Flughäfen sind kaum ein Grund, sentimal zu werden. Frankfurt ist ein gutes Beispiel dafür, aber auch München passt immer: Mindestens 15 Minuten Rollzeit in der Maschine, endlose Wege zum Gepäck, vom Gepäck zum Ausgang usw. Wir alle kennen das. Berliner hatten mit dem Flughafen Tegel bislang eine Alternative:
TXL ist für kurze Wege optimiert. Dies bedeutet: In einem Kreis von etwa 50 Metern Durchmesser befinden sich der Taxihalt, Flughafeneingang, Checkin-Schalter, Gate-Eingang, Sicherheitsschleuse, Warteraum und Zugang zum Flugzeug über einen “Finger”. Binnen fünf Minuten ist man aus der Taxe gefallen, hat Checkin und Sicherheit passiert und befindet sich im Warteraum. Bei der Landung ist es ähnlich: Nach der Landebahn folgt eine kurze Kurve, der Finger wird angedockt und wenige Minuten später startet die Gepäckausgabe. Als ich letztens ausnahmsweise nicht von einem Finger aus dem Flugzeug geholt wurde, sondern ein Bus wartete, war das Gepäck bereits auf dem Förderband, als ich die Ankunftshalle betrat. Zum Vergleich: Die Zeiteinheit “15 Minuten” ist auf allen anderen Flughäfen die Mindestzeit für jeden einzelnen oder oben beschriebenen Schritte.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn der TXL-Konstrukteur im ZEIT-Interview voller Verzweiflung auf aktuelle Flughäfen blickt:
Früher war man stolz darauf, den Passagieren nur möglichst kurze Wege zuzumuten, heute versucht man, die Wege möglichst lang zu machen.
Die Wikipedia formuliert es ähnlich:
Nach heutigen Maßstäben sind die Flächen für Restaurants und Geschäfte zu klein. Dies ist eine Konsequenz des in Tegel verwirklichten Konzepts kurzer Wege, das dem heutigen Prinzip eines Flughafens als Einkaufszentrum mit möglichst langen Wegen vorbei an Geschäften und durch Shopping-Malls widerspricht
Im Juni wird der Flughafen Tegel geschlossen und schafft damit (wirtschaftlichen) Platz für den neuen, außerhalb von Berlin liegenden Großflughafen BER. Die TXL-Konstrukteure sind wieder mit im Boot. Und der Flughafen wird offiziell angekündigt als:
Der neue Airport ist ein Flughafen der kurzen Wege.
Wir werden sehen, ob einige der tollen Ideen vom Flughafen Tegel hier weiter leben werden. Im März nehme ich an zwei Probebetrieben teil, einmal am Tage und einmal in der Nacht und durchlaufe den gesamten Prozess von Abflug und erneuter Ankunft.
Der Wechsel vom alten iTunes-Fairplay-DRM (128kbit) zum DRM-freien “iTunes plus” (256kbit) würde mich über den klassischen Upgrade-Weg über 100 Euro kosten. Oder ich werfe 25 Euro zu iTunes Match, lasse iTunes alles in die Wolke schieben und als iTunes plus-Dateien, ohne DRM, mit verbesserter Qualität, wieder herunter laden. Zudem, so meine Hoffnung, lassen sich damit mein Mac Mini und das MacBook miteinander verbinden und syncen Dateien und Metadaten. Und auf meinem MacBook wird Festplattenplatz frei, da ein iTunes aus Match heraus nicht nur downloaden, sondern auch streamen kann. Und die 25 Euro bezahlen das für ein Jahr. Und die aufgewerteten und heruntergeladenen Dateien gehören danach weiterhin mir. Deal?
Soweit die Theorie. Jetzt ist meine Infrastruktur aber nicht sonderlich übersichtlich…
Man nehme:
Ich durfte anhand etliches Tests mutiger Personen schon lernen, dass eine Umstellung auf iTunes Match folgendes bedeutet:
Der Plan ist somit, zunächst nur die Macs miteinander zu verbinden, da der Rest entweder kein Match unterstützt (nano) oder ich in einen großen Topf Leid treten würde (iOS).
Und so funktioniert es:
Die Aktivierung von iTunes Match auf dem Mac Mini ist zunächst harmlos: Es wird aktiviert. Dann wird gewartet. Stundenlang. In der Zwischenzeit kann man immerhin schon einmal einige hilfreiche Playlisten installieren.
iTunes analysiert nach der Aktivierung die Bibliothek, vergleicht sie mit dem iTunes Store und lädt dort nicht vorhandene Songs hoch.
Außerdem habe ich das MacBook vorbereitet. Ob das erforderlich ist, kann ich nicht sagen, aber ich habe jegliche Musik aus dem MacBook-iTunes gelöscht, fast alle Playlisten gelöscht und die wenigen verbliebenen so umbenannt, dass sie nicht mit dem Mac Mini-iTunes kollidieren. Damit enthält das MacBook jetzt nur noch Musikvideos, in der Regel Konzerte mit weit mehr als 1GB Größe, die Match eh ignoriert.
Als iTunes anfängt, mir die Anbindung eines iOS-Gerätes vorzuschlagen, aktiviere ich Match auf dem MacBook und somit dem zweiten (fast leeren) iTunes:

