Wie einige wissen fahre ich Fahrrad. Das iPhone steckt dabei in einer passenden Halterung am Lenker, die z.B. auch einen kleinen Unfall im letzten Jahr so überstanden hat, dass das iPhone nicht einmal einen Kratzer bekommen hat, obwohl der anklemmbare Teil der Halterung samt iPhone abgefallen ist. Am Donnerstag war es anders: Die Halterung war noch da, das iPhone aber nicht.
Ich war erst etwa 3 Minuten gefahren als ich ein leichtes Klappern bemerkte. 500 Meter weiter sah ich die leere Halterung und fühlte kein iPhone in meiner Hosentasche. Damn! Ich muss es nicht richtig in die Halterung gedrückt haben, so dass es bei dem Acker, der in Berlin “Fahrbahn” genannt wird, rausgefallen ist. Ich bin die Strecke 3x abgefahren und habe es nicht entdeckt.
“Gut, dann liegt es wohl unter einem Auto.”
Folglich bin ich zurück ins Büro gefahren und habe Find my iPhone angeworfen. Das iPhone wurde angezeigt. Es funktionierte also noch, hatte Netz und konnte seine Position finden. Nur: Es war woanders! Ich bin nicht dort entlang gefahren. Es hat also jemand mitgenommen. Und es bewegt sich nicht mehr. Wer bitte schafft es binnen drei Minuten ein iPhone auf der Straße zu finden, drei Blöcke weiter zu bewegen und zu etwas zu bringen, was laut Satellitenbild aus vielen kleinen blauen Fahrzeugen besteht und somit evt. eine Polizeistation ist? Absurd. Und toll!
Auf der Wache erntete ich auf “Wurde hier in den letzten 20 Minuten ein iPhone abgegeben” ein erfreutes Nicken eines jüngeren Kollegen, ein leicht mauliges “Ich habe gerade alles fertig getippt” eines älteren Kollegen und ein “Möchten Sie wirklich sehen, wie es aussieht?”
Wollte ich.

Erwartbar. Wenn auch nicht unbedingt mit der Reifenspur in der Mitte.
Aber offenbar funktioniert es noch. Die Polizei hatte es mittlerweile abgeschaltet und nach dem Hochfahren ertönte der Verlust-Ton laut und deutlich, genau in dem Moment, in dem ich sagte, meine Kollegen hätten den Ton aktiviert. Da ich im Büro den Lost Mode aktiviert hatte konnte man unter all dem Bruch die Verlustmeldung sehen und den grünen Anrufen-Button erahnen, der mich im Büro anrufen würde und ein Testanruf eines der Polizisten auf meine Rufnummer wurde ebenfalls angezeigt.
Nach Aufnahme meiner Personalien konnte ich das Telefon mitnehmen. Ich habe zwar noch einige Tipps zu Reparaturläden erhalten, bin dann aber doch zum Apple Store gefahren und habe mir einen Termin für Montag geben lassen, bei dem hoffentlich nur das Display und samt Glas und Frontkamera getauscht werden müssen (Kommentar vom dortigen Blaushirt: “Ach du scheiße. Äh. Entschuldigung.”).
Solange der Lost Mode aktiviert ist, werden jede Bewegung des iPhones und längere Aufenthaltsorte auf einer Karte festgehalten und per E-Mail versendet. Mein Fahrt zum Apple-Store und nach Hause konnte ich dementsprechend nachverfolgen. Eine sehr hilfreiche Funktion, wenn das iPhone wirklich gestohlen wurde und der Dieb so dumm ist, es in einem sendenden Zustand zu belassen.
Nun kommen wir zu einem Fehler in Apples Workflow: Wurde das iPhone gefunden, so kann man den Lost Mode deaktivieren. Apple geht aber nicht unbedingt davon aus, dass es gefunden wurde, sondern belässt das iPhone mit einer Sperre. iTunes wiederum kann von einem so gesperrten Gerät kein Backup machen. Und ich kann den Code nicht eingeben, da das Display defekt ist. Somit verliere ich evt. am Montag alle Daten, die seit dem letzten Backup im Mai angesammelt wurden, sollte es auf ein Austauschgerät gehen. Spannenderweise interessiert sich iPhoto nicht für die Sperre, sondern sichert problemlos alle neuen Fotos herunter…
Montag: Das iPhone wurde für 199€ ausgetauscht und von mir Abends aus dem alten Backup wieder hergestellt. Dank iCloud, Things Cloud, Dropbox, Evernote, iTunes Match und Real Racing Cloud waren alle Daten wieder da, bis auf Fatwatch (der Restore aus der CSV-Datei ging nicht), Momento (es gibt hier nur einen iTunes-Export, den man somit nie durchführt…) und einige Spiele, die noch immer mit nichts im Netz syncen, die ich in den 1,5 Monaten allerdings auch nicht gespielt hatte. Auch wenn das somit glimpflich verlief werde ich jetzt wieder regelmäßiger Backups durchführen.
