
Wer in den 90er RTLplus geschaut hat, ist sicher unweigerlich irgendwann auf eine absurd-fröhlich-bunte Show namens “Der Preis ist heiß” gestoßen. Die Sendung zelebrierte wie kaum eine andere Sendung zuvor in 1873 Folgen (1989-1997) die “Dauerwerbesendung”: Das eigentlich dröge Konzept (Preise erraten, teure Dinge damit gewinnen) wurde durch die schillernde Farbenpracht der 90er gefördert, so dass hoffnungslos übertrieben Produkte vorgestellt, Spiele gespielt und natürlich Autos oder Reisen gewonnen wurden. Zum Erfolg trug sicherlich auch der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik bei, denn nichts stellte die neue Verkaufswelt so ungeschönt und damit faszinierend dar, wie Der Preis ist heiß.
Krönung des Ganzen: Unzählige Spiele wie „Absturz“ (mit der Figur des “Kraxelhubers”), „Rauf oder Runter“, „Die verflixte Sieben“, „Lauf und Tausch“, „Panzerknacker“, „Mehr oder Weniger“, „Einlochen“, „Falsch oder Richtig“, „Rätselpfennig“, „Tic Tac Toe“, das „Muschelspiel“, „Wer den Pfennig nicht ehrt“, „Einkaufen“, „Plinko“ oder auch „3 Nieten“. Nach den Preis-Spielen läutete „Das Rad“ die letzte Runde ein, das von Co-Moderator Walter Freiwald stets mit den Worten „Meine Damen und Herren… das Rad!“ in einem ernsten Tonfall angekündigt wurde. Die Gewinner der Preis-Spiele mussten ein Glücksrad drehen; die beiden Kandidaten, die dabei den höchsten Punktwert erdrehten, kamen ins Finale und spielten um dem „Superpreis“.
Natürlich basiert die Idee zu Der Preis ist heiß nicht auf RTLplus, sondern war die Umsetzung der US-Show The Price is Right, die in den Staaten bereits seit 1956 produziert wurde. Wie auch beim aktuellen US-Export Wer wird Millionär werden dabei Musik und Inhalt weitestgehend vom US-Original definiert und übernommen. In den einzelnen Ländern sind Bühnendokus, die gespielten Preisspiele und die Art der Moderation identisch.
So stört auch kaum, dass das iPhone-Spiele für 79 Cents [AppStore, Lite] natürlich nichts mit der deutschen Sendung zu tun hat: Die Musik, die lächerliche Lichterkette bei der Auswahl der Spieler aus dem Publikum, Spiele wie Plinko, die Vorstellungen der Produkte, deren Preis man zu erraten hat, all dies ist wie gewohnt vorhanden, wenn auch natürlich mit amerikanischen Produkten und Preisen in Dollar. So schafft es das Spiel, bereits in den ersten Sekunden einen trashigen Flashback laufen zu lassen und wie von Sinnen summt man die blödsinnige Melodie mit. 
Das Spiel startet mit der Charakterauswahl aus einer Liste von vordefinierten Personen und des Spielmodus. Three Strikes und Classic stehen hier zur Wahl. Im Three Strike-Modus hat man drei Versuche, das erste Preisratespiel zu überstehen und als Kandidat in die Sendung zu kommen. Anschließend durchspielt man eines von 16 Preisspielen. Plinko wird den deutschen Zuschauen sicherlich noch in Erinnerung geblieben sein und ist z.B. auch dabei. Am Ende geht es in den Showcase Showdown, was bei uns “Das Rad” mit dem kommenden Superspiel war.
Eine komplette Liste der einzelnen Spiele findet ihr in der englischen Wikipedia.
Für den aktuellen Preis von 79 Cent erhält man also ein Prise Nostalgie, 16 Minispiele und das gesamte Show-Drumherum. Das Spiel ist 76 MB groß, was schon vermuten lässt, dass hier nicht einfach nur Minispiele mitgeliefert werden: Die Entwickler haben sich sehr viel Mühe gegeben, die Showatmosphäre rüberzubringen. So gibt es die Originalmusik, Sprachausgabe aller Moderatorenansagen und der Produktvorstellungen, Videos aller Produktvorstellungen usw.. Das Spiel sieht, abgesehen von den etwas hölzern dreinblickenden Gesichtern, echt aus und macht alleine deshalb Spaß.
Verschweigen kann ich aber einige Negativpunkte nicht: Das Spiel läuft definitiv zu langsam! Ladezeiten und etwas Speicherfresserei kann ich angesichts der Videos und Sprachausgabe tolerieren, aber die späte Reaktion auf Button-Tipps und z.B. bei Plinko die rucklige Bewegung des Spielchips, der quasi meinem Finger hinterher hüpft, können nerven. Auch viele der Standard-iPhone-Features fehlen. Angesichts des Spielalters (es stammt aus November 2008) ist dies aber verständlich - damals waren Spieler und Entwickler noch auf der Suche nach den als Standard empfundenen Funktionen. Auch aktuelle Online-Funktionen sucht man so vergeben. Immerhin kann man über das Weiterreichen des iPhones mit seinen Freunden spielen.
http://www.youtube.com/watch?v=X-0gnIMblHo
http://www.youtube.com/watch?v=fIoPfU9Swkc
http://www.youtube.com/watch?v=MLHeFMv3aDI
Und als Schmankerl: Killswitch Engage mit dem The Price is right-Intro! (falls ihr Metal mögt). Jetzt hätte ich noch gerne Alles Nichts Oder als iPhone-Spiel.