Ok, los geht’s!

Gut. Warten wir also weiter.
Nach 2,5 Tagen, in denen ich parallel die unten beschriebenen Verbesserungsschritte durchgeführt habe, kann dann erfolgreich Match auch auf dem MacBook aktiviert werden und dieses zeigt nach einer kurzen Wartezeit alle Songs an. Die Songs lassen sich problemlos streamen oder herunterladen.
Ein iOS-Gerät verhält sich wie folgt:
Folgendes ist mir aufgefallen:
Songs verbessern
Der Vorgang wird nebenan wunderbar beschrieben. Letztlich benötigt man folgende Smart Playlist, löscht alles in ihr und lädt dann wieder alles in ihr herunter.

6.443 der 7.235 gematchten Songs würden durch eine erneuten Download eine bessere Qualität erhalten. Verblüffenderweise habe ich sogar Hunderte Songs in 96kbit…
Testweise versuche ich es an einer Datei: Nach dem Löschen verbleibt der Song in der Playlist und wird mit einem Wolkensymbol versehen. Anklicken, der Download startet und die 256kbit-Version liegt auf dem Rechner. Metadaten wie Ratings, Playcounts und sogar Date Added bleiben erhalten. Kurz und schmerzlos. Und geht auch mit zig Tausenden direkt über das Kontextmenü.
Zu berücksichtigen ist natürlich, dass die aus dem Store kommenden Dateien nicht nur besser klingen als z.B. ältere MP3s mit 128kbit oder 192kbit, sondern auch deutlich mehr Platz verbrauchen. Man sollte somit im Vorfeld seine Festplatte aufräumen.
Match-Q
Niels hat in seinem Blog den Match-Q erfunden:
Das Maß für die Abweichung des eigenen Musikgeschmacks vom Mainstream. Umso größer der Match-Q ist, umso weiter weicht der eigene Musikgeschmack vom Mainstream ab. Ein hoher Match-Q bedeutet auch, dass man z.B. bei Streaming-Diensten eher schlechte Karten hat.
Er kommt auf 0,53. Bei mir sieht es so aus:
Match-Q = 1-(7235 + 1176) / (10865) ≈ 0,23
Fazit
Match macht zunächst einen guten Eindruck. Ich habe nun zwei iTunes, welche auf die gleichen Musikdaten zugreifen können, ihre Metadaten synchronisieren und auf dem MacBook 30GB an Platten-Kapazität gewonnen. Außerdem liegen nun alle Dateien in 256kbit vor. Abgesehen von behebbaren Systemeinschränkungen (kein Sync von Dateien größer als 200MB, kein Sync von Smart Playlists, welche andere Playlisten referenzieren, Genius funktioniert nur mit lokalen Songs) bin ich ausgesprochen zufrieden.
Apple bzw. Amazon geben folgende Betriebstemperaturen für ihre Geräte an:
Nun, bislang habe ich das schlicht ignoriert. Das iPad verwende ich in eher häuslichen Umgebungen, während das iPhone stets in der Hosentasche beschützend warm gehalten wird und auch Temperaturen jenseits der 40° wie in Nevada hat das iPhone nicht interessiert.
Der Kindle ist nun das erste Gerät, bei dem ich tatsächlich merke, wenn ihm zu kalt wird: Das Display wird langsamer. Träge. Geradezu schläfrig. Und wenn ich Artikeln wie diesem hier Glauben schenken darf, geht der Kindle bzw. sein eInk-Display dann auch einfach kaputt.
0° to 35° C ist für mobile technische Geräte eine absurde Temperaturspanne. Jeder kann sich ausrechnen, dass man die Geräte in Deutschland weite Teile des Winters über jenseits der Spezifikation betreibt und gewisse Teile der USA und Afrika sollte man ebenso tunlichst nicht bereisen. Dass der Kindle nun zudem ein Gerät ist, dem man sein Leid anmerkt, verbessert die Situation nicht gerade. Glücklicherweise ist der diesjährige Winter (noch) ausgesprochen mild.
Über Betriebstemperaturen von Büchern muss ich sicherlich nichts schreiben.
Ich lerne Spanisch. Helferlein am iPhone, iPad und dem Mac ist in den jeweils passenden Versionen iVocabulary (Website). Das Schöne an der App: Es gibt kostenlose Vokabellisten passend zu meinem Spanischbuch in der Reihenfolge, in der die Vokabeln im Buch auftauchen und unzählige Trainigsmethoden und Tests, mit denen man sich mit den Begriffen vertraut machen kann.
Wie bringt man nun die Vokabellisten in brauchbarer Form auf den Kindle?
iVocabulary bietet einen eingebauten PDF-Export für Karten und Listen, der aber für den Kindle nicht wirklich brauchbar ist. Die Lösung liegt im CSV-Export. Über den Umweg einer beliebigen Tabellenkalkulation - bei mir Apples Numbers - erstellt man sich daraus ein für den Kindle optimiertes PDF.
Zunächst muss die Liste aus iVocabulary als CSV-Datei exportiert werden. Dazu einfach das Kapitel auswählen und den Export über das Ablage-Menü anstoßen. Diese CSV-Datei öffnet ihr anschließend in Apples Numbers:

