Krazy Kart Racing - Wenig Neues im Genre

Krazy Kart Rating ist ein klassischer Fun-Kart-Racer im Stil von Nintendos Mario Kart, der im dortigen Universum bereits seit 1992 erstklassigen Kart-Spaß verspricht: In kleinen Kart-Rennwagen fahren Comicfiguren auf grellbunten Fantasiekursen herum, sammeln dabei Items wie Raketen und Beschleuniger auf und versuchen, die Gegner entweder auszuschalten oder zu überholen. Als Elite darf getrost das eingangs erwähnte Mario Kart von Nintendo angesehen werden, welches sicherlich niemals offiziell auf dem iPhone erscheinen wird und nur auf gejailbreakten Geräten in der SNES/GBA-Emulation zum Laufen zu bringen ist (
YouTube).

Auch wenn der AppStore mit Rennspielen gut versorgt ist, sieht es leider bei Kart-Racern düster aus: Cro-Mag Rally von Pangea [
AppStore] und Crash Bandicoot Nitro Kart 3D von Vivendi Games Mobile [
AppStore] erschienen Mitte 2008 zeitgleich zur Eröffnung des AppStores. Seitdem geschah leider nichts: In einem Zeitraum, der die “echten” Rennspiele von Moto Racer über Fastlane Street Racing zu Real Racing geführt hat, stand die Kart-Racer-Entwicklung für das iPhone still. Auf anderen Plattformen ist dies ähnlich, der Grund liegt dort aber in der Existenz von herausragenden Spielen wie Mario Kart, die die Messlatte für die Konkurrenz sehr hoch angesetzt haben. Dies ist auf dem iPhone nicht der Fall. Konami hat sich nun aber des Genres angenommen und scheint dabei gut vorzulegen. So schreibt
Toucharcade über Krazy Kart Racing:
The Closest Thing (So Far) to ‘Mario Kart’
Krazy Kart Racing kostet 5,99€ [
AppStore] und wurde, genau wie Crash Bandikoot Nitro Kart 3D, von Polarbit entwickelt. Vergleiche zwischen beiden Spielen drängen sich somit auf: Was unterscheidet Krazy Kart von Nitro Kart und hat das iPhone nun endlich sein Mario Kart gefunden? Die Voraussetzungen sind gegeben: Auch wenn Nitro Kart eine eher mäßige Framerate hatte, so war mit 12 abwechslungsreichen Tracks, verschiedenen Spielmodi, Items und einer gelungenen Steuerung viel Gutes vorhanden. In den letzten Monaten konnte Polarbit zudem mit Raging Thunder und Wave Blazer [
AppStore] weitere Erfahrungen sammeln. Vor allem Raging Thunder bot dabei butterweiche, dahin sausende Rennstrecken inkl. Online-Multiplayer und punktgenauer Steuerung und hat damit einige Wochen auf meinen iPhone verbringen dürfen. Konnte Polarbit diese Erfahrungen nutzen, um endlich DEN Kart-Racer abzuliefern?
Leider nein. Unter diesen sehr positiven Voraussetzungen enttäuscht das Ergebnis: Krazy Kart wirkt wie die direkte Fortsetzung von Nitro Kart, an der die Entwicklungen der letzten 12 Monate fast spurlos vorüber gegangen sind. Die ersten Spielversuche offenbarten gar eine Framerate, die noch schlechter als die von Nitro Kart war: Knapp 3 Frames pro Sekunde sorgten auf meinem iPhone 2G für Daumenkino und nicht für bunten Rennspaß. Dabei schafft dieses Gerät problemlos grafische Highlights wie Firemints Real Racing oder Gamelofts Modern Combat. Erst eine Neuinstallation des Spiels und mehrere Neustarts im Flugzeugmodus beschleunigten das Spiel auf eine akzeptable Framerate, die dennoch weit von einem flüssigen Spielverlauf entfernt war. Auf neueren Geräten dürfte dies keine Rolle spielen, dennoch ist es für Polarbit ein Armutszeugnis: Das grafisch aufwendigere Raging Thunder läuft auf dem gleichen iPhone schließlich problemlos - und Mario Kart DS läuft auch mit 10% der iPhone-Leistung perfekt.