PS: Dass das iPhone 3GS noch das aktuelle iOS unterstützt ist ein Segen. Sämtliche Apps abgesehen von aktuellen Spielen funktionieren problemlos auf diesem Gerät, sodass es das ideale Ersatzgerät darstellt. Schade, dass Apple es mit Android Windows Phone iOS 7 nicht mehr unterstützen wird.
Zufällig bin ich heute über Amazons Kindle-Seite gestolpert, auf welcher man die eigenen Bücher, den Lesestatus, die Markierungen und Notizen einsehen kann:

Damit gibt es auch eine Möglichkeit, alle Markierungen in Evernote zu speichern:
Es öffnet sich anschließend eine Ansicht aller Highlights aller Bücher, bei der das ausgewählte Buch oben angezeigt wird:

Anschließend muss man nur die Highlights dieses einen Buches markieren und per Web-Clipper (der Browser-Extension) in Evernote abspeichern:

Wichtig ist hierbei das “Save Selection”.
Es ergibt sich anschließend folgende Evernote-Notiz:

Dass Spannende: Die “Read more”-Links funktionieren weiterhin. Am Mac öffnet Evernote z.B. die Kindle-App, diese lädt automatisch das Buch herunter, öffnet es auf der passenden Seite und zeigt die Markierung an:

Unabhängig von der Schönheit von Riposte und den Link Annotations von Felix hat sich in den letzten Wochen hAppy in den Vordergrund gedrängt und mittlerweile sogar einen prominenten Platz in meinem Launch Center erreicht. hAppy, dieses unendlich hässliche Ding, hat in der letzten Zeit wahnsinnig aufgeholt (und ist sogar weniger hässlich geworden).

Einige der interessanten Funktionen:

Abgesehen vom fehlenden Push ist hAppy damit mittlerweile ein vollwertiger App.net-Client geworden. Er ist sicherlich nicht für jeden geeignet und strahlt einen spröden Entwickler-Charme aus und die deutsche Übersetzung ist wirklich fürchterlich (“normal Keyboard”), aber mir gefällt, dass hier auch abwegige Funktionen einfach mal eingebaut werden, weil sie möglich sind. hAppy fühlt sich wie eine kleine App.net-Werkzeugkiste an, während Riposte als Sportwagen vorbei huscht. Genau deshalb verwende ich es immer häufiger und dank des Drosselkom-Modus unterwegs mittlerweile auch häufiger als die anderen Clients.
Natürlich fehlt mir einiges, von dem ich hoffe, dass es @dasdom noch einbaut. Damit ich das alles nicht vergesse schreibe ich es hier auf:
Wir machen jetzt mal das mit der Fairness. Ach, nicht wir, sondern ich. Denn der Spiegel Online-Chefredakteur hat ja, wie man in der taz nachlesen darf, gesagt, dass er von mir kein Geld möchte, sondern möchte, dass ich weiterhin die Werbung anstelle der Artikel lese. Gut, damit sind die Fronten geklärt.
Auffällig ist weiterhin, dass sich die meisten Websites weigern, direkt Geld von mir anzunehmen oder Zwischendienste wie flattr zu nutzen, geschweige denn eine Art Auto-Flattr für gelesene Artikel anzubieten. Dass ich die ZEIT abonniert habe ist nur eine Gefälligkeit, denn ob mein Geld irgendwie bei zeit.de ankommt kann ich nur vermuten (die ZEIT hat die Anfrage noch nicht beantwortet).
