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Blauer aufgeklappter Handheld in GBA-SP-Optik mit Puyo Pop Fever auf dem Display

Überblick#

Nach knapp einer Woche Versandzeit kam das Gerät in gleich mehreren Luftpolsterverpackungen an. Enthalten ist eine SD-Card mit Betriebssystem und einem Set an Spielen verschiedener Konsolen, ein USB-C/A-Kabel und ein Screen Protector. Die Verarbeitungsqualität ist solide, der Komfortfaktor ähnlich wie bei beim originalen Advance SP bescheiden und das Gerät legt sich beim Zuklappen schlafen. Das mitgelieferte Betriebssystem hat zwei Bereiche, um Spiele zu starten, den Game Room und das nackte RetroArch, die beide leicht unterschiedlich konfiguriert sind, sich aber gegenseitig beeinflussen. Ich habe das also schnell durch Rocknix ersetzt.

Für den Betrieb von Rocknix werden zwei SD-Karten benötigt. Eine wird mit Rocknix geflasht (die DDR3-Variante für mein Gerät). Wie bei Rocknix dokumentiert muss man eine Datei manuell kopieren und umbenennen, was problemlos funktioniert, indem man das Standard-Betriebssystem bootet und dort mit dem enthaltenen Dateimanager auf die zweite SD-Card (die mit Rocknix) zugreift. Anschließend kann man die SD-Card mit Rocknix in den ersten Slot stecken und die leere SD-Card für Spiele in den zweiten Slot. Rocknix bootet und legt auf der zweiten SD-Card die Verzeichnisstruktur für die Spiele an. Dann kann man die SD-Card am Rechner mit den Spielen befüllen und ist fertig.

Im Game Boy Advance-Betrieb ist das Gerät angenehm unaufällig: LCD-Grid und GBA-Farbfilter einmalig konfigurieren, anschließend laufen alle Spiele problemlos.

Während der normale Game Boy Advance genau null Konfigurationsmöglichkeiten hat, stehen einem bei Rocknix verschiedene offen: Die Konfiguration von EmulationStation (das ist die Oberfläche, die Rocknix startet) und die Konfiguration von RetroArch (das konfiguriert und startet die verschiedenen Emulatoren). Man kann sich hier ziemlich drin verlieren und genau das habe ich getan, um am Ende bei recht wenigen vom Default abweichenden Konfiguration anzukommen 🙄.

Meine Learnings bzw. Einstellungen:#

Ich verwende in EmulationStation weiterhin das Standard-Theme. Wenn man in EmulationStation für alle Spiele die Zusatzdaten laden lässt, gibt es Spielebeschreibungen, Boxart und Videos.

Standard-Launcher von Rocknix

Auch RetroArch hat eigene Themes und vor allem eigene Schriftartgrößen und Skalierungseinstellungen, mit denen man die absurd winzigen Schriften auf lesbare Größen und gerätekompatible Farben einstellen kann.

Ich habe die Autospeicherung aktiviert. Jedes Mal, wenn ein Spiel beendet wird, wird der aktuelle Zustand eingefroren und kann beim Start des Spiels wieder hergestellt werden. Diese Funktion existiert zusätzlich zu den normalen vom Spiel angebotenen Speicherfunktionen und auch zusätzlich zu manuell gespeicherten SaveStates.

Man kann ein Spiel so konfigurieren, dass es automatisch gestartet wird. Ist dabei ein Auto-Spielstand vorhanden, wird dieser ebenfalls automatisch geladen. Das bedeutet z.B., dass beim Start des Geräts automatisch ein Spiel gestartet und der letzte Stand fortgesetzt wird. (Man muss nur darauf achten, das Spiel vor Abschalten der Konsole auch zu beenden, damit dieser Auto-Spielstand geschrieben wird: 2x M+Start drücken.)

Speicherstände, die eingefroreren States und weitere angepasste Konfigurationen werden auf der zweiten SD-Card abgelegt, können also bequem gesichert werden. Rocknix enthält zudem Syncthing, um dies über das Netzwerk zu automatiseren. Auch ein Umbenennen der Dateien ist mit dem enthaltenen Dateimanager möglich, z.B. um aus einem manuellem Speicherstand einen für die Autospeicherung zu erstellen.