Das Gefühl, hier ein neu verpacktes Nitro Kart vorgelegt zu bekommen, setzt sich beim Vergleich der Spielinhalte fort:
Nitro Kart bietet:
- 12 Strecken
- Accelerometer-Steuerung (ohne Horizontbegradigung)
- Automatische Beschleunigung
- Tippen für Driften
- Tippen für Hüpfen
- 8 in Holzkisten versteckte Items wie Raketen
- Kein Multiplayer
Krazy Kart bietet dagegen:
- 16 Strecken
- Accelerometer-Steuerung (mit Horizontbegradigung)
- Automatische Beschleunigung
- Automatisches Driften bei starkem Lenken
- Kein Hüpfen
- In roten Kisten versteckte Waffen
- In blauen Kisten verstecke Beschleuniger
- Wifi-Multiplayer
- Internet-Multiplayer

Die 16 Strecken unterscheiden sich deutlich von den aus Nitro Kart bekannten. Sie sind abwechslungsreicher gestaltet, verwinkelter und mit mehr Hindernissen versehen. Leider werden sie dadurch so unübersichtlich, dass man sie auswendig lernen muss, um sie unbeschadet durchfahren zu können. Richtungshinweise wie in Nitro Kart gibt es nicht, unfaire Streckenelemente dagegen durchaus: Hinter Hügeln versteckte Tümpel, nicht erkennbare und nicht überfahrbare Holzstufen und Abzweigungen, die in Lavaflüsse münden, sorgen eher für Frustration als reinen Spielspaß. Das Erlernen der Streckeneigenheiten ist auch unerlässlich, da die Kollisionsabfrage nicht vorhersehbar reagiert. So kann man durch manche Bäume hindurchfahren, um andere ist dagegen eine Art Kasten gesetzt worden, in dem man sich unglücklich verfängt - seitwärts am Baum vorbei fahren ist nicht möglich (gut im obigen Screenshot zu sehen). Ob der Streckenrand nur Dekoration ist und als Mauer fungiert oder tatsächlich den eigenen Tod in Form eines Abgrunds darstellt, variiert. Wer sich die Strecke gut einprägt, kann somit in einigen Leveln von der einen Abgrund darstellenden Kulisse abprallen und somit gegnerische Fahrer überholen. Dennoch wirkt das Spiel damit unfertig und fehlerhaft. Das unvorhersehbare Steckendesign hat in meinem Vergleichstest sogar dazu geführt, dass ich den ein Jahr alten Vorgänger mit mehr Freude gespielt habe.

Dies liegt auch an der Steuerung: Verfügen Nitro Kart und Raging Thunder über eine sehr gut eingestellte und punktgenaue Accelerometer-Steuerung, so ist Krazy Kart ausgesprochen empfindlich eingestellt. Es benötigt einige Einstiegsrunden, um zu lernen, wie man den kleinen Rennwagen ohne Übersteuerung über die Piste jagt. Leider gibt es keinerlei Einstellungsmöglichkeiten, mit denen man die Empfindlichkeit und den toten Punkt einstellen könnte. Immerhin hat es eine Horizontbegradigung in das Spiel geschafft: Bei Kurven bleibt die Strecke somit immer gerade auf dem Bildschirm sichtbar. Nitro Kart bot dies noch nicht.
Ein Highlight von Mario Kart auf dem Nintendo DS ist der Mehrspielermodus, der sowohl über ein Ad-Hoc-Netzwerk überall funktioniert, aber auch per WLAN. Dabei gibt es unterschiedliche Ligen und das Spiel kann Spielgegner ähnlicher Stärken zusammen führen. Der von Polarbit erstmals in Raging Thunder eingebaute Mehrspielermodus funktioniert dagegen ausschließlich über eine Netzwerkverbindung. Es ist also nicht möglich, “irgendwo” mittels Bluetooth-P2P eine Runde gegen seine Freunde zu spielen. Außerdem basiert der Online-Multiplayer auf Räumen, denen man beitreten kann. Das Spiel ist dabei nicht einmal in der Lage, den gewählten Nickname zu speichern, von eigenen Logos, die man sich auf die Fahrzeuge kleben kann, ganz zu schweigen. Allzu tragisch ist dies aber auch nicht, denn genau wie bei Raging Thunder sind die Server fast immer leer. Der Grund ist sehr simpel: Es gibt keine Standardräume, die immer zur Verfügung stehen, so wie das bei UniWar und auch Tap Tap Revenge funktioniert. Stattdessen muss ich mir einen Raum erzeugen, der dann bei anderen angezeigt wird. Da mein Raum nach einiger Zeit wieder verschwindet wirken die Server damit für spätere Spieler erneut leer. Wenn dann noch Server- und Verbindungsprobleme hinzu kommen, sieht es komplett düster aus. Immerhin sind die Berichte von Spielern, die es in den Multiplayermodus geschafft haben, gut. Die Spiele sollen ohne Verzögerung ablaufen. Nichts anderes erwarte ich, denn das funktioniert auch bei Raging Thunder genauso gut.