Die große Ausnahme ist welt.de, die mir, als Gelegenheitsleser, die Nutzung der Website gestattet und bei vielen Aufrufen Geld haben möchte. Von mir. Jaha, das geht, lieber Spiegel! Ich habe aus diesem Grund dort den Ad-Blocker deaktiviert. Überraschenderweise bleiben die Werbeflächen dort aber auch mit deaktivierten Ad-Blocker leer…
Damit hat die Ad-Blocker-Aktion tatsächlich etwas erreicht: Die taz erhält jetzt Geld. Alle anderen Medien versuche ich, zu ignorieren. Mein Ignorieren erspart denen wiederum Geld, da ich die Seiten z.B. nicht von ihrer Infrastruktur abrufe. Ob das allerdings der gewünschte Effekt dieser Aktion sein sollte?
Die aktuelle Diskussion im Ad-Blocker bringt mich dazu, über Werbung nachzudenken: Welche Werbung nehme ich bewusst wahr? Wann empfinde ich Werbung als nicht störend? Welche Werbung beeinflusst mein Kaufverhalten?
Ich meide Werbung. Ich lese keine Werbung, die in meinem Briefkasten landet. Ich möchte keine Werbung als Mail erhalten und auch keine Newsletter. Litfaßsäulen nehme ich als Dekoration wahr. Die neueren surrenden Werbetafeln stören mich, da sie Unruhe in die Umgebung bringen. Displays mit Werbung stören mich ebenso - sie lenken mich von der Welt ab. Apps mit Werbung verwende ich nicht, da ich nicht versehentlich auf ein Banner klicken möchte. TV-Werbung überspringe ich in Aufnahmen, da ich ungern angebrüllt werde. Sollte ich doch versehentlich Live-TV schauen, so mache ich den Ton aus oder verlasse den Raum. Und so geht es immer weiter. Ich möchte keine nicht angeforderte Werbung in meinem Leben. Werbung stört. Werbung lenkt ab. Werbung ist immer schlecht. Jemand möchte mir etwas verkaufen, das ich nicht angefordert habe.
Natürlich funktioniert diese Werbung dennoch. Drei ungeöffnete Werbebriefe von Kabel Deutschland und ein defekter Alice-DSL-Anschluss haben mich zu einem Kabel Deutschland-Kunden gemacht. Aber erst, als diese Provider-Änderung erforderlich war, nicht davor. Und auch erst nach Recherche verschiedener Angebote.
Und dann gibt es gewünschte Werbung: Den Lovefilm-Newsletter z.B., der mich über neue Filme informiert. Die iTunes-Benachrichtungen bei Updates meiner “Künstler”. Die automatisch gemäß meiner Hörgewohnheiten in meinem Kalender aufpoppenden Konzerthinweise von last.fm. Die Buchempfehlungen von tracknewbook.com. Diese gewünschte Werbung habe ich bewusst angefordert. Ich empfinde sie nicht als störend, sondern als Dienstleistung. Sie ist zudem auf mich personalisiert und enthält nur Dinge, die mich interessieren, was somit in der Regel in Käufen resultiert.
Womit wir beim klassischen Gegensatz zwischen Push und Pull sind. Werbung ist normalerweise Push. Sie drängt sich ungefragt in mein Leben. Ich möchte Pull. Ich möchte mir Informationen suchen, Dinge vergleichen und evt. dafür auch von mir im Vorfeld ausgewählte Werbung erhalten.
Wenn ich neue Möbel suche, dann öffne ich die bevorzugten Websites der Möbelunternehmen, klicke mich durch deren Kataloge, fahre hin und kaufe. Ebenso bei Elektronik. Nur dann, in diesem Moment des Suchens, bin ich empfänglich für Push-Werbung, sofern diese unaufdringlich daher kommt.
Leider funktioniert die Werbeindustrie anders. Es gibt keine zentrale Stelle, an der ich sagen könnte, dass ich jetzt für eine Woche Angebote für Produkte der Kategorie X in der Preisspanne Y erhalten möchte, woraufhin sich alle Webseiten, TV- und Radio-Sender und Werbemails entsprechend verhalten (und nach dieser Woche auch wieder verstummen). Werbung ist heutzutage immer Push und das Höchste der Gefühle sind personalisierte Newsletter, die vorausgewählten Themenbereichen entsprechen oder eine gespeicherte Suche in KaufDa.
