Vor 2 Stunden gepostet

Unter Wasser Musik hören

Ich schwimme gerne. Das Gleiten auf blauen Bahnen hat etwas leicht meditatives, was nur unterbrochen wird, wenn sich irgendwelche Leute unterhalten oder der Aqua-Gym-Kurs startet. Also habe ich mir einen wasserdichten MP3-Player gekauft.

Sony bietet so etwas an. Dabei handelt es sich um eine Art Bügelkopfhörer. Der “Bügel” ist ein Kabel, das um den Hinterkopf verläuft, die In-Ear-Kopfhörer enthalten Platz für 4GB Musik, und sind mit Bedienknöpfen ausgestattet. Einen separaten Klotz, den man irgendwo am Körper trägt, benötigt man nicht. Geliefert wird der Player mit unterschiedlich großen Aufsätzen für unterschiedlich große Gehörgänge und wasserdichten und nicht wasserdichten Varianten.

Die Klangqualität ist mäßig gut. Als normalen Musik-Player würde ich so etwas in den Müll werfen, aber durch dichte Plastikmembranen kommt Musik nun einmal nicht direkt an, sondern wird stark unterdrückt. Erste Tests unter der Dusche haben zumindest gezeigt, dass Lautstärke und Klangqualität ausreichend sind.

Musik und Playlisten lassen sich im per USB angeschlossenen Gerät direkt per Dateisystem ablegen. Ein kleines Zusatzprogramm nimmt auch Dateien und Playlists per Drag and Drop aus iTunes entgegen.

Content Transfer

Die Bedienung des Players geht passabel von der Hand. “Gut” möchte ich im Zeitalter von Apples Clickwheel und Smartphones nicht dazu sagen, aber der Player kann mit seinen Knöpfen auch blind bedient werden, denn er sagt einem, was man gerade gedrückt hat (“Shuffle”, “Shuffle off”). Weniger gut: Er unterstützt zwar Playlists, startet aber immer bei der ersten Playlist und man nicht zwischen Playlists wechseln.

Absurd wird es beim Software Update:

Software Update

Software Update

Also kein Update für mich.


Nächste Woche folgen dann Tests im Schwimmbad.

Vor 1 Woche gepostet

9/11

Der 11. September ist das Datum, an dem ich immer noch zusammen zucke. Es hat sich eingebrannt. Ich sehe die Zahlen im Kalender auftauchen und habe Bilder vor Augen von Flugzeugen und Türmen, von großen Staubwolken, Kriegen, die uns bis heute verfolgen und gesellschaftliche und politischen Änderungen, die wir nicht mehr rückgängig machen können.

Der Terror kam in unser Leben zurück. Der Krieg. Die Angst. Die Überwachung. Der Vertrauensverlust. Das Alternativlose. Die Lügen. Snowden. ISIS.

Gegen den zweiten Golfkrieg Anfang der 90er hatte ich als Schüler demonstriert und sah Abend für Abend die Tagesschau zusammen mit meinen Eltern und hatte eine kindliche Angst, da ich die Zusammenhänge nicht komplett verstand, mir aber ständig ausrechnete, wie nah irakische Raketen an Deutschland heran kommen könnten. Den kalten Krieg hatte ich nur entfernt mitbekommen, diese Krise war real und erzeugte Angst.

Der 11. September 2001 begann als normaler Arbeitstag. Der Tag wurde weniger normal, als einer unserer Chefs, der gerade eine Hochseesegeltour machte, anrief und fragte, was denn da los sei. Er hatte eine merkwürdige SMS von Bekannten erhalten. Der Tag fühlte sich mulmiger an, als sämtliche Nachrichtenseiten nicht erreichbar waren. Der Tag kippte, als die Nachrichtenseiten langsam wieder erreichbar wurden - in Form einer Art Notfallseite nur mit Informationen über dieses eine Ereignis. Das Internet war gleichgeschaltet. Es gab keine anderen Informationen mehr. Nirgendwo. Ich starrte gebannt auf jede Aktualisierung und in meinem Kopf vermischte sich eine Kombination aus Tom Clancy-Büchern, einstürzender Häuser und der diffusen Kriegsangst, die ich 11 Jahre zuvor empfand. Bewegte Bilder des Ereignisses habe ich erst Abends gesehen und wie viele hatte ich Schwierigkeiten, diese Bilder mit realen Ereignissen in Verbindung zu bringen. Es sah zu sehr nach jedem Actionfilm aus, den ich je gesehen hatte.