Anschließend ist folgende wichtige Einstellung zu setzen (der Rest ist Formatierung, damit alles hübsch aussieht):

Danach müsst ihr die Schriftarten verändern. Ich habe für alle Zellen Lucida Sans mit 11 Punkten ausgewählt und sie fett gemacht.
Anschließend muss für alle Zellen der Zeilenumbruch aktiviert werden:

Und damit nun auch alle Inhalte sichtbar sind, müsst ihr im Tabelle-Menü noch “Resize Rows to Fit Content” auswählen.
Der letzte Schritt: Die Druckansicht über das Ablagemenü öffnen und schauen, ob auch alles auf eine Seite passt. In meinem Fall musste ich die beiden rechten Spalten löschen, sodass nur noch das spanische und deutsche Wort übrig geblieben ist. Nach einigen weiteren Einstellungen (alternierende Zeilenfarben, Seitenränder entfernt) sieht die Druckansicht bei mir so aus:

Das Ergebnis druckt ihr nun über die normale Numbers-Druckfunktion in ein PDF und mailt es anschließend an eure Kindle-Adresse.
Und so schaut es dann auf dem Kindle aus:

Dank des eingestellten A6-Formats passt die komplette Seite auf den Kindle-Bildschirm. Der Kindle dankt es einem, indem man wie in Büchern blättern kann und nicht mit der Zoom-Funktion genervt wird.
Jetzt fehlt nur noch, dass das Kindle-Wörterbuch dieses PDF als Spanisch erkennt und zusätzliche Definitionen anzeigt…
Instapaper ist seit vielen Jahren mein Werkzeug der Wahl, um Online-Artikel für ein späteres Lesen zu merken und dann ohne Navigation und Werbung lesen zu können. Es ist in meinen Twitter-Client und RSS-Reader eingebunden, so dass ich bequem Artikel übergeben kann. Hinzu kommt ein Bookmarklet, welches für alle anderen Quellen hilfreich ist. Gelesen werden können die gemerkten Artikel anschließend auf instapaper.com oder mit den unterschiedlichen Clients wie der offiziellen App für das iPhone und iPad oder der inoffiziellen (ReadNow) für Mac OS X. Instapaper bietet allerdings auch eine Unterstützung des Amazon Kindles an.
Die Integration lässt sich auf der Kindle-Account-Seite von Instapaper aktivieren:

Als Ergebnis werden täglich um 7 Uhr morgens zehn Artikel an Amazon gesendet und auf den Kindle gepusht. Die Darstellung gleicht der von abonnierten Zeitungen:

Bilder sind enthalten und die Steuerung funktioniert wie gewohnt: Es kann seitenweise geblättert werden, mit den Pfeiltasten kann man zwischen Artikeln springen und ein Druck auf Mitteltaste geht zurück zur Rubrikansicht.