Dafür brauchen wir eine Lösung. Die Lösung ist aber nicht, immer penetrantere Werbung zu erfinden. Große Beamer wie z.B. auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, die das Farbschema des Bahnhofs durch ein deutlich kälteres Weiß sprengen. Surrende Werbetafeln und Litfaßsäulen, die jede verbliebene Ruhe vernichten. Werbeflächen, die sich über die Inhalte von Webseiten legen und damit verhindern, dass ich die Webseite lesen kann. Werbebanner, die in Apps an Stellen erscheinen, an denen normalerweise die Standardbuttons lägen und somit versehentliche Klicks erzeugen, die dann Abos auslösen.
Die Werbebranche befindet sich momentan in einem Aufmerksamkeitskrieg gegen ihre Kunden und die Medien machen, da ihnen alternative Finanzierungsmodelle nicht einfallen, dabei mit. Ein Ad-Blocker im Web-Browser ist die letzte Verteidigungslinie und schon aus Selbstschutz erforderlich. Die Penetranz von Werbung in der “echten Welt” lässt mich eher bedauern, dass wir nicht auch dafür einen Ad-Blocker besitzen.
Heute, am 13.5.2013, starten verschiedene Webseiten eine Kampagne gegen Ad-Blocker, darunter z.B. spiegel.de und zeit.de. Die entsprechenden Seiten präsentieren sich bei einem Aufruf mit einem großen Text über der eigentlichen Seite:


Gerade die ZEIT ist ein wunderbares Beispiel für die Absurdität dieser Bitte: Seit Jahren möchte ich die ZEIT für ihre wirklich sehr gute Website bezahlen. Es geht nur nicht. Es gibt nämlich nur die Möglichkeit, die gedruckte ZEIT als Abonnement zu kaufen. Gedruckte Zeitungen funktionieren für mich aber nicht und die Tablet-ZEIT ist nicht mit der ZEIT-Website verbunden, z.B. für Kommentare. ZEIT und ZEIT Online sind außerdem auch unterschiedliche Redaktionen. Und um komplett zu verwirren: Sämtliche Inhalte der gedruckten ZEIT erscheinen nach einigen Tagen online. Teils mit anderen Überschriften. Und es gibt ein Archiv, in dem die ZEIT-Ausgaben der letzten 50 Jahre einsehbar sind. Dafür würde ich gerne bezahlen. Es geht nur nicht. Die ZEIT möchte mein Geld nicht und ich möchte kein Print-Abo, sondern zeit.de bezahlt benutzen.
Einfacher Deal: Ich zahle, dafür kann ich eure Website ohne Werbung benutzen.
Nur: Das wird nicht angeboten.
Möchte ich die Website verwenden, so bin ich gezwungen, Werbung zu ertragen. Das biete allerdings ich nicht an. Werbung verhindert, dass ich den Inhalt ohne Störung lesen kann. Sie lenkt ab. Sie ist im Weg. Damit kostet sie mich Lebenszeit.
Einfache Lösung: Ich zahle, dafür kann ich eure Website ohne Werbung benutzen.
Ich lehne es ab, Produkte zu kaufen, deren Unternehmen bei euch Werbung schalten, die mir angezeigt wird, woraufhin die Unternehmen dann wiederum euch bezahlen. Nehmt mein Geld direkt, ohne diesen Mittelsmann.
Übrigens: Ich habe nicht darum gebeten, dass ihr mir die Inhalte vermeintlich kostenlos zur Verfügung stellt. Das war eure Entscheidung. Ihr möchtet mein Geld nicht. Lebt damit. Macht eine Paywall. Lasst mich bezahlen. Ich mache das gerne. Aber pöbelt mich nicht an, weil euch keine besseren Lösungen einfallen.
Nachtrag: Im Zuge dieser “Werbeaktion” habe ich die ZEIT für den Kindle abonniert. Ich zahle also dafür. Wofür auch immer. Die Website präsentiert sich noch immer entweder mit zappelnder Flash-Werbung und wechselnden Hintergrundfarben oder mit dem Adblocker-Hinweis. Daraufhin schrieb ich folgende Mail an die ZEIT:
Hallo,
ich bin Abonnent der ZEIT und erhalte momentan auf zeit.de eine Meldung, die mich um die Deaktivierung des Ad-Blockers/Flash-Blockers bittet. Ich abonniere die ZEIT, da es keine Möglichkeit gibt, für die Website direkt zu bezahlen und es nur Abonnements für die gedruckte Zeit und die verschiedenen elektronischen ZEIT-Ausgaben gibt. Ich lese die abonnierte ZEIT folglich nicht.