Das Gefühl der Panik und Beklemmung, das ich damals hatte, kann ich jederzeit wieder erzeugen, indem ich mir die französische Dokumentation anschaue, in der ein Feuerwehrteam begleitet wird, welches im World Trade Center agiert. Falls ihr diese Dokumentation noch nicht gesehen habt: Schaut sie euch an, denn dieser Tag beeinflusst in seinen politischen und gesellschaftlichen Folgen unser aller Leben. Ihr solltet ihn fühlen können.


Am 11. September starben knapp 6.000 Menschen als direkte Folge der Anschläge.

Im folgenden Afghanistan-Krieg starben 3.400 Soldaten der USA und Verbündeter. Die Gesamtanzahl der Toten liegt bei über 30.000.

Im folgenden Irak-Krieg und der anschließenden jahrelangen Besetzung starben 4.800 Soldaten der USA und Verbündeter. Die Gesamtanzahl der Toten liegt bei mindestens 100.000. Schätzungen gehen von über 600.000 Toten aus.

Mit dem Islamischen Staat formierte sich als Reaktion auf den Irak-Krieg eine neue Terrororganisation. Diese möchte ein islamisches Kalifat errichten, welches sich von den nördlichen Ländern Afrikas über Israel, die Türkei und Krim bis nach Österreich und Spanien erstrecken soll. Durch Anschläge des IS starben bislang 6.000 Menschen alleine im Irak. 2014 führen die USA Luftschläge gegen Stellungen des IS im Irak durch.

(Zahlen aus der Wikipedia)

Vor 2 Wochen gepostet

Hello ello¡

Mit ello wird gerade die neue Sau durch das Social Network-Dorf getrieben. Klappern wir einmal die Standards ab:

Was ist ello?

Der Ersteindruck: Ello ist das, was früher Mailboxen als “Wall” hatten. Quasi eine Liste von kleinen Nachrichten ohne Bezug zueinander, garniert mit der Möglichkeit, lange Posts zu erstellen. Letzteres ist ein Alleinstellungsmerkmal, denn die Posts können bei ello Markdown enthalten (somit Listen und Formatierungen) und sind ein Container, der verschiedene Inhaltsarten enthalten kann (Text, dann ein Bild, dann wieder Text usw.). Innerhalb eines Containers lassen die Bestandteile eines Posts auch sortieren und nach dem Absenden beliebig oft überarbeiten.

Ello-Post

Die Möglichkeiten in Posts gefallen mir sehr, der Rest schwächelt noch: So fehlen noch grundsätzliche Funktionen wie eine Antwortmöglichkeit und Threads (danach wäre ello nämlich ein großes Diskussionsforum), die Oberfläche ist krude und nicht einmal Umlaute funktionieren in der als UTF-8 deklarierten Website.

ello ist noch beta und invite-only, da kann man über etliche Probleme und fehlende Funktionen hinweg sehen. Aber wo möchte ello eigentlich hin? Was soll ello von anderen Social Networks unterscheiden und weshalb sollte man ello verwenden? Und wofür?

Ello is a simple, beautiful, and ad-free social network

"Social Network" ist mir zu allgemein, also habe ich bei ello nachgefragt, wo sie mit ihrem Produkt hin möchten und darauf keine Antwort erhalten. Auch über das "simple" und "beautiful" ließe sich angesichts der Mystery Meat Navigation streiten.

Zum Vergleich App.net, die eine sehr klare Vision verfolgten:

App.net is a subscription-based, advertising-free social network and API. It’s a platform that developers can rely on and that members can use to interact with each other.

App.net connects members’ feeds across clients built by third-party developers. Developers are free to build on our API – we’ll even send you a monthly payment, if your app is well-received – which means that members have a variety of apps to choose from to access the network.

Da sich ello nicht selber erklärt bin ich die Features durchgegangen, die ich bei App.net verwende und habe ello gefragt:

  • Antwortmöglichkeit auf Posts? - Wird kommen.
  • Threads? - Werden kommen.
  • Hashtags? - Werden kommen.
  • Suche? - Wird kommen.
  • Zugang auf die API für andere Entwickler? - Haben sie noch nicht entschieden.
  • RSS-Feeds für ello-Posts? - Vielleicht irgendwann.
  • Importmöglichkeiten für RSS-Feeds? - Vielleicht irgendwann. (In Verbindung mit formatierten Posts und Threads halte ich den Import von Content aus bestimmten Quellen - lastfm für geplante Konzerte, IMDB für bewertete Filme für durchaus sinnvoll, um Diskussionen zu starten.)

