Es wird aktiviert. Dann wird gewartet. Stundenlang. In der Zwischenzeit kann man immerhin schon einmal einige hilfreiche Playlisten installieren.

iTunes analysiert nach der Aktivierung die Bibliothek, vergleicht sie mit dem iTunes Store und lädt dort nicht vorhandene Songs hoch.

Außerdem habe ich das MacBook vorbereitet. Ob das erforderlich ist, kann ich nicht sagen, aber ich habe jegliche Musik aus dem MacBook-iTunes gelöscht, fast alle Playlisten gelöscht und die wenigen verbliebenen so umbenannt, dass sie nicht mit dem Mac Mini-iTunes kollidieren. Damit enthält das MacBook jetzt nur noch Musikvideos, in der Regel Konzerte mit weit mehr als 1GB Größe, die Match eh ignoriert.

Als iTunes anfängt, mir die Anbindung eines iOS-Gerätes vorzuschlagen, aktiviere ich Match auf dem MacBook und somit dem zweiten (fast leeren) iTunes:

Ok, los geht’s!

Gut. Warten wir also weiter.

Nach 2,5 Tagen, in denen ich parallel die unten beschriebenen Verbesserungsschritte durchgeführt habe, kann dann erfolgreich Match auch auf dem MacBook aktiviert werden und dieses zeigt nach einer kurzen Wartezeit alle Songs an. Die Songs lassen sich problemlos streamen oder herunterladen.

Ein iOS-Gerät verhält sich wie folgt:

  • Die vorhandenen Playlisten werden gelöscht und durch die in iCloud vorhandenen Playlisten ersetzt.
  • Jegliche zuvor auf das Gerät synchronisierte Musik bleibt unverändert erhalten. Wer also zuvor während der Synchronisierung auf 128kbit konvertiert hat, wird weiterhin diese Dateien auf seinem iPhone vorfinden.
  • In den Einstellungen lässt sich angeben, ob nur lokale oder alle Songs angezeigt werden. Nur wenn alle Songs angezeigt werden, können noch fehlende heruntergeladen werden.
  • Das Streamen von nicht heruntergeladenen Songs ist nicht möglich. Es wird nur der Download unterstützt.

Folgendes ist mir aufgefallen:

  • Match synchronisiert tatsächlich Metadaten wie Ratings zwischen angeschlossenen Systemen.
  • Match synchronisiert keine Smart Playlists, die andere Playlisten referenzieren. Das sprengt weite Teile meiner Smart Playlists, die somit am zweiten iTunes schlicht fehlen.
  • Genius berücksichtigt nur Songs, welche lokal vorhanden sind.
  • Etwa 200 Songs werden weiterhin als “Waiting” angezeigt und stehen am zweiten iTunes noch nicht zur Verfügung.

Songs verbessern

Der Vorgang wird nebenan wunderbar beschrieben. Letztlich benötigt man folgende Smart Playlist, löscht alles in ihr und lädt dann wieder alles in ihr herunter.

6.443 der 7.235 gematchten Songs würden durch eine erneuten Download eine bessere Qualität erhalten. Verblüffenderweise habe ich sogar Hunderte Songs in 96kbit… 

Testweise versuche ich es an einer Datei: Nach dem Löschen verbleibt der Song in der Playlist und wird mit einem Wolkensymbol versehen. Anklicken, der Download startet und die 256kbit-Version liegt auf dem Rechner. Metadaten wie Ratings, Playcounts und sogar Date Added bleiben erhalten. Kurz und schmerzlos. Und geht auch mit zig Tausenden direkt über das Kontextmenü.

Zu berücksichtigen ist natürlich, dass die aus dem Store kommenden Dateien nicht nur besser klingen als z.B. ältere MP3s mit 128kbit oder 192kbit, sondern auch deutlich mehr Platz verbrauchen. Man sollte somit im Vorfeld seine Festplatte aufräumen.

Match-Q

Niels hat in seinem Blog den Match-Q erfunden:

Das Maß für die Abweichung des eigenen Musikgeschmacks vom Mainstream. Umso größer der Match-Q ist, umso weiter weicht der eigene Musikgeschmack vom Mainstream ab. Ein hoher Match-Q bedeutet auch, dass man z.B. bei Streaming-Diensten eher schlechte Karten hat.

Er kommt auf 0,53. Bei mir sieht es so aus:

Match-Q = 1-(7235 + 1176) / (10865) ≈ 0,23

Fazit

Match macht zunächst einen guten Eindruck. Ich habe nun zwei iTunes, welche auf die gleichen Musikdaten zugreifen können, ihre Metadaten synchronisieren und auf dem MacBook 30GB an Platten-Kapazität gewonnen. Außerdem liegen nun alle Dateien in 256kbit vor. Abgesehen von behebbaren Systemeinschränkungen (kein Sync von Dateien größer als 200MB, kein Sync von Smart Playlists, welche andere Playlisten referenzieren, Genius funktioniert nur mit lokalen Songs) bin ich ausgesprochen zufrieden.

Kommentare anzeigen
Gepostet am Montag, Januar 16 2012.
Getaggt mit: iTunes Match

Tap to Play! Apple. Games. And more.
flattr ist eine nette Möglichkeit zur Geldverteilung an Netzinhalte, die man gerne liest, sieht, hört oder anderweitig nutzt und unterstützen möchte. Ihr könnt entweder ganz Tap to Play! mit diesem großen Button hier flattrn oder jeden einzelnen Artikel. Noch Fragen?
EmpfehlungenFeaturesiPadiPhoneSaugroboterKindleOliver wird wenigerArchivÜberKontaktImpressumTwitterRSS App.net Ask me anything
Archiv Abonnieren
Vorige Seite Weiter