Bitte teilen Sie mir mit, ob es irgendeine Querfinanzierung von zeit.de durch eines der angebotenen ZEIT-Abonnements gibt.
Falls ja: Weshalb wird mir als Abonnenten weiterhin Werbung angezeigt?
Falls nein: Weshalb kann ich nicht direkt für zeit.de bezahlen?
In beiden Fällen: Anhand der Einnahmen über Werbebanner bzw. bei einer Querfinanzierung durch Abonnement-Einnahmen bzw. Einzelverkäufe sollte Ihnen der Betrag bekannt sein, den ein regelmäßiger Besucher von zeit.de “erwirtschaften” muss, um zeit.de zu finanzieren. Bitte bieten Sie eine Möglichkeit an, diesen Betrag direkt zu bezahlen, damit ich die Website ohne Werbung nutzen kann und nicht gezwungen bin, ein Abonnement zu führen, welches ich nicht lese, da alle Artikel der gedruckten ZEIT auch auf zeit.de mit mehr Funktionen als in der gedruckten oder Tablet-ZEIT erscheinen.
Freundliche Grüße
Als Antwort erhielt ich bislang einen Abwesenheitshinweis. Eine sinnvolle Antwort erwarte ich allerdings nicht, denn bei den meisten Zeitungen und Zeitschriften ist der Leser nicht der Kunde, sondern die Werbeindustrie.
Ergebnis eines Basisentscheids ist ein Beschluss, der einem Beschluss auf dem BPT gleicht, somit verbindlich ist. Sollte der Basisentscheid ein Thema betreffen, welches dem Parteiprogramm widerspricht oder nur auf einem BPT abgestimmt werden können, so gilt der Beschluss als empfehlend.
Ein Antrag darf nicht von Einzelpersonen, sondern nur von einem Team von mindestens fünf akkreditierten Mitgliedern eingereicht werden oder über den BPT. Der Bundesvorstand darf zusätzlich organisatorische Anträge einbringen.
Vor einer Abstimmung werden die Anträge angemessen vorgestellt und zu deren Inhalt eine für alle Teilnehmer zugängliche Debatte gefördert. Es ist nicht definiert, was “angemessen” bedeutet.
Sogenannte Verantwortliche, die per BPT oder Basisentscheid gewählt werden. Existieren wie momentan keine Verantwortliche, so steuert der Vorstand die Anträge. Der Vorstand entscheidet somit momentan, welche Anträge zulässig sind, welche Anträge konkurrierend sind und wann die Anträge abgestimmt werden (Stichtag).
Die Fristen können “in besonders dringenden, für die Partei unerlässlichen, vorab begründeten Ausnahmefällen” unterschritten werden. Wie diese Ausnahmefälle bei den Verantwortlichen beantragt und beschlossen werden ist nicht definiert.
Was mit dem Stimmzetteln nach Beendigung der sicheren Aufbewahrung geschieht ist nicht definiert.
Nach einer Abstimmung über einen Antrag sind dieser oder sehr ähnliche Anträge für eine Dauer von 12 Monaten zur Einreichung, Einbringung und Abstimmung gesperrt. Wie diese Ähnlichkeit erkannt wird ist nicht definiert. Vermutlich fällt dies in den Verantwortungsbereich der Verantwortlichen, somit momentan des Vorstands.
Zwischen den Stichtagen muss ein Abstand von mindestens vier Wochen liegen, es sei denn, es liegt ein Ausnahmefall vor. Es sollen nicht mehr als zwanzig Abstimmungen zu demselben Stichtag erfolgen, was die Anzahl der insgesamt durchführbaren regulär abstimmbaren Anträge auf 260 pro Jahr deckelt.
Böswillig betrachtet ist damit der Bundesvorstand, der selber organisatorische Anträge einreichen darf, in der Lage, das System alleine durch die Anzahl der Anträge zu blockieren.
Teilnahmeberechtigt sind alle persönlich identifizierten, am Tag der Teilnahme stimmberechtigten Mitglieder, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen nicht im Rückstand sind.
In Textform, somit also z.B. per E-Mail. Die eingereichten Anträge, sowie alle Abstimmungen und deren exakte Ergebnisse werden auf den Webseiten (welchen?) der Partei veröffentlicht.