Was ergibt das insgesamt? Eine geschlossene Umgebung mit vermutlich wenig oder keinen Spam-Problemen, langen, formatierten Posts, Threads. Ein Web-Forum mit Timeline-Ansicht.

App.Net war dagegen ein Framework für Social Networks. Ich konnte dank simpler Schnittstellen wie RSS alles mit allem verbinden und Entwickler konnten beliebige Apps bauen. Mit den obigen Entscheidungen wäre ello ein System, welches geschlossener als Twitter ist, zentral aufgebaut und aus dem man seine Daten nicht entnehmen kann. Abgesehen von den netten Formatierungsmöglichkeiten eine Kombination schlechter Dinge. Das ello-Manifest passt somit eher zu App.net als zu ello:

We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce, and manipulate — but a place to connect, create, and celebrate life.

Wie finanziert sich ello?

Das Finanzierungsmodell von ello basiert auf Prinzip Hoffnung:

You never have to pay anything, and you can keep using Ello forever, for free. By choosing to buy a feature now and then for a very small amount of money you support our work and help us make Ello better and better.

Bestimmte Features wird es gegen Geld geben. Wir wissen alle, wie das deutlich planbarere Geschäftsmodell bei App.net geendet ist. Mir ist bewusst, dass ein kleines Social Network mit wenigen Funktionen in einer Nische existieren kann, wenn es als Hobby in der Freizeit weiter entwickelt wird und nicht genug User hat, um viel Geld zu kosten. Sehr zukunftssicher wirkt es auf mich damit aber nicht, zumal hier keine Open Source-Community daran schraubt.

Fazit?

Ein geschlossenes System mit fadenscheinigem Finanzierungsmodell und keiner Idee, wo das Produkt platziert werden soll? #sigh

Meh

Nutzungsvariante

Aber ich bin ja in solchen Dinge immer ein wenig konservativ. Häufig umarme ich neue Dienste nach anfänglicher Skepsis und nutze sie intensiv. Die Zeit wird zeigen, ob auch ello diesen Weg gehen wird.

Vor 3 Wochen gepostet

Kindle Comics

Amazon hat mittlerweile viele schöne ~~Comics~~Graphic Novels im Programm, die sich auf dem Kindle oder unter lesen.amazon.de lesen lassen. Auf beiden Plattformen wird dabei eine Seite in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die man anschließend in vergrößerter Form betrachten kann. Man hangelt sich also von Kasten zu Kasten.

Wie funktioniert das?

Ich bin zunächst davon ausgegangen, dass es sich hierbei um spezielle Markierungen im Buch handelt. Auf dem Kindle ist mir aufgefallen, dass dort teilweise Sprechblasen abgeschnitten werden, die Reihenfolge vertauscht ist und manche Seiten, die schwarze statt weiße Umrandungen enthalten, gar nicht zerteilt werden.

Das spricht dafür, dass Amazon hier verschiedene Automatismen eingebaut hat, die mehr oder weniger versuchen, die unleserlich geschrumpfte Seite wieder lesbar zu machen.

Letztlich stellt sich heraus, dass beides korrekt ist: Es sind spezielle Markierungen und sie werden automatisch angebracht mit Amazons Comic Creator.

Das Video auf der Produktseite erklärt deutlich, weshalb einige meiner Comics so schlecht zu lesen sind: Der Comic Creator versucht, die Rahmen zu erkennen. Anschließend sollte man einmal durch das gesamte Buch durchgehen und die Rahmen korrigieren. Macht man das nicht, so erhält man ein Ergebnis wie bei den Doctor Who/Star Trek-Crossovers, bei denen sich weite Teile überhaupt nicht vergrößern lassen.

Also auch hier wieder: Keine Liebe und keine QS.

PS: Wurden gar keine Panels erstellt, so kann der Kindle “Virtual Panels” verwenden, bei denen man zwischen vier festen Bildschirmbereichen “blättern” kann.

