
“Die Landkarte der Zeit” entdeckte ich im letzten Jahr in einem Buchladen und habe es zunächst auf die Warteliste geschoben - zu unklar war mir dieses Buch. Nachdem es im Zuge der Veröffentlichung des Nachfolgers bei Amazon auf unter fünf Euro gerutscht ist landete es auf meinem Kindle. Erstaunlicherweise ist es eines der besten Bücher, welches ich je gelesen habe.
Es besteht aus drei miteinander verwobenen und nacheinander erzählten Liebesgeschichten, die alle das Thema Zeitreisen und das Leben und Schreiben von H. G. Wells umfassen. Es spielt zeitlich Ende des 19. Jahrhunderts, wird aus der Perspektive eines allwissenden Autors erzählt, der stets zwischen Handlungen und Personen springt, Gedanken der Darsteller darlegt und offenbart eine neugierige und technologisch offene Gesellschaft, die sich zum ersten Mal mit Zukunftsliteratur und der Möglichkeit von Zeitreisen beschäftigt. Das Buch schafft es, dass man Handlungen und Gedanken aus der damaligen Perspektive nachvollziehen kann und die kindliche Neugier und Freude, die heute kaum mehr vorhanden ist, genießt. Der Autor spielt mit seinen Geschichten. Er verwebt sie miteinander und stets ist der Leser geneigt, doch zu glauben (oder nicht zu glauben), dass es Zeitreisen gibt und wird anschließend von der Handlung des Buches in Zweifel und in die jeweils andere Richtung geführt. Eine Sonderrolle hat der Darsteller H. G. Wells, der als Autor des Romans “Die Zeitmaschine” in allen drei Handlungssträngen tragend ist.
Somit ist “Die Landkarte der Zeit” nicht nur sprachlich und thematisch eine Hommage an H. G. Wells, sondern dokumentiert auch die Lebensumstände dieses Autors, wobei stets unklar bleibt, ob wir uns in “unserer” Realität befinden oder in einem Paralleluniversum, welches durch Zeitreisen entstanden ist. Sofern es diese gibt.
Eine Besonderheit des Buches ist die gewählte Ausdrucksform. Ich habe mich nicht nur an den ständigen Wendungen der Handlung erfreuen können, sondern auch an den liebevollen (und altertümlichen) Formulieren und Details. Der folgende Ausschnitt einer Rezension auf lovelybooks beschreibt die Sprache treffend:
Der Autor hat eine so tolle Geschichte voller Poesie und Leidenschaft geschrieben das der Leser förmlich in seinen Worten versinkt. Das Buch ist ein sehr anspruchsvolles Werk das man nicht einfach mal so nebenbei lesen kann sondern eines dem man seine volle Aufmerksamkeit schenken muss und auch sehr oft sein Gehirn einschalten muss. Oft habe ich das Gefühl gehabt das durch die wunderbare Schreibweise meine Augen die Sätze förmlich streichelten, weil sie so schön waren. (via)