Über einen Antrag wird nur abgestimmt, wenn er innerhalb eines Zeitraums von zwölf Wochen vor dem Stichtag ein Quorum von 10% der Teilnehmer als Unterstützer erreicht (5% bei konkurrierenden Anträgen) oder der Antrag vom Bundesparteitag eingebracht wurde.
Das Quorum orientiert sich an der Anzahl von akkreditierten Mitgliedern, die sich für ein Themengebiet angemeldet haben. Momentan gibt es die Themengebiete “Politik” und “Innerparteiliches”.
Ausnahme: In den ersten drei Kalendermonaten werden die Teilnehmer, die zum Ende des letzten Jahres stimmberechtigt waren, ebenfalls für das Quorum berücksichtigt.
Abstimmungen können elektronisch, per Urne oder Brief, oder auf einem Parteitag erfolgen. Abstimmungen außerhalb des Parteitags erfolgen entweder pseudonymisiert (online) oder geheim (offline).
Bei einer pseudonymisierten Abstimmung wird jedem Teilnehmer ein neues, unverwechselbares Pseudonym (Einmal-Token) zugewiesen, mit dem nur der Teilnehmer und die Verantwortlichen die abgegebene Stimme dem Teilnehmer zuordnen können. Der Teilnehmer kann prüfen, ob seine Stimme korrekt im System gespeichert wurde. Da nicht definiert wurde, ob die Pseudonyme und ihr Stimmverhalten nach Abschluss der Veranstaltung veröffentlicht werden, kann momentan nicht gesagt werden, ob auch eine Prüfung der eigenen Stimme im Ergebnis möglich ist. Der Passus “die Verantwortlichen befragen stichprobenweise Teilnehmer, ob ihre Stimmen korrekt im Ergebnis erfasst wurden und erstatten darüber Bericht” deutet allerdings darauf hin.
Bei personellen Sachverhalten oder auf Antrag einer Minderheit (5%-Quorum) muss die Abstimmung geheim erfolgen. In einer geheimen Abstimmung sind die einzelnen Schritte für jeden Teilnehmer ohne besondere Sachkenntnisse nachvollziehbar und die Stimmabgabe erfolgt nicht elektronisch. Bei der Abstimmung per Urne erfolgt die Stimmabgabe an dezentralen Urnen. Falls nicht gewährleistet werden kann, dass eine Urne bis zum Stichtag sicher verschlossen werden kann, erfolgt die Stimmabgabe an ihr ausschliesslich am Stichtag. Jeder Teilnehmer wird einer Urne zugeordnet und kann nur dort nach persönlicher Identifizierung seine Stimme abgeben. Der Teilnehmer wird der seinem Wohnort nächstgelegenen Urne zugeordnet, es sei denn er beantragt bis zu drei Tage vor der Eröffnung der Urne eine andere Zuordnung. Die Auszählung erfolgt mitgliederöffentlich unverzüglich nach Ende des Stimmabgabezeitraums.
Es besteht keine Möglichkeit, mit der Teilnehmer der Online-Abstimmungen überprüfen können, ob die abgegebenen Stimmen korrekt gewertet wurden oder ob nur die Stimmberechtigten abstimmen. Nur die Überprüfung der eigenen Stimme ist möglich. Es wird stattdessen festgelegt, dass die “Manipulation einer Abstimmung oder die Veröffentlichung von Teilergebnissen vor Abstimmungsende” “ein schwerer Verstoß gegen die Ordnung der Partei” sind.
Teilnahmeberechtigt sind alle persönlich identifizierten, am Tag der Teilnahme stimmberechtigten Mitglieder, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen nicht im Rückstand sind. Wie dies festgestellt wird ist nicht definiert.
Zunächst einmal gar nichts, denn das technische System dafür existiert nicht. Auch wenn die Antragsteller von wenigen Tagen Implementierungsarbeit sprechen, darf man hier getrost für fachliche und technische Konzeption, Entwicklung, Test, Live-Stellung und Bildung der innerparteilichen Prozesse von mehreren Monaten Arbeit sprechen, wenn man sich eine Gesamtlösung wie Liquid Feedback anschaut. Natürlich geht es auch kleiner: Antragsportal im Wiki und ein Abstimmtool ähnlich zu Limesurvey verschieben den kritischen Zeitpfad eher in Richtung der innerparteilichen Prozesse für die Brief- und Urnenwahl. Da wir keine Verantwortlichen gewählt haben obliegt es dem Vorstand, die Entwicklung des Systems voran zu treiben. Vor allem aber obliegt es dem Vorstand, einen Stichtag für die erste Abstimmung festzulegen. Solange kein Abstimmwerkzeug verfügbar ist kann dem Vorstand dies also egal sein, denn er legt einfach keinen Stichtag fest. Vermutlich wird der Vorstand auch eher mit der Wahl beschäftigt sein.