Vor 1 Monat gepostet

Extensions

Folgende Browser-Extensions verwende ich:

  • 1Password. Es geht nicht mehr ohne.

  • AdBlock.

  • Ghostery. Ich mag keine Tracker und lasse hier nur Disqus und flattr durch.

  • eBay-Manager. Weil die eBay-App 15 Minuten vor Ende einer Auktion warnt und ich die Warnung nach einer Sekunde wieder vergessen habe.

  • DEVONthink. Weil Content ja auch irgendwo in DEVONthink ankommen muss.
    Highlight: Die Extension kann eine Website durch Readability jagen und den geschrumpften Inhaltsbereich anschließend nach Markdown konvertieren und dieses dann in DEVONthink ablegen. \o/

  • Nur für Safari: DuckDuckGo. Ersetzt Google durch DuckDuckGo.

  • Nur für Chrome: Last.fm-Scrobbler. Scrobbelt YouTube-Musik zu last.fm.

image

Weshalb nicht mehr Extensions? Klar, es gibt noch tausend andere nützliche, aber die Extensions brauchen Speicher. Ein Chrome mit vielen Extensions ist eine unerträgliche Schnecke.

Vor 1 Monat gepostet

Das Zeitfenster kann nicht weiter eingeschränkt werden

Ich lasse in meine neue - leere - Wohnung liefern:

Wir möchten diese Bestellung im Zeitraum 14:00 - 21:00 Uhr anliefern.

Yay!

Wait…

7 Stunden Zeitfenster?!?

SIEBEN?

Geht das nicht etwas genauer?

Das Zeitfenster 14:00 - 21:00 Uhr kann nicht weiter eingeschränkt werden.

Is klar…

FUUUUUU

Ich weiß ja nicht, was man früher gemacht hat, wenn man sieben Stunden in einer komplett leeren Wohnung zubringen musste. Aber heutzutage…

Technikmüll


Nach dieser vorabendlichen Vorbereitung war vollkommen klar, dass sie um 12:00 anrufen und fragen, ob sie früher kommen können…

Vor 1 Monat gepostet

Die Bahn

Wie schlimm ist es wirklich mit der Bahn? Merkt man sich nur das Negative oder passiert nur Negatives? Ich habe ein Jahr lang meine Bahnfahrten protokolliert. Pro Zug eine Zeile in der folgenden Tabelle.

Das Ergebnis: 23 Fahrten. 14 Probleme. 61% meiner Verbindungen funktionieren nicht wie erwartet, davon fast alle mit deutlichen Verspätungen.

Datum Fail?
24.06.2013 Umgekehrte Wagenreihung, 18 Minuten Verspätung bei Ankunft.
24.06.2013 10 Minuten Verspätung bei Abfahrt, 25 bei der Ankunft.
Special Achievements: Reservierung nicht buchbar, Stuhl kaputt, zwei Toiletten defekt, Bordbistro mit eingeschränkter Auswahl.
27.06.2013 Gebuchter Zug fährt nicht. Fahrgäste, die dies nicht im Vorfeld erfahren haben, werden in Berlin vom Bahnpersonal beschimpft. Ersatzzug fährt mit 1,5h Verspätung, aber nicht zum Zielort. Anschlussverbindungen fahren nicht mehr. Die Bahn gibt Taxi-Gutscheine aus, vergisst aber, diese zu unterschreiben, womit sie ungültig sind. Taxifahrer wirft Betrug vor, möchte handgreiflich werden und informiert die anderen Taxifahrer, die “Betrüger” nicht mitzunehmen. Bahnpersonal möchte nicht helfen, da es für eine Unterschrift nicht befugt ist und brüllt die Passagiere an. Befugtes Bahnpersonal ist nicht mehr am Bahnhof. Freundlicher Taxifahrer hilft am Ende. Mehrere Stunden Verspätung. Ja, dafür gibt es Zeugen, das denke ich mir nicht aus.
30.06.2013 90 Minuten Verspätung.
01.08.2013 Umgekehrte Wagenreihung.
Verwirrungsbonus: Zug hält laut Ansagen des Zugpersonals nicht in Braunschweig und bittet die Fahrgäste, andere Verbindungen zu nutzen. Wenig später hält der Zug in Braunschweig.
01.08.2013 Umgekehrte Wagenreihung, 40 Minuten Verspätung.
24.09.2013 KEIN Fail (gut, war auch nur eine Regionalbahn und nur eine Station…)
24.09.2013 19 Minuten Verspätung, dafür aber kostenlose Gummibärchen.
Technik-Fail: Ticketkauf am Automaten ist zwei Minuten vor Einkunft des Zuges möglich, nicht aber in der iPhone-App, da diese eine Buchungssperre von drei Minuten hat. Weshalb?
11.10.2013 KEIN Fail
11.10.2013 10 Minuten Verspätung bei Abfahrt, 16 bei Ankunft.
02.12.2013 5 Minuten Verspätung bei Ankunft
02.12.2013 KEIN Fail
03.12.2013 KEIN Fail
03.12.2013 80 Minuten Verspätung bei Ankunft
17.12.2013 KEIN Fail
17.12.2013 KEIN Fail
02.01.2014 KEIN Fail
21.01.2014 12 Minuten Verspätung bei Ankunft
21.01.2014 KEIN Fail
22.01.2014 KEIN Fail
21.01.2014 25 Verspätung bei Ankunft, Reservierungsanzeige zeigt keine Reservierungen an
15.04.2014 Weichenstörung, nicht gesetzte Reservierungen, plötzlich auftauchende Baustelle - 15 Minuten Versprätung
16.04.2014 Signalstörung