Wer sich gerade in einem WLAN befindet, der kann auch über Links am Artikelbeginn und -ende die Artikel archivieren oder mögen. Ebenso können alle Artikel dieser “Ausgabe” in einem Rutsch archiviert werden. Links werden dabei im experimentellen Browser des Kindle geöffnet. Genau wie beim iOS handelt es sich dabei um einen Webkit-Browser, der durchaus auch komplexere Seiten darstellen kann. Das Öffnen der Original-Webseiten ist damit am Kindle genauso möglich wie unter dem iOS. Sofern Wifi deaktiviert ist fragt der Kindle automatisch nach, ob es dafür aktiviert werden soll.

Daraus ergibt sich ein interessanter Workflow: Da ich um 6:30 aufstehe und kurz die RSS-Feeds durchgehe enthält die um 7:00 auf den Kindle gepushte “Ausgabe” alle soeben vermerkten Artikel. Jede neue Instapaper-Ausgabe ersetzt außerdem die vorherige - der Kindle wird also nicht zugemüllt (das Namensschema wurde leider geändert, sodass jetzt jede Ausgabe manuell gelöscht werden muss). Die Artikel kann ich dann bequem unterwegs lesen und auf Arbeit schnell noch alle Artikel archivieren.
Die Limitierung auf zehn Artikel sorgt außerdem für das Gefühl, nicht mehr eine unüberschaubare Bugwelle vor sich her zu schieben, sondern schaffbare zehn Artikel vor der Nase zu haben.
eBooks sind ein Zwitterwesen, das nicht zum bisherigen Geschäftsmodell der Verlage passt. (via)
Zugegeben, ich wusste, auf was ich mich einlasse. Dennoch: Terry Pratchett? Douglas Adams? Michael Ende? Clive Cussler? Tom Clancy? Tolkien? Joanne Rowling? Neil Gaiman? Mein Kindle muss auf fast all dies verzichten, denn die Verlage haben diese Autoren entweder noch gar nicht oder nur mit einem Bruchteil ihrer Bücher als eBook bereit gestellt. Harry Potter, der Herr der Ringe oder der Anhalter finden somit nicht statt, zumindest, wenn man deutschsprachig lesen möchte.
Was bleibt sind eine Vielzahl klassischer Bücher von Jules Verne oder Karl May, ein großer Bereich der SPIEGEL-Bestsellerliste, klassische Groschenromane wie Perry Rhodan neo und natürlich von unbekannten Autoren veröffentlichte Kurzgeschichten zum günstigen Preis.
Damit deckt der Kindle in der Tat viel ab, aber für mich nicht genug. Mir ist nicht damit geholfen, dass alle von meiner Freundin gelesenen Autoren zur Verfügung stehen, wenn meine gesamte Wunschliste fehlt.
Geht es um den »gefühlten Preis«, den ein Kunde bereit ist zu zahlen, so müsste ein aktuelles eBook zum Taschenbuchpreis verkauft werden – wenn nicht sogar günstiger. (via)
Was die Bepreisung der eBooks angeht, ist immer noch Einiges im Argen. Der kleinste Kindle kostet 99 Euro. Auf diesem lassen sich Bücher schlechter lesen als auf Papier und es existiert kein Gebrauchtmark. Als Ausgleich für diese drei Negativmerkmale kosten die Bücher etwa ein Euro weniger. Amazon stellt das so dar - das Problem ist offensichtlich:

Somit habe ich die Wahl zwischen 9,95 € für das Taschenbuch, 4 € für die gebundene Ausgabe (inkl. Versandkosten) oder 8,49€ für die Kindle-Version. Ein eBook-Reader ist somit nichts für Leute, die auf das Geld schauen. Der so offensichtlich bei und von Amazon bereitgestellte Gebrauchtmarkt ist fast immer deutlich günstiger, als die Kindle-Version.
Überspitzt ausgedrückt heißt das:
Wer allerdings normalerweise nur neue Bücher im Hardcover kauft, der hat den Kindle nach etwa 80 Büchern wieder refinanziert - bei entsprechenden Abstrichen des Qualitätsgefühls und Lesekomforts.
Sofern sich das hier nicht häuft:

Was dem eBook-Markt schlicht fehlt ist die Möglichkeit, eBooks zu einem geringeren Preis wieder verkaufen zu können. Für Amazon sollte es ein leichtes sein, die vorhandene Möglichkeit des Wiederverkaufens auf eBooks auszuweiten: Der Verkaufspreis kann dann vom Verkäufer festgelegt werden, “Versandkosten” werden mit 1 Cent angerechnet und das Buch wird anschließend vom Kindle und der Amazon-Cloud des Verkäufers gelöscht und zum Käufer gepusht.
Der Kindle kommt mit drei Schriftarten, die mir allesamt nicht zusagen:
Aufgrund des mäßigen Kontrasts des Displays bin ich deshalb ständig dabei, Schriftartgrößen und -Arten zu ändern. Glücklicherweise unterstützt der Kindle benutzerdefinierte Schriften. Benötigt wird nur die kostenlose Software Calibre, das Plugin Kindle Collection und natürlich Schriftarten, die es z.B. bei den Google Webfonts gibt. Danach lässt sich in Calibre die Schriftart auswählen. Zum Vergleich hier die Standardschrift, gefolgt von Signika, Kreon und Open Sans:




Ich probiere mich zunächst an Signika.

Als vor einigen Wochen die neue ZEIT-App veröffentlicht wurde, freute ich mich sehr. Seit Erscheinen des iPads wartete ich auf eine zu dem Gerät passende Möglichkeit, die ZEIT lesen zu können. Der Spiegel hatte vorgemacht, wie gut man eine gedruckte Ausgabe auf dem iPad anbieten kann. Doch die ZEIT-App enttäuscht. Sie hängt in der Vergangenheit fest und hinkt der Website hinterher.
Doch beginnen wir am Anfang: Die ZEIT-App macht zunächst alles richtig: Aufgeräumtes Layout, gut lesbares Schriftbild, vertikale und horizontale Darstellung, viel Weißraum, ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis, eine “Meine ZEIT” genannte Merkliste für Artikel, Lesezeichen, Suche über alle Artikel, vollständige Offline-Fähigkeit usw. Es ist eine gute und durchdachte App, mit der die ZEIT am iPad gelesen werden kann. Sie ist so gut, dass ich mir sofort das digitale Abo der ZEIT geholt habe. Im Laufe der folgenden Ausgaben offenbarten sich Schwächen, die einerseits in Designentscheidungen der App ihre Ursache haben, andererseits in der Stärke von zeit.de. Auch der Umfang der einzelnen Ausgaben - mittlerweile insgesamt 1,8GB Daten - begeistert weniger.

Auffällig ist zunächst, dass Scrollen bzw. Wischen als zentrales Navigationselement verwendet wird. So wischt man sich durch die Ressorts, scrollt durch Artikel und wischt zum nächsten Artikel. Das Konzept des Blätterns - ein Kernelement der Spiegel-App - wird komplett ignoriert. Als Ergebnis wirkt die App unruhig. Das Auge muss sich ständig neu positionieren. Hinzu kommen zu kleine Tippbereiche. Die winzige Grafik, um Artikel zu “Meine Zeit” hinzuzufügen, ist schwer zu treffen. Nahezu alle anderen Navigationselemente sind ebenfalls zu filigran ausgeführt.

Anstrengend wird es, wenn man sich dann tatsächlich zielgerichtet bewegen und z.B. einen Artikel aus “Meine ZEIT” lesen und danach aus “Meine ZEIT” entfernen möchte: ZEIT-App öffnen, ZEIT-Ausgabe antippen, ZEIT lesen antippen, Titelseite antippen, Meine ZEIT antippen, Artikel auswählen, Artikel mit viel Gewische lesen, Artikel antippen, oben das kleine Symbol antippen, um den Artikel zu entfernen. Klingt anstrengend? Ist es auch. Artikel in dieser App zu lesen ist mittlerweile in meinem Kopf als “Arbeit” vermerkt und nicht als Vergnügen.

