Bloggen mit dem iOS - Reality Check
Es gibt wohl kaum eine größere Differenz zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit als beim Bloggen mit dem iPhone oder iPad. Wo z.B. Twitter absolut grandios funktioniert, sieht es bei Wordpress, Tumblr und Posterious desaströs aus. In der Regel funktionieren die einzelnen Text-Editoren, die die Web-Umgebungen mitbringen, nicht mit dem iOS. Aber auch die spärlichen nativen Apps (meist nur für das iPhone) kommen kaum über das Verfassen simpler Texte, häufig mit HTML-Eingabe, hinaus.
Es ist verblüffend, wie wenig sich in diesem Gebiet in den letzten zwölf Monaten getan hat. Einzig für Wordpress scheint es seit diesem Monat mit Blogsy eine brauchbare Alternative zu geben, so dass evt. nicht mehr die eigentliche Artikelarbeit am Mac gemacht werden muss. Die anderen Blog-Plattformen schauen scheinbar weiter in die Röhre.
Pikant ist auch die mangelnde Zusammenarbeit der einzenen erforderlichen Apps. Wird z.B. ein Bild bearbeitet, so soll es ja später in den Artikel übernommen werden. Dafür wäre es hilfreich, wenn das Bildprogramm gleich per FTP oder in die Dropbox uploaden und die URL in die Zwischenablage übernehmen könnte. Genauso wäre es praktisch, wenn ein grafischer HTML-Editor seinen HTML-Quellcode in die Zwischenablage kopieren könnte. Kein Quell der Freude ist auch stets die “Öffnen mit”-Funktion, mit der man Dateien an andere Apps übergeben kann. Dafür muss die Funktion in der Quellapp eingebaut sein und die Zielapp muss deren Dateitypen verstehen. Das führt zu lustigen Situation, wenn sich z.B. ein Quellcode-Editor nicht für HTML registriert und man somit keine Dateien an ihn übergeben kann. Die Krönung ist allerdings der Editor Elements, der sich prinzipiell weigert, eine HTML-Datei aus der in ihm selbst geöffneten Dropbox zu öffnen, diese aber als Übergabe aus der Dropbox-App klaglos entgegen nimmt – am iPhone. Am iPad registriert sich Elements erst gar nicht für derartige Dateien.
Sofern also keine All-In-One-Lösung für die gewünschte Blogging-Plattform vorhanden ist, bleibt ein chaotischer Haufen leidlich zusammen arbeitender Apps übrig.
In meinem Fall sieht es so aus:
Ich habe mich für die Apps Photo Studio FX, Essay, Textastic, QuickTumblr und natürlich Dropbox entschieden. Als zusätzliche Hilfe kommt AppShopper hinzu, da man aus dem AppStore keine Links zu den Apps holen kann.
FX Photo Studio (AppShopper) ist eine Bildbearbeitung und wird von mir hauptsächlich zur Beschneidung und Skalierung von Bildern verwendet. Die App kann zwar direkt in Tumblr speichern, erstellt dort aber ein öffentliches Posting, welches über einen Bug der Tumblr-App nicht mehr privat geschaltet werden kann. Auch kommt man nur schwer an die Bild-URL. Da die App nicht in der Dropbox speichern kann, werden zunächst die Bilder im normalen Fotoalbum gespeichert und dann mit der Dropbox-App hochgeladen. Immerhin per Batch-Upload.
Für die Textbearbeitung erscheint die iPad-App Essay praktisch (AppShopper). Der Autor antwortet zwar nicht auf Twitter-Fragen, dafür erhält man aber einen soliden WYSIWYG-HTML-Editor inkl. Linkfunktion und Dropbox-Speicherung. Was fehlt sind eine Bilderfunktion und ein “Öffnen mit”-Menü, um die Dateien direkt an andere Apps übergeben zu können. Auch die Übergabe des HTML-Quellcodes in die Zwischenablage fehlt. Leider kann man der App nicht beibringen, keinen CSS-Code in die Datei zu schreiben. Diesen muss man nämlich später wieder entfernen, da Tumblr damit nicht klar kommt. Mein Wunsch ist damit klar: Kopie des HTML-Codes (ohne CSS) in die Zwischenablage und senden des Quellcodes (ohne CSS) per “Öffnen mit”, denn das würde den nächsten Schritt überflüssig machen. Ebenfalls wünschenswert wäre die Zusatzzeile über der Tastatur, die der fantastische Texteditor Writer (AppShopper) bietet.

Bleibt folglich nur die Handarbeit: Mit dem Quellcodeeditor Textastic (AppShopper) lassen sich direkt HTML-Dateien von Dropbox öffnen. Der Editor unterstützt eine Zusatzleise für die Klammereingabe und eine spezielle Markierungsform, bei der der Cursor zwischen zwei spitze Klammern gesetzt werden kann (die Standard-iOS-Markierung würde hierbei nichts selektieren). So lässt sich der CSS-Müll von Essay, den Tumblr nicht mag, leicht entfernen. Leider scheint sich Textastic nicht für die Dateiendung “html”zu registrieren. Der geschriebene Artikel kann deshalb nicht aus Dropbox übergeben werden, sondern muss über die App erneut aufgerufen werden.

Mit QuickTumblr (AppShopper) scheint es exakt eine Tumblr-iPad-App zu geben, welche hilfreiche Quelltextbearbeitungen unterstützt. Top-Feature: Man kann einen IMG-Tag einfügen und dieser enthält dann direkt, was sich in der Zwischenablage befindet. Über einen stetigen Wechsel zwischen dieser App und Dropbox lassen sich so recht bequem alle Bilder einfügen. Links auf große Bilder habe ich bereits in Essay gesetzt.

Diese Variante funktioniert somit am iPad, auch wenn sie natürlich nicht ideal ist. Am iPhone ist es ähnlich: FX Photo Studio existiert als als separate App, Essay ist Universal und die Quellcodebearbeitung kann per Elements (Universal) durchgeführt werden.