Außer Konkurrenz, da in Österreich:

08.10.2013 Kein Fail. Alle drei Züge sind auf die Minute pünktlich, korrekt gereiht und haben die gesamte stundenlange Zugfahrt, auch in langen Tunneln, 3G-Empfang.
10.10.2013 Dito.
Vor 2 Monaten gepostet

Lauers Vision

Der aktuelle Niedergang der Piraten schmerzt mich. Ich halte die Visionen der Partei nach wie vor für wichtig. Hey, es gibt Visionen! Eine Idee, wo dieses Land in einigen Jahrzehnten stehen könnte, was mehr ist, als andere Parteien in der Lage sind, zu formulieren.

Mit den fehlenden Strukturen, dem geringen finanziellen Möglichkeiten und der geringen politischen Sichtbarkeit außerhalb von Hochburgen wie Berlin, mit der inakzeptablen innerparteilichen Diskussionskultur und der Unvereinbarkeit der verschiedenen Strömungen ist hier allerdings kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

"Themen statt Köpfe"" funktioniert nicht. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, wie ein Kopf tickt. Ich bin Lauer-Fanboy. Ich mag die unverblümte und eloquente Art, Probleme und Lösungsmöglichkeiten zu formulieren. In Holger Kleins Wrint-Podcastwelt hat Christopher Lauer seinen Antrieb formuliert:

Ich mache Politik, damit es keinen Staatstrojaner gibt; ich mache Politik, damit es keine Funkzellenabfrage gibt.
Ich will in einer Welt leben, die mit diesem neoliberalen Paradigma bricht, wo sich die Menschen wieder umeinander kümmern, wo es ein Wertegerüst gibt, wo der öffentliche Raum öffentlich ist und nicht privat, wo Menschen ein Rollenverständnis haben und sich entsprechend ihrer Rolle verhalten, wo man gutes Geld für gute Qualität ausgibt, wo man von einem Job leben kann, wo man Betrieb hat, die Betriebskindergärten bauen, die sich um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern, weil das dann auch tatsächlich motiviert, sich für ein Unternehmen den Arsch aufzureißen.

Insgesamt keine grandiosen Einsichten, was es um so tragischer macht, dass bei vielen anderen Politikern selbst diese simple, menschliche Idee für die Gesellschaft fehlt.

Weißt du, das ist doch der Punkt: Ich brenne ja dafür und ich habe ja eine Vision für diese Gesellschaft, aber find’ mal zwei andere Leute, die auch bereit sind am selben Strang in dieselbe Richtung zu ziehen. Das ist die Scheiße! Du gehst voller Ideale und voller Naivität rein und willst eigentlich nur in Ruhe deine Arbeit machen. Und jeden Tag laufen dir so viele Arschkrampen über den Weg, die nur das Schlechteste in dir herausholen und irgendwann bist du’s leid. Irgendwann sagst du: Die Welt ist schlecht und bevor ich jetzt Streumunition verkaufe mache ich halt irgendwas anderes. Das ist die Scheiße.

Vor 3 Monaten gepostet

Fahrcard

ICH HASSE DIESEN GANZEN MODERNEN MÜLL.