Doch hierbei handelt es sich um Details. Wirklich störend ist die Limitierung auf reine Offline-Ausgaben. Wöchentlich wird eine neue Ausgabe per Push-Notification angekündigt und kann anschließend in der ZEIT-App heruntergeladen werden. Die neue Kiosk-Funktion des iOS 5 mit Hintergrunddownloadfunktion wird nicht unterstützt. Nach dem Download können die ZEIT oder das ZEIT-Magazin gelesen und Artikel zu Meine ZEIT hinzugefügt werden. Möchte ich einen gemerkten Artikel der letzten Ausgabe lesen, so muss ich erst in diese Wechseln und dort Meine ZEIT öffnen. Hier wird das Ausgabenkonzept überstrapaziert. Wie gerne hätte ich z.B. eine übergreifende Merkliste - und einen Hinweis, dass die Merkliste noch Artikel enthält.
Mit Artikeln kann ansonsten nichts gemacht werden. Ausschnitte können nicht auf Facebook oder Twitter verteilt werden, man kann nicht kommentieren, es gibt keine verwandten Artikel usw. Sprich: Es fehlt alles, was man eigentlich von einer zeitgemäßen App erwartet. Selbstredend kann ich einen Artikel auch nicht an Instapaper übergeben und dann auf dem iPhone lesen (die ZEIT-App existiert nur für das iPad).
Existenzbedrohend wird es, wenn man sich parallel dazu zeit.de anschaut. Denn während man sich die Woche über in der ZEIT-App bewegt, werden unbemerkt alle Artikel der Ausgabe auf zeit.de online gestellt und können dort kostenlos gelesen werden. Sie können auf Facebook oder Twitter verteilt, kommentiert und an Instapaper übergeben werden. zeit.de enthält ein Archiv seit 1946 (!). Und zeit.de ist optimiert für das iPhone und iPad und erscheint in entsprechend angepassten Layouts auf den Geräten.
Für wen ist also die ZEIT-App gedacht? Selbstverständlich für den Personenkreis, der fast immer offline ist. Und für den Personenkreis, der die Beiträge als erstes lesen möchte. Doch wie groß ist dieser? Die ZEIT ist eine Wochenzeitung und die Artikel lesen sich nicht in einer halben Stunde weg, sondern benötigen Tage, in denen sie aber bereits online erschienen sind. Ich bin mehrmals am Tag auf zeit.de unterwegs und stolpere zwangsläufig über die dort veröffentlichten Artikel. Sie werden in meinen Instapaper-Account überführt, dort gelesen, evt. mit einem “Like” versehen und somit auf Twitter weiter verteilt. Die ZEIT-App ist damit leider überflüssig.
Anders würde es aussehen, wenn die ZEIT-App mit zeit.de zusammen arbeiten würde. Wenn sie Querverweise, Kommentare und Anbindungen an andere Apps bieten würde. Bislang fehlt dies aber vollständig.
Interessanterweise kann mich die ZEIT auf dem Kindle mehr überzeugen. Auch hier handelt es sich um eine reine Offline-Ausgabe, die jegliche Online-Verbindung missen lässt. Allerdings: Hier schmökere ich, blättere ich durch verschiedene Artikel und habe viel mehr das Gefühl, eine Zeitung zu lesen, als ich es in der iPad-App habe. Und dank Push-Download, automatischem Löschen älterer Ausgaben und der Möglichkeit, einzelne Artikel separat zu archivieren, bietet die Kindle-Ausgabe sogar etwas mehr als die iPad-Version.

Amazons eBook-Reader beobachte ich bereits seit seinem US-Erscheinen 2007. Skeptisch zwar, denn ich mag Papierbücher sehr gerne, aber dennoch interessiert, denn ich mag das Gewicht von Büchern nicht. Dementsprechend hat mein Kopf schon seit längerem den Schnitt zwischen wertvollen Hardcover-Büchern, die man auch nach Jahren noch gerne in die Hand nimmt, und simplen Unterhaltungsbüchern durchgeführt. Einzig das passende Geräte fehlt, denn in die Adobe-DRM-Hölle von Sony wollte ich mich nicht begeben und die Kindle-Geräte wurden offenbar in den 80ern designt.
Im Herbst diesen Jahres kam nun die vierte Version des klassischen Kindle heraus - nur mit WLAN, ohne klobige Tastatur, mit deutscher Oberfläche und für sympathische 99 Euro. Heute kam er an.

Der erste Eindruck:
Nach dem ersten Eindruck folgte die Einrichtung des Gerätes. Schnell fällt auf, dass die Oberfläche hier einiges nachzuholen hat. So habe ich z.B. 76 Bücher auf meiner iPad-Kindle-Software vorliegen. Diese muss ich einzeln aus dem Archiv herunterladen. Sammlungen (Ordner), in die ich die Bücher bereits gelegt habe, werden nicht von der Mac-Kindle-Software synchronisiert, es müssen also alle 76 Bücher einzeln einsortiert werden. Immerhin versteckt sich in den Kindle-Menüs die Möglichkeit, Sammlungen anderer Kindles zu übernehmen. Amazon kann also zwischen Hardware-Kindles offenbar mehr syncen als zwischen den iPad-Programmen, was zumindest einen Wechsel auf Nachfolge-Kindles in der Zukunft erleichtern sollte.
Sobald diese Shit-Work erledigt ist, kommt der angenehme Teil: Das Lesen. Nach dem Öffnen eines Buches springt der Kindle automatisch zur ersten Seite und fortan muss man nur noch über die Hardware-Buttons vor- und zurück blättern. Einfach, simpel und ablenkungsfrei, denn außer Text anzeigen macht der Kindle nichts anderes, das einen nerven könnte.
Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand, Randabstand und die Geräteausrichtung lassen sich einstellen. Ich bevorzuge nicht die klassische Hochkant-Buchseitendarstellung, sondern das Querformat. Hierbei sind die Zeilen länger und ich muss nicht ständig das Auge auf die nächste Zeile heben, was ich als angenehmer empfinde:

