Dass ich in meinen jüngeren Jahren gerne meterhohe Loopings für Darda-Bahnen gebaut habe und die Fahrzeuge durch in die Strecke gebohrte Nadeln abheben ließ, hat sich auch auf Computerspiele ausgewirkt: Unzählige Stunden habe ich in “Stunts” gesteckt, einem DOS-Rennspiel samt Track-Editor, in dem man seine Fahrzeuge durch Loopings und über Sprungschanzen steuert (kostenloser Download hier bei Abandonia). Die im AppStore erhältlichen Stunt-Racer konnten nicht annähernd diesen Spaßfaktor erzeugen. Bis jetzt. Mit Jet Car Stunts kommt endlich ein waschechter Stunt-Racer, der auch nichts anderes sein möchte und deshalb das Genre punktgenau trifft (1,59€ [AppStore]).
Zwei Spielmodi gibt es: In Platforming saust man mit seinem Rennwagen von Plattform zu Plattform und in Time Trial versucht man, die Rundkurse in Bestzeit zu schaffen. Beiden Spielvarianten ist gemeinsam, dass die Kurse in den Wolken platziert sind. Fällt der Wagen von der Strecke, muss man erneut beginnen. Das ist zum Glück nicht schlimm, denn die eher kurzen Kurse sind voller Checkpoints, an denen man dann startet. Allerdings darf man meist nur neun Mal an einem Checkpoint neu ansetzen, denn ab dem zehnten Versuch gilt das Rennen als verloren. Natürlich hindert einen das Spiel nicht, das Rennen komplett neu zu beginnen, dann erneut mit neun Versuchen. Insgesamt eine motivierende Spielweise.
Die beiden folgenden Videos zeigen beide Spielmodi:
http://www.youtube.com/watch?v=I3m9F_2rH1c
http://www.youtube.com/watch?v=lOS5mOi8HDc
Das Besondere an Jet Car Stunts ist allerdings nicht die Checkpoint-Spielweise, sondern die grafische Aufmachung und die Steuerung. Grafisch sind alle Kurse in den Wolken angesiedelt, mit angenehm detaillierter Wolkengrafik, unterschiedlichen Lichteffekten und je nach Gerät buttweichen 30 oder 60 Bildern pro Sekunden. Die Strecken und Fahrzeuge sind wenig detailliert, dafür aber mit Schatten angesiedelt, was dem ganzen einen stärkeren 3D-Touch gibt, als dies bei dem deutlich realistischeren Real Racing (hier besprochen) der Fall ist. Die Strecken sind meist aus verschiedenen Plattformen zusammen gesetzt, die Kurven, Loopings, Sprungschanzen und Ringe bilden. Das Gemeine: Die Plattformen sind teils so weit voneinander entfernt, dass simples Fahren nicht mehr ausreicht - der Wagen muss fliegen. Und hier kommen wir zur Steuerung: Das Spiel ist komplett auf eine sehr gut reagierende Tilt-Steuerung ausgerichtet. Über zwei Buttons wird der Wagen beschleunigt oder abgebremst (bzw. rückwärts gefahren). Mit zwei weiteren Buttons wird der Nachbrenner aktiviert bzw. die Klappen der Luftbremse werden ausgefahren, wodurch der Wagen fliegen kann. Bewirkt ein Lenken durch Neigung beim normalen Fahren das erstaunlich gut kontrollierbare Driften, wo neigt sich der Wagen im Flug leicht von links nach rechts bzw. nach Vorne und Hinten und kann so die Flugbahn beeinflussen. Der Nachbrenner wird bei jedem Checkpoint neu aufgeladen - hier gilt es also, taktisch zu überlegen, wann man ihn einsetzen sollte, denn setzt er mitten im Flug aus, so trudelt man zu Boden und darf beim letzten Checkpoint neu starten.
Vor allem die natürlich und sehr gut reagierende Steuerung sorgt für ungehemmten Spielspaß. Ohne diese Steuerung wäre Jet Car Stunts auch schlicht nicht spielbar: Die Strecken sind so eng und haben teils keine Begrenzungen, dass der Wagen auf jede kleinste Handgelenkbewegung reagieren muss. Die durch lange Flüge erreichbaren Ziele benötigen auch eine solche Genauigkeit, dass schon kleine Steuerungsfehler einen vorbei sausen lassen - die auch auf hohe Werte einstellbare Accelerometer-Empfindlichkeit ermöglicht hier Änderungen in letzter Sekunde!

Gibt es Kritik? Natürlich, aber nur wenig. Zu nennen wäre z.B. die hohe Schwierigkeit. 25 Platforming-Kurse und 11 Time Trials klingen nach viel Umfang, aber schon der letzte “Easy”-Platforming-Kurs beschäftigt mich jetzt schon den zweiten Tag in Folge. Gelegenheitsspielern sei aber gesagt, dass man schon aus den ersten Leveln so viel Vergnügen heraus schlägt, dass sich die 1,59€ rentiert haben. Als zweiten kleinen Kritikpunkt muss ich den geringen Detailgrad der Strecken anführen. Stört dies bei normalen Plattformen nicht, so ist der Looping aus vielen kleinen Vierecken zusammengesetzt: Der Wagen ruckelt also den Looping entlang. Den dritten kleinen Kritikpunkt muss ich an OpenFeint richten und weniger an Jet Car Stunts: Das Spiel versendet Highscores und Achievements über OpenFeint, welches leider das Twitter-Passwort nicht speichert. Etwa 10 Sekunden nach dem ersten Sendeversuch wird deshalb das Spiel durch die Passworteingabe von OpenFeint unterbrochen. Da hilft nur, das Twitter-Spamming in OpenFeint abzuschalten.