Dass sich Gameloft recht offensichtlich von großen Spielenamen inspirieren lässt ist kein Geheimnis. So erinnert auch Shrek Kart für 3,99€ [AppStore, Lite] frappierend an Nintendos Mario Kart. Schlimm ist dies nicht, wird doch Mario Kart nie im AppStore erscheinen. Die richtige Frage ist deshalb auch: Wieviel von Mario Kart kann Gameloft auf das iPhone und den iPod Touch übertragen? Die Antwort ist glücklicherweise: Sehr viel. Trotz einiger Mängel ist Shrek Kart der erste Kart-Racer, der Konsolenfeeling aufkommen lässt. Vom Einführungsvideo und der Musik, über fantastisch detaillierte Strecken und Fahrer mit wirklichen Eigenheiten ist das hier ein sehr rundes Paket - inklusive Multiplayer-Funktionen.
Werfen wir zuerst einen Blick auf die Feature-Liste: Vier Einzelspieler-Modi warten auf einen, darunter die “Klassiker” Einzelrennen und Turniermodus, aber auch ein Wettkampf- und Arenamodus. Außerdem können lokal mehrere Spieler gegeneinander antreten: Zwei Spieler fahren gegeneinander per Bluetooth und bis zu sechs Spieler können im lokalen WLAN gegeneinander antreten. Die restlichen Zahlen: Zehn Fahrzeuge, zehn Charaktere mit charakterspezifischen Sonderfunktionen (Shreks furzen löst z.B. eine Turbo-Beschleunigung aus), elf aufsammelbare Extras wie Turbospeed oder Bienenangriff, neun Streckenlayouts (drei davon zusätzlich in umgekehrter Richtung befahrbar, somit also zwölf Strecken) und zusätzlich drei Arenen. Das ist ein ordentlicher Umfang, der ebenso ordentlich mit schön gestalteten Menüs und umfangreichen Tutorials präsentiert wird.
Gespielt wird in drei Schwierigkeitsstufen, von denen die erste so leicht ist, dass man alle Strecken gleich im ersten Versuch gewinnen kann. Vier Strecken stehen zunächst im Einzelspielermodus zur Verfügung. Je nach gewonnenem Rennen werden weitere Strecken freigeschaltet. Diese werden vor Rennbeginn in Form von 3D-Rundflügen dargestellt. Nach einem Rennen kann man es sich als Replay erneut anschauen und über seine Fahrfehler lachen.
Die Strecken sind allesamt wunderbar gestaltet: Man fährt durch eine farbenfrohe, teils pastellartige 3D-Welt, springt über Springbrunnen, fliegt über Flusstäler, rast durch Tunnel, über Eisenbahnstrecken, kämpft gegen Wetterelemente wie entgegen kommenden Schnee an und weicht Feuerfontänen aus. Gameloft nutzt das Potential der Shrek-Welt somit gut aus. Besonders die ersten freigespielten Strecken “Sumpf”, “Pfefferkuchendorf” und “Grimmberg” haben mich begeistert. Der Grafikstil ist faszinierend, wie ihr an den drei folgenden Screenshots sehen könnt:
Fährt man an der Spitze, so wird man selbstverständlich beständig angegriffen: Die Sicht wird von einer “Werbebotschaft” blockiert, wütende Bienen summen um einen herum, ein Tornado wirbelt einen umher oder man wird in einen Kürbis verwandelt und hüpft über die Strecke. Wenn man versehentlich eine vom Gegner platzierte Zwiebel frisst, so wabert die gesamte Optik wild hin und her. Manche dieser Angriffe können durch einen beherzten Hüpfer des eigenen Fahrzeugs abgewehrt werden.
Fährt man im einzelnen Rennen oder dem Turniermodus die Strecken ab und versucht, Erster zu werden, so müssen in der Arena möglichst viele Gegner von Items getroffen werden, die man genretypisch durch das Durchfahren von kleinen Boxen erlangt. Bei den Wettkämpfen (Challenges) müssen Elemente gesammelt oder ihnen ausgewichen werden. Auch ein Zeitrennen ist möglich, bei dem gegen eine feste Zeit gefahren werden muss. Eine Möglichkeit, gegen seine eigene Bestzeit zu fahren (Ghost-Modus) existiert leider nicht und die zwei weiteren Wettkampfmöglichkeiten liegen weit hinter dem, was Mario Kart hier bietet.