Wo und wie Anträge eingereicht werden ist ebenfalls nicht definiert, somit z.B. auch nicht, ob die Warteschlange für die Teilnehmer einsehbar ist. Böswillig ausgedrückt kann momentan der Vorstand also das System sowohl bei der Einreichung als auch bei den Abstimmungen - durch das Herauszögern eines Stichtags - blockieren.
Für mich ist damit klar, dass aus SÄA003 niemals ein lauffähiges System wird.
Aber selbst wenn es funktioniert erhalten wir damit nur ein Online-Abnickwerkzeug. Im Gegensatz zu Liquid Feedback, in dem Anträge gemeinsam erarbeitet und verbessert werden können, können wir hier nur die eingereichten Anträge abnicken. Die Geschäftsordnung erwähnt konkurrierende Anträge, nicht aber die Überarbeitung bereits eingereichter Anträge. Im Worst Case können somit Einreicher keine Änderungen durchführen, sondern nur einen weiteren - konkurrierenden Antrag - einreichen und den Originalantrag zurück ziehen, der dann aber von anderen übernommen werden könnte.
Der Workflow ist aber leider auch in anderen Fällen kaputt: Die offene Debatte beginnt vier Wochen vor dem Stichtag mit der Einladung an die Teilnehmer. Konkurrierende Anträge können aber anschließend nicht mehr eingereicht werden und auch ein Jahr lang nach der Abstimmung nicht mehr. Fällt also in der Phase der offenen Debatte jemandem etwas Schlimmes auf, so kann dies erst ein Jahr später korrigiert werden oder auf einem BPT, der ja halbjährlich stattfindet. Kritisch ist also, wann man von den Anträgen erfährt, damit man noch reagieren kann:
“Mitglieder werden in Textform rechtzeitig über mögliche Stichtage für Abstimmungen informiert. Die eingereichten Anträge, sowie alle Abstimmungen und deren exakte Ergebnisse werden auf den Webseiten der Partei veröffentlicht.”
Eine E-Mail wird es folglich nur zur Kommunikation der Stichtage geben, nicht - wie bei Liquid Feedback - zur Kommunikation der Aktivitäten im System. Wenn wir davon ausgehen, dass mit “die eingereichten Anträge” tatsächlich alle eingereichten Anträge gemeint sind und nicht nur die für die Abstimmung relevanten (das wären “eingebrachte” Anträge), so ist unklar, wo diese veröffentlicht werden. Bedeutet “Webseiten der Partei” auch, dass die Anträge irgendwo im Wiki versteckt werden dürfen und das ausreichend wäre? Die Sichtbarkeit der Anträge muss folglich in der GO intensiver herausgearbeitet werden. An der Sichtbarkeit hängt die Beteiligung und somit der Erfolg des Systems.
Das Schöne ist: Das steht alles nicht in der Satzung, sondern in der GO und diese kann mit einfacher Mehrheit auf einem BPT oder direkt per Basisentscheid verändert werden. Diese Kritikpunkte am Prozess lassen sich folglich recht einfach beheben. Ich vermute dennoch, dass es einfacher ist, einfach eine abgesteckte Oberfläche für eines der existierenden Liquid Democracy-Tools zu entwickeln als hier ein neues Tool zu bauen.
Nun gut, was könnten wir denn nun damit abstimmen?
Aus der Begründung von SÄA003:
“Des weiteren kann prinzipiell über alle Sachverhalte abgestimmt werden, allerdings gelten die laut Parteiengesetz dem Parteitag vorbehaltenen Inhalte (u.a. Programm, Satzung, Vorstand) lediglich als empfehlende Basisbefragungen. Zwar wären solche Beschlüsse wegen des nicht mehr zeitgemäßen, halbgaren Parteiengesetz nicht rechtlich verbindlich, sie wären aber politisch wirksam und damit de facto verbindlich, wenn die Beschlüsse nach strengen demokratischen Grundregeln (Art. 21 GG) durch einen viel größeren Teilnehmerkreis zustande gekommen sind, und die Partei das Ergebnis als für sich verbindlich akzeptiert.”
