Entlang der Ostseeküstenroute 🚴 (Warnemünde-Stralsund)
Entlang der Ostseeküstenroute 🚴 (Warnemünde-Stralsund)
Die Tage um den Vatertag sind Equipmenttesttage: Es geht an die Ostsee, um in zwei Etappen von Warnemünde nach Stralsund zu radeln. Dazwischen wird gecampt ⛺️.

Im Vorfeld muss natürlich gepackt werden:
- Fahrradtasche 1 (Ortlieb, Backroller Plus, 40L): Schlafzimmer (Zelt, Schlafsack, Kissen, Matratze, Boden, 4 Handtücher, Duschschuhe, etliche Nahrung in Riegelform): 5,7 Kg
- Fahrradtasche 2 (Ortlieb, Backroller Plus, 40L): Pulli, lange Hose, Socken, Unterhosen, lange Unterhose, 2 Shirts, Badehose, Werkzeug, Taschenmesser, Titan-Spork, Ersatzschlauch, Nahrung in Riegelform, Fön, Bürste, 0,75L Wasser, Kosmetikkram, Kontaktlinsen, Brille, Sonnencreme, Fahrradschloss, Luftpumpe, Powerbank und Kabel: 8,3 Kg (davon alleine 3,2Kg das Schloss…)
- Ich wiege: 107,7 Kg
- Das Fahrrad: 16 Kg
- Zzgl. am Mann bzw. Fahrrad: Kurze Hose, Radshirt, Helm, Sonnenbrille, Handschuhe, Unterwäsche, Schuhe, 1,5L Wasser, Kopfhörer, Smartphone, Geldbörse, Schlüssel: 3,5 Kg
Das Systemgewicht meines Rades beträgt 140Kg, womit ich also mit etwa 1 Kg zu viel unterwegs bin. Oder anders gesagt: Meine stete Gewichtszunahme der letzten Monate (im Vergleich zu Juni 2016 sind es 7 Kg mehr) erzeugen jetzt ernsthafte Probleme: Ich bin zu schwer für mein Fahrrad und kann das mit Equipmentoptimierung nicht mehr ausgleichen. Ich muss mich optimieren.
Regenhose, Regenjacke, Überschuhe, Softshell und Kindle blieben außerdem Zuhause, da kein Platz mehr da war. Für meine geplante Dänemark-Tour heißt das leider: Ich brauche mehr Taschen, werde dort mehr Zeug dabei haben, bin aber jetzt schon am Gewichtslimit 😕.
Es stellt sich aber heraus: Meinem Fahrrad ist das egal. Ich fahre normalerweise mit 6-8Kg hinten drauf und die jetzt 14Kg bemerke ich gar nicht. Gutes Rad 😊.

Los geht es in Warnemünde. Nach der Zugfahrt möchte ich mich noch kurz verpflegen und suche erfolglos irgendein vegetarisches Brötchen. Brötchen gibt es dort zuhauf, sie sind aber alle mit Fisch belegt. Das wird in den kommenden kleinen Orten nicht anders sein, sodass ich unterwegs bei einem Imbiss mit Milchreis pausieren werde 😏.
In Warnemünde suche ich zunächst die Fähre, die mich zur Hohen Düne bringen wird. Sie ist etwas versteckt: Man muss die sehr enge und völlig überfüllte Unterführung des Bahnhofs verwenden (nicht behindertengerecht) und findet die Fähre anschließend hinter einem Eiswagen 🍦.

Dann geht es los: Zunächst unspektakulär durch den Wald oder entlang von stark befahreren Straßen auf nicht sonderlich guten Radwegen. Nach knapp 15 Kilometern schwenkt die Route direkt an die Ostsee und es geht an Dünen, teilweise mit Meerblick entlang. Endlich!
Die Wegqualität ist gemischt: Staubiger Schotter, perfekter Asphalt, wurzelige Waldwege, tolle Waldwege und die beliebten brandenburgischen Transitplatten mit mindestems 10cm-Fuge und -Höhenunterschied wechseln sich munter ab. Das führt teils zu der absurden Situation, dass ich die später am Bodden ungeheuer grandiose Landschaft nicht fahrend genießen kann, da ich ständig auf den Boden starren muss. Es gibt nämlich auch fiese Fallen: Zum Beispiel eine Abfahrt im schattigen Wald, die urplötzlich in einer Transitplatte endet - natürlich mit 10cm Höhenunterschied - nach oben ☹️.



Die Route wechselt immer wieder von Wäldern, der Fahrt durch die Boddenlandschaft und der Fahrt auf Deichen neben der Ostsee. Letztere sind extrem stark frequentiert. Unzählige E-Bike-Touristen sind hier wie in einer langen Kette unterwegs. Schnelles Vorankommen ist quasi nicht möglich und ich muss meist mit dem Strom schwimmen. Zwischen Prerow und Zingst biege ich zu meinem Campingplatz ab und baue mein Zelt auf. Wie ich später bemerke wohnen hinter mir einen Hasenfamilie und neben mir ungefähr tausend Frösche 🤔.

Erst einmal besuche in den im Campingplatz eingebauten Shop für Brötchen und Belag und genehmige mir ein Abendessen. Nach einem netten Gespräch mit einem anderen Reiseradler und einer Dusche besuche ich die Ostsee und genieße den Sonnenuntergang.


Abends liege ich im Zelt, eingekuschelt in den Schlafsack und überlege, was ich morgen machen werde. Weiter fahren oder noch einen Tag bleiben? Das Wetter ist super und mit Prerow und Zingst habe ich zwei tolle Orte um mich herum mit der Ostsee, Restaurants und dem Bodden, auf dem Schiffe herum fahren. Allerdings habe ich in beiden Orten schon Urlaube verbracht und die zur Himmelfahrtszeit völlig überfüllten Ostseeorte sind nicht mein Fall. Ich vertage das “Problem” auf morgen und schlafe bei Metallica ein, die die tausend Frösche übertönen.
Am nächsten morgen wache ich auf und habe einen dicken Ellbogen. Schleimbeutelentzündung. Hervorragend. Ich muss in der Nacht irgendwann sehr doof auf meinem Ellbogen gelegen haben. Das kenne ich ja schon vom anderen Ellbogen, der mit Punktierung und Schleimbeutelentfernung binnen zwei Tagen das Thema durchgespielt hatte (und zehn Tagen Krankenhaus und einem Jahr lang Schmerzen). Ich stehe vor der Wahl: Hier bleiben? Weiterfahren? Ich entscheide mich für die sicherere Variante und fahre weiter. Falls sich das verschlimmert - und das kann binnen Stunden passieren - hätte ich gerne eine größere Stadt mit Krankenhaus um mich. Also Stralsund. Das war ja eh mein Ziel.
Zu Beginn fahre ich ausgesprochen zügig durch die Gegend, um noch den frühen Zug zurück zu erreichen. Nach zwei Stunden wird es mir auch egal. Außerdem ist es sehr warm und ich fahre meist durch die pralle Mittagssonne. Der Ellbogen ist zwar dick, zickt aber nicht und die Landschaft ist einfach zu schön, um hier einfach durchzubrettern.





Und dann endlich Stralsund:

Ich bin zehn Minuten vor Abfahrt am Bahnhof und fahre wieder Berlin entgegen, wo ich meinem Ellbogen mit Voltaren und Kühlpads behandle.