Das Einkaufen bzw. Herunterladen neuer Bücher kann direkt auf dem Kindle durchgeführt werden, ist durch die Bedienung aber eher schmerzhaft. Einfacher geht es am iPad oder dem großen Rechner und die normale Amazon-Website: Hier können Bücher per 1-Click-Verfahren gekauft und automatisch auf den Kindle gepusht werden. Der Kindle lädt das Buch anschließend automatisch herunter.

Sehr gelungen ist die Möglichkeit, eigene Dokumente an den Kindle übertragen zu können. Amazon spendiert dem Gerät hierzu eine eigene E-Mail-Adresse, an welche z.B. PDF-Dateien als Dateianhang gesendet werden können. Diese werden dann an den Kindle gepusht und stehen zum späteren erneuten Download oder zur Verteilung an andere Kindle-Geräte/Programme zu Verfügung.
Nachdem ich nun das zu Weihnachten geschenkte Papierbuch durchgelesen habe startet jetzt der vollkommen subjektive Test, wie das Lesen auf dem Kindle abschneidet. Im Vergleich zum Papierbuch und dem Lesen auf LCD (iPad).
Nachtrag: Auch wenn die Kindle-Hardware nicht die Sammlung der Mac-Software gesehen hat, umgekehrt funktioniert das tadellos: Die Mac-Software hat sofort nach dem Start den Import der auf dem Kindle angelegten Sammlungen angefragt und dann durchgeführt.

1983 veröffentlichte Apple die Lisa und somit erstmals eine grafische Benutzeroberfläche (außerhalb von Forschungsstätten). 1984 folgte der Macintosh-Computer, welcher die grafische Oberfläche der Allgemeinheit zugänglich machte, indem die Komplexität der Kommandozeile durch Grafiken und einen kleinen bewegten Zeiger verringert wurde. Danach geschah: Nichts.
Nach 24 Jahren Stillstand veröffentliche Apple im Jahr 2007 das iPhone (Youtube). Wieder hat Apple die Komplexität verringert: Anstelle mit einem zusätzlichen Gerät einen kleinen Zeiger auf dem Bildschirm zu bewegen, können die grafischen Bedienelemente mit dem Finger berührt werden. Zusätzlich verschwanden das Dateisystem und die parallele Verwendung von Programmen. Das Ergebnis ist ein Gerät, welches sich verblüffend natürlich anfühlt. Selbst die Frage nach gespeicherten Dokumenten oder der Dateispeicherung stellt sich nicht. Die ebenfalls von Apple gestartete Nische der Personal Digital Assistants kollabierte spontan.
2010 folgt das iPad (YouTube). Es verband die verringerte Komplexität des iPhones mit einem größeren Display und ermöglichte somit Applikationen, die bislang den “Maus-Rechnern” vorbehalten waren: Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Outlines, Mind Maps, Datenbanken, Bildbearbeitung, Videoschnitt, Audiosoftware.
Gerade mit den Touch-Geräten kann Apple bei Neueinsteigern immer noch mit einem großen Aha-Effekt und großen Augen punkten. Was Bedienung angeht, steht die Zeit seit vier Jahren allerdings abermals still und führt in vielen Bereichen den Stillstand der letzten 24 Jahre fort. Das iPad ist weitestgehend ein herkömmlicher Rechner, der der herkömmlichen Bedienungsphilosphie folgt: Ich hangle mich über Menüs und Buttons durch unterschiedliche sich selbst ersetzende Fensterschichten. Das klappt besser als am großen Rechner, da die Applikationen in der Regel für einen einfacheren Bedienungsworkflow optimiert sind, aber es fühlt sich eher nach Vergangenheit als nach Zukunft an.
Ein Beispiel: Wenn ich möchte, dass das iTunes auf meinem großen Rechner die letzten zehn Songs wiederholen soll, so muss ich folgendes verstehen:
Für die simple Anforderung, die letzten Songs noch einmal zu spielen, ist das ziemlich viel Holz. Weshalb kann ich iTunes nicht einfach mitteilen: “Spiele die letzten zehn Songs noch einmal”?
Damit das möglich ist, muss der Rechner bzw. iTunes einiges können:
Eine intelligente Steuerung scheitert in der Regel an einem dieser drei Punkte. Alle drei sind allerdings erforderlich, damit wir effizenter mit Computern arbeiten können.