Den größten Schnitzer leistet sich Polarbit aber gerade bei den einzelnen Cups: Um einen neuen Cup mit weiteren Strecken freizuschalten genügt es nicht, einen bestehenden Cup zu gewinnen. Nach jedem Sieg müssen drei Fahrprüfungen absolviert werden. Diese entsprechen weitestgehend dem optionalen Story-Modus von Nitro Kart. Das Problem ist: Sie sind nicht optional. So muss man die eben durchgespielten Kurse erneut in einer bestimmten Zeit schaffen oder vor anderen Gegnern in das Ziel kommen (mit jeder Runde wird der letzte Fahrer aus dem Spiel genommen). Zwischen dem ersten und dem zweiten Cup ist eine Prüfung eingebaut, bei der ein Fahrer eine Bombe erhält und diese vor der Explosion an einen anderen Fahrer weiter geben muss. Der Fahrer mit der Bombe fährt dazu doppelt so schnell wie die anderen Fahrer. Das Ganze findet in einer Arena statt. Visuell kann man die klein dargestellten anderen Fahrzeuge nicht erkennen. Orientieren kann man sich somit ausschließlich über die Minikarte, die dann aber nur einen Kreis mit vielen Punkten darstellt, ohne die Fahrtrichtung abzubilden. Das Ergebnis ist - abermals - Frustration. Immerhin wird die Bombenprüfung mit einem kommenden
Update entfernt werden.
Die vielen einen den Spielspaß raubenden Kleinigkeiten in Krazy Kart schmerzen regelrecht. Nicht einmal nach einem Sieg kommt Freude auf, denn der zu Beginn zur Verfügung stehende Fahrer saust nur mit einem starren, grimmigen Grinsen, durch die Gegend. Ich frage mich ernsthaft, was Polarbit hier geritten hat. Krazy Kart fühlt sich in keinster Weise wie Raging Thunder an. Stattdessen scheint man Nitro Kart hervorgekramt, rudimentär optimiert, mit einem anderen Thema versehen und, um ein Abgrenzungsmerkmal zu schaffen, noch mit dem Multiplayermodus von Raging Thunder versehen zu haben. Das ist mir ein Jahr nach Nitro Kart und mehrere Jahre nach Mario Kart DS aber zu wenig. Das iPhone kann mehr und ich erwarte mehr. Schließlich muss für Fun-Kart-Racer nicht das Rad neu erfunden werden: 17 Jahre Entwicklungszeit können direkt bei Nintendo abgeschaut werden, um ein gelungenes Gesamtpaket zu schnüren.
Aus diesem Grund blicke ich hoffnungsvoll in den September, in dem Shrek Kart von Gameloft erscheinen wird, denn Gameloft hat zwar wenige eigene Ideen, kann aber gut bekannte Spiele kopieren. Toucharcade schreibt über Shrek Kart schon im Vorfeld:
Shrek Kart is by far the best Shrek game I’ve played, but that’s not saying a whole lot — but it’s also a fairly competitive iPhone version of Mario Kart. While it lacks the internet multiplayer of Krazy Karts, Shrek Kart, oddly enough, seems to have a lot more character.