An Shadern verwende ich überall Dot und beim GBA den vba-color.

Die Ausgabe an den TV per Mini-HDMI-Kabel funktioniert. Das Standard-Betriebssystem übergibt auch den Ton, Rocknix nicht. Das Ganze sieht auf 65” aufgeblasen bescheiden aus. CRT-Shader bewirken Wunder, allerdings ist der 34XXSP dafür nicht stark genug, sodass der Anwendungsfall zwar theoretisch möglich ist (sehr pixelig), man in der Praxis aber auf die teureren und leistungsfähigeren Emulatoren ausweichen muss (oder gleich den normalen Rechner an den TV anschließt).

Bin ich zufrieden?#

Teilweise:

  • Die Buttons, vor allem die Schulterbuttons, sind sehr clicky. Ich bevorzuge softere Buttons, sowohl vom Druckgefühl her, als auch bei der Lautstärke. Der 34XXSP ist laut.
  • Das D-Pad ist zu groß. Das “Wiggling” beim Driften in Mario Kart DS geht hiermit deutlich schlechter als beim Original.
  • Der Formfaktor ist absurd unkomfortabel. Wie der Original-SP. Evt. wäre der 35XXSP doch die bessere Wahl gewesen.
  • Die beiden Sticks sind so weit unten, dass man sie nicht sinnvoll verwenden kann.
  • Der Kopfhöreranschluss ist unten. Das mag ich bei Telefonen, nicht aber bei Konsolen, bei denen die Konsole während des Spielens durchaus auch einmal auf dem Bauch aufliegt. Man benötigt also ein angewinkeltes Kabel.
  • Das Gerät ist sehr picky, was Ladegeräte und Ladekabel angeht. Ich habe ein altes Anker-Netzteil gefunden, welches zuverlässig funktioniert 🤷🏻.
  • Rocknix-spezifisch:
    • Die Wifi-Einstellungen von EmulationStation und Rocknix laufen auseinander: Emulation Station zeigt das korrekte Wifi an, verbunden wird sich aber mit dem vorherigen Wifi. Lösung: Die PSK-Datei in /storage/.cache/iwd löschen und neu starten.
    • Manchmal ist beim Booten der Sound nicht da. Zuklappen und Aufklappen behebt das Problem.
    • Das Gerät hängt sich beim Ändern der Helligkeit manchmal auf.
    • Wird das Gerät mit eingesteckten Kopfhörer gestartet, fehlt der Sound über Kopfhörer. Erneut rein stecken behebt es.
    • Beim PS4-DualShock funktioniert das D-Pad im EmulationStation, nicht aber in RetroArch. Somit in keinem Spiel.
    • Die Boot-Zeit von 35 Sekunden, bis EmulationStation komplett geladen ist, empfinde ich als zu lange.
  • Diffuse Probleme:
    • Der PS4-DualShock wurde einmal erkannt, allerdings ohne D-Pad. Jetzt erkennt er ihn (bzw. alle BT-Geräte) gar nicht mehr.
    • In EmulationStation und manchen Spielen gibt es ein knarziges Grundrauschen über den integrierten Lautsprecher, welches in anderen Applikationen wie dem Dateimanager verschwindet. Ab 10cm Entfernung zum Gerät hört man es nicht mehr – weshalb es mir auch erst nach mehreren Tagen aufgefallen ist.

Auf der positiven Seite:

  • Zu- und Aufklappen pausieren das Spiel 😃.
  • Generell ist es schön, bei Spielen mit Passwort-Leveln sowohl mit Screenshots als auch mit den Speicherständen arbeiten zu könne. Genau deshalb habe ich für die alten Spiele Emulatoren gewählt.
  • Dass das Gerät neben GBA-Spielen auch Playstation 1, SNES, Genesis (und Nintendo DS) unterstützt und am Fernseher ausgeben kann ist fantastisch:

Nascar Racing Rumble Playstation

Prince of Persia SNES