MacOS, Mac OS X und iOS kamen nahezu immer mit Möglichkeiten, den Computer Texte und Bedienelemente vorlesen zu lassen. Spracherkennung war aber immer nur auf das Erkennen bestimmter Befehle ausgelegt, was einen ersten Schritt und eine kleine Erleichterung darstellt, aber nicht bei der Bewältigung wirklicher Arbeitsabläufe hilft. Denn unabhängig davon, ob wir Befehle per Maus auswählen oder in den Computer hinein rufen, bieten Computer uns nur eine vorgefertigte Liste an Befehlen an, die wir einzeln, Schritt für Schritt, kombinieren müssen. Erst dann können wir mit der eigentlichen, intelligenten, analytischen Arbeiten beginnen, sofern diese dann noch erforderlich ist (viel Arbeit, die wir am Rechner erledigen, ist nur stumpfe Sucherei).
Umso überraschter war ich, als Apple vor einigen Tagen die neue Version von Siri vorstellte, welches Apple vor 1,5 Jahren einkaufte. Mittlerweile ist die Software vollständig in das iOS 5 integriert. Siri versteht die gesprochene Sprache, Siri hat dank der Daten des iPhones und zusätzlicher Dienste wie WolframAlpha Daten und analytische Funktionen zur Verfügung und es versteht Zusammenhänge. Alle drei oben genannten Anforderungen sind in einem gewissen Rahmen erfüllt.

Auch wenn Siri nicht innerhalb von Applikation steuert, sondern nur den Zugang zu diesen Applikationen, konnte Apple damit eine Punktlandung vollziehen: Das 24 Jahre alte Knowledge Navigator-Video (Video) präsentierte einen durch Sprache gesteuerten persönlichen Assistenten - im Jahre 2011. In wenigen Tagen werden Millionen von Menschen Siri verwenden können.
Der Einsatzbereich von Siri ist momentan noch begrenzt, aber ein erster Schritt zur Schaffung einer neuen Art der Bedienung von Computern, wie sie in Star Trek vorgelebt wurde: Computer als Werkzeug zur Recherche und Analyse, nicht aber als Intelligenzersatz. Diese soll weiterhin durch uns kommen und wird gefördert, indem uns der Computer lästige Arbeit abnimmt, anstelle sie uns - wie bislang - in Form unzähliger Menüpunkte vor die Füße zu werfen.
Dass Siri nicht über die Leistungsfähigkeit von Star Trek-Computern verfügt hat unterschiedliche Gründe. Einer der weniger offensichtlichen sind die Lücken im Informationszugriff. Nur wenige Daten liegen in strukturierter Form vor oder sind überhaupt öffentlich zugänglich. Für eine Star Trek-Computerwelt müssen strukturierte Informationen öffentlich verfügbar sein, weltweit, ohne staatliche oder privatwirtschaftliche Grenzen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Apple versucht dieses Problem momentan in Teilen durch die Verwendung von WolframAlpha zu umgehen. Ein weiterer offensichtlicherer Punkt liegt in der Eingeschränktheit des iOS: Applikationen wissen fast nichts voneinander.
Wenn Apple Siri nicht nur als Testballon ansieht, sondern als die Zukunft, dann muss Siri für Drittentwickler geöffnet werden, damit diese ihre Dienste für Siri anbieten können aber auch, damit Siri innerhalb von Applikationen Aufgaben steuern kann. Etwas ähnliches hat Apple schon einmal gemacht: Mac OS X bietet eine durch Drittanbieter erweiterbare, natürlichsprachliche Programmiersprache an. Diese Applikationen registrieren hierbei einen Wortschatz im Betriebssystem, der dann von beliebigen Applescripten und anderen Applikationen verwendet werden kann. Auch die aus Nextstep stammenden Services und der 2005 eingeführte Automator gehen in eine ähnliche Richtung.
In jedem Fall ist mit Siri ein “Living the Future”-Moment entstanden, der Science Fiction näher an die Realität holt.