Im Multiplayermodus kann man gegen seine Freunde entweder per Bluetooth oder im lokalen Wlan fahren. Beides hat seine Vor- und Nachteile: Der Bluetooth-Modus verbindet zwei Spieler und steht nicht auf älteren Geräten zur Verfügung, funktioniert aber auch jederzeit unterwegs, z.B. im Zug. Der Wlan-Modus kann dagegen bis zu sechs Spieler miteinander verbinden, inkl. älterer Geräte, benötigt aber natürlich eine entsprechende Wlan-Infrastruktur in der Nähe. Online-Multiplayer, auch über Edge und 3G, soll in einem Update nachgereicht werden. Ich bin leider skeptisch, denn Käufer von Ferrari GT warten schon seit Monaten auf den versprochenen Online-Modus. Da Gameloft aber für etliche aktuelle Veröffentlichungen Online-Multiplayer angekündigt hat, hoffe ich, dass es sich hierbei diesmal nicht um leere Versprechungen handelt. Shrek Kart unterstützt außerdem nicht einmal Gameloft LIVE!, um wenigstens rudimentäre Online-Funktionen, wie sie z.B. auch OpenFeint bietet, in das Spiel zu integrieren.
Die hübsche Grafik fordert meinem kleinen 2G iPhone einiges ab: Die Flüge über die Strecke vor dem Levelstart ruckeln stark und Menübuttons reagieren mit deutlicher Verzögerung. Der Flugzeugmodus hilft hier: Das Ruckeln der Überflüge bleibt, alles andere wird aber bedien- und spielbar und auch die eigentlichen Rennen laufen problemlos ab. Dem Review auf IGN hätte der Flugzeugmodus ebenfalls gut getan:
Now, as I mentioned, there are some performance problems with Shrek Kart. I played the game on an iPhone 3G with a fresh restart. There are some grating framerate issues in Shrek Kart with the game slowing down to such a crawl at times (usually when a lot is happening on-screen) that it’s practically a slide show.
Für volle Spielbarkeit im Multiplayermodus schreit Shrek Kart aber förmlich nach einem aktuellen Gerät wie dem iPhone 3GS. Wie gut das Spiel dort läuft, zeigt folgendes Video:
http://www.youtube.com/watch?v=pUPlM0qV3Mo
Vergleichsweise habe ich Shrek Kart ebenfalls auf einem 3GS getestet: Das Spiel läuft problemlos und hat keine Hänger. Die Flüssigkeit von z.B. Cocoto (hier besprochen) oder Snail Mail [AppStore] wird aber auch dort nicht erreicht - die von Gameloft verwendete Grafikengine scheint nicht mit den für das iPhone passenden 60 Bildern pro Sekunde mithalten zu können, ein Problem, was vor einigen Monaten schon gut durch Ferrari GT (hier besprochen) dokumentiert wurde. Der Spielspaß wird dadurch kaum gebremst - zu gut sind die einzelnen Strecken designt.
