
Als Apple-User vergisst man häufig, wie die technische Realität bei der Mehrzahl von Erste-Welt-Menschen aussieht. Umso überraschter bin ich stets, wenn ich wieder einmal in diese “andere” Welt hineingezogen werde, in der millionenfach und seit Jahren gelöste Probleme nicht nur allgegenwärtig sind, sondern als selbstverständlich akzeptiert werden:
Gib mir mal die Telefonnummer von Frank, ich habe ein neues Handy und seine Nummer noch nicht vom alten übernommen.
Dieser Satz, in der U-Bahn gehört, versetzte mich etwa in das Jahr 2004. In eine Zeit, bevor das iPhone problemlos das Adressbuch synchronisierte oder der Mac per Bluetooth Adressen übertrug. Nur: Wir schreiben 2012. Man kommt ins Grübeln, wie andere mit ihren Systemen umgehen und stellt fest, dass es für viele schlicht ein Telefon ist. Oder ein PC. Der angeschaltet wird. Und dann guckt man Internet. Und E-Mails funktionieren als Kommunikationsmethode nicht, weil “man ja dafür extra an den Rechner gehen muss”. Ja, das ist auch 2012 noch so.
Letztens bin ich einer 23-jährigen begegnet, die noch nie online eingekauft hat. Noch. Nie. Mein Amazon-Konto beginnt 1999! Und während ich seit etwa 2004 Musik nur noch online kaufe, ich Mitte der 00er Jahre im Schlafzimmer Musik per Soundbridge streamte und seit Jahren auch DVDs aus meinem Leben verschwunden sind verteilt Guttenberg seine Doktorarbeit im Jahre 2007 auf 80 Disketten… Disketten, meine Damen und Herren, sehen so aus:

Schonmal gesehen? Oder verwendet? 2003 dürfte ich die letzte Diskette verwendet haben. Und schon damals besaß mein Rechner kein eingebautes Laufwerk mehr dafür.
Kurz gesagt: Für viele ist der Rechner nur Mittel zum Zweck. Er spielt im Leben nur eine untergeordnete Rolle. Vergleichbar mit der Mikrowelle wird er kurz angeschaltet und danach wieder abgeschaltet. Absurd, ich weiß, aber so ist das nunmal. Daran sollte man sich von Zeit zu Zeit erinnern, wenn man mit großen Augen das neue rechts-unten-Modell von Apple anschaut oder einen Barcode auf ein Demonstrationsplakat druckt.