Ergibt somit: Sonstige Anträge lassen sich verbindlich durchführen, alles andere nur empfehlend. Ob die Abgeordneten oder der Vorstand das als verbindliche Parteientscheidung betrachten ist ihnen selbst überlassen.
Wir haben uns hier also gerade für ein System entschieden, welches noch nicht existiert, Abstimmungen maximal alle vier Wochen ermöglicht, keine Entwicklung der Antragstexte im System erlaubt, nur 260 Anträge pro Jahr behandeln kann, mit dem man nur sonstige Anträge behandeln kann und keine Möglichkeit hat, auf die Tagespolitik zu reagieren.
Welches Problem lösen wir damit? Gar keins.
Das wunderbare Geburtstagsgeschenkt “Der Winterschmied” hat mich wieder einmal in die Hände von Terry Pratchett getrieben:

Und 449 Webseiten.
Fabian hat nebenan aufgeschrieben, wie er sein monatliches Budget plant. Das kam mir alles sehr bekannt vor: 2008 fing ich mit der kleinen App Spend an, mir ein Monatsbudget zu bilden, Einkäufe dort einzutragen und so stets zu wissen, wieviel Geld bis zum Monatsende noch übrig bleibt. Ein stetes Aufstocken dieses virtuellen Budgets vom Konto durch Geldabheben war natürlich ebenfalls drin. Seit einigen Monaten mache ich das nicht mehr so, denn es hat nicht funktioniert. Mein Budget war zu gering ausgewählt und ich war beständig dabei, das Budget zu erhöhen und umzuschichten. Ich fühlte mich wie ein Versager, bloß weil ich zehn Euro über dem Budget liege und es wieder einmal nicht geschafft hatte.
Ich mag zwar Strukturen, aber diese war für mich zu eng, zumal ich mit Sparkonten, einem ausreichenden Gehalt und keinen laufenden Krediten auch keine finanziellen Probleme habe. Letztlich brauche ich nur eine Langzeitplanung, in die irgendwie die laufenden Kosten eingeplant werden müssen, damit ich Fragen beantworten kann wie “Wieviel Geld können wir dieses Jahr für den Urlaub ausgeben, wenn wir nächstes Jahr umziehen möchten?”
Meine Lösung:
Ich plane alle Ausgaben bis Ende des kommenden Jahres in einer Numbers-Tabelle. Apple liefert dafür eine Budget-Vorlage, die passend ist. Dort trage ich alle planbaren und schätzbaren Einnahmen und Ausgaben ein: Gehalt, Miete, Nebenkostennachzahlung, Urlaub, Geburtstage, Weihnachten usw. Was ich dagegen nicht eintrage sind mögliche zusätzliche Einnahmen, z.B. Gratifikationen, Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld. Damit arbeitet diese Numbers-Tabelle also mit einem Worst-Case-Szenario und ich weiß, wieviel Geld ich mindestens am Ende des kommenden Jahres haben werde.
Übrig bleiben die variablen Kosten - Essen, Weggehen, Medien, Kleidung - und die plötzlich auftretenden Kosten, z.B. Medikamente. Für beides plane ich ein festes Budget pro Monat ein plus einen Puffer von ¼, der noch einmal oben rauf kommt (2x Tierarzt kann schon bei 150€ landen…). Dieses feste Budget ist so großzügig gewählt, dass es die regulären Ausgaben berücksichtigt - man muss also mindestens drei Monate wirklich Buch führen, um seine Ausgaben benennen und dieses feste Budget bilden zu können. Als Ergebnis brauche ich nicht jeden Einkauf in eine App einzutragen, da das Budget immer ausreichend ist.
Meine Arbeitsweise sieht dann so aus:
Als Ergebnis habe ich das Gefühl eines Finanzplans: Ich weiß, was ich mir wann leisten kann und welche Auswirkungen das im kommenden Jahr haben wird. Gleichzeitig brauche ich mir keine Gedanken um die alltäglichen Ausgaben zu machen, denn diese sind mit einem festen Betrag eingeplant.