Kommen wir nach all den positiven Punkten nun zu den weniger schönen Momenten des Spiels, die Gameloft die Fünf-Sterne-Wertung verhageln, vor allem der Steuerung:
Beschleunigt wird ein Kart automatisch. Gesteuert wird durch eine Accelerometer- oder Touch-Steuerung. Auf die Wahl der Steuerung war ich sehr gespannt. Mit Modern Combat (hier besprochen) hat Gameloft gerade die Steuerungsmethodik für First Person Shooter perfektioniert. Im Rahmen des anstehenden Releases von Asphalt 5 habe ich also bei Shrek Kart einen ähnlichen Meilenstein erwartet, bin aber leider enttäuscht werden. Schlimmer noch: Gameloft wiederholt die Fehler, die schon Ferrari GT für mich unspielbar machten: Die als Vorgabe eingestellte Accelerometer-Steuerung ist derart unempfindlich, dass man das iPhone in Kurven um satte 45 Grad neigen muss, woraufhin das Fahrzeug träge in die Kurve schwenkt. Die Empfindlichkeit kann zwar konfiguriert werden, aber der Gameloft-Balken scheint bei etwa 60% der Empfindlichkeit, die Cocoto Kart Online bietet, zu enden. Gelungen ist dagegen die Drift-Funktion: Wer in einer Kurve bremst und dann in die Kurve geht, der driftet. Je länger, desto länger dauert anschließend die belohnende Beschleunigungsphase. Besser hätte man diesen Mechanismus aus Mario Kart DS, wo er mit den Schultertasten ausgelöst wird, kaum übernehmen können, so natürlich fühlt er sich an! Gebremst wird mittels eines Bremsbuttons und gesprungen über das Antippen der Bildschirmmitte.
Die Unempfindlichkeit der Accelerometer-Steuerung hat mich schnell in die Arme der Touch-Steuerung getrieben, die leider ähnlich schwerfällig reagiert. Tippt man auf den linken Bildschirmbereich, so wird ausgesprochen behäbig ein Linkskurve eingeleitet. Zudem gibt es nun zwei Brems-Buttons, die links und rechts neben dem Kart angeordnet sind. Dies hat seinen Grund in der Drift-Funktion: Bei der Touch-Steuerung muss ich für einen Drift in einer Linkskurve nach links lenken, also den linken Bildschirmbereich antippen, gleichzeitig aber den dann noch zugänglichen Bremsbutton auf der rechten Seite drücken (und umgekehrt). Diese rechts/links-Kombination hat es bislang leider noch nicht geschafft, sich in mein Gehirn einzugraben, so dass ich bei der Touch-Steuerung kaum drifte, was leider den Spielspaß mindert. Weshalb Gameloft sich hier nicht an der Slide-Steuerung von Pole Position oder Assassin’s Creed 2 orientiert, verschließt sich mir.
Somit ist mein Fazit, dass es Gameloft abermals nicht hinbekommen hat, einem Rennspiel eine gute Steuerung zu geben. Dabei verlange ich nicht einmal derartig viele Optionen, wie sie Real Racing (hier besprochen) bietet. Einzig die Möglichkeit, den Accelerometer empfindlicher einstellen zu können, würde mich vollkommen zufrieden stellen. Immerhin wird Shrek Kart durch die Steuerung nicht komplett, sondern nur schwerer spielbar. Das gute Leveldesign mit breiten Wegen rettet hier viel.
Die sonstigen Geräte-Funktionen werden passabel umgesetzt: Der Bildschirm rotiert je nach Neigung korrekt, Videos werden allerdings immer gleich gedreht abgespielt, somit also evt. auf dem Kopf. Der Stummschalter wird im Spiel unterstützt, das Intro-Video ignoriert ihn aber. Ein laufender iPod wird gnadenlos ausgeblendet. Als Pseudo-Feature wird allerdings die mit dem iPhone OS 3.0 eingeführte iPod-Funktionalität verwendet, bei der man im laufenden Spiel über eine unbenutzbar lange Liste aller Titel Songs auswählen kann. Es dürfte für Gameloft sogar einfacher sein, anstelle diese Funktion einzubauen, einen laufenden iPod schlicht nicht auszublenden. Das Spiel pausiert, wenn man das iPhone mit dem Schalter oben deaktiviert, der Druck auf den Home-Button speichert das gerade stattfindende Rennen allerdings nicht. Beim Neustart des Spiels muss folglich der aktuelle Kurs von Vorne gestartet werden. Ergebnisse abgeschlossener Rennen bleiben aber immerhin gespeichert, ebenso der Fortschritt von abgeschlossenen Pokalen. Nettes Gimmick am Rande: Das Pause-Menü blendet die Menüleiste ein, somit also auch die Uhrzeit und den Akkustand.