Plastikfahrausweise.

Diese ganzen Plastikkarten.

Die man nicht leicht biegen kann, weil sie dann zerbrechen. Oder irgendein Chip bricht. Oder sie Risse bekommen. Weshalb man kein Geld mehr bekommt. Oder als Schwarzfahrer betrachtet wird. Und früher aussteigen muss. Und dann Tage später - weil man ja Zeit auskackt - in irgendein Service-Center gehen darf, wo man dann - vielleicht - eine neue Karte bekommen. Und wo man dann - vielleicht - alle Einzelfahrausweise erstattet bekommt, die man in der Zwischenzeit kaufen musste, weil der Zwangs-Plastik-Abfall, den man als Fahrausweis bekommt, kaputt ist.

Also, liebe BVG, zum Mitschreiben: VERTEILT GEFÄLLIGST KARTEN DIE DEN AUFENTHALT IN EINER GELDBÖRSE AM ARSCH ÜBERLEBEN.

Weshalb ich diesen Plastikmüll hasse? Weil mir Fahrgast jede Kontrollmöglichkeit genommen wird. Ich weiß nicht, ob der Scheiß funktioniert und ich weiß nicht, was auf dem Scheiß gespeichert ist. Prinzip Hoffnung bei jeder Kontrolle. Und wenn was nicht funktioniert wird mir die Karte weggenommen. Und ich kriege einen Schwarzfahrer-Zahlschein und einen zweiten Lappen auf dem steht, dass ich den Betrag vom ersten Lappen nicht bezahlen muss, bis mein Plastikmüll geprüft wurde. Wofür er eingeschickt wird. Was dauert.

Und dann darf ich, als krönender Abschluss, weil die Hardware der BVG nicht funktioniert, zu irgendeiner Servicestelle fahren und mir dort die neue Karte abholen, weil sie zu blöd sind, die Karte wie das Original per Post zu schicken.

Geht alle sterben!

Übrigens: Würde Amazon diese Fahrcard betreiben, so würde ich bei einem Defekt automatisch und kostenlos per Post Ersatz erhalten, dürfte die defekte Karte zunächst behalten und die Kartennummer wäre bis zur Rücksendung als defekt im System markiert worden, sodass weitere Kontrollen keine Probleme ergeben.

Vor 3 Monaten gepostet

App.net im Niemandsland

Matigo: 1,605 people have posted at least one thing in the last 30 days. If you remove all of the broadcast-only accounts, you’re left with 478 people.

Das muss man sacken lassen:

  1. App.Net soll momentan nur 1.605 schreibende Accounts haben.
  2. Davon sollen nur etwa 30% echte Menschen sein, der Rest Bots, die Content oder Spam einfüllen.

Appneticus zeigt mir allerdings 11.890 schreibende Accounts in den letzten 30 Tagen an, nicht nur 1.605. Pro Tag kommen 200 neue Accounts hinzu. Die Zahlen von Matigo fühlen sich also zumindest merkwürdig an.

Vor fünf Monaten schrieb ich nach einer Post-Analyse außerdem folgendes:

Wenn aber in einem für gute Diskussionen bekannten Dienst mittlerweie 64% gecrossposteter Bot-Content sind und der nicht filterbar ist, dann läuft da was falsch.

Zumindest der prozentuale Anteil an automatischen Posts hat sich von damals zu heute kaum verändert. Vor fünf Monaten lag ADN zudem bei 90.000 Posts pro Tag, jetzt laut Appneticus bei 70.000 Posts. Das wäre ein Rückfall auf den Stand von Oktober 2013. Ich kann damit leben und momentan auch nahezu keine Veränderung meiner Timeline erkennen.

Dennoch ist klar, dass App.net in einigen Monaten leerer sein wird. Die Ursachen sind vielschichtig, letztlich kommt man aber immer bei der fehlenden Masse an. Facebook und Twitter sind allgegenwärtig und App.net kann damit nicht konkurrieren. Zu unklar war das Produkt für Endanwender, zu techniklastig und hässlich die dafür entwickelten Tools, zu wenig konkurrenzfähig die auf App.net aufsetzenden Apps.

Funktionen wie “längeren Text eintippen”, “keine Link-Shortener” oder “richtige Threads” sind für die meisten Twitter-User egal und für viele derer, denen es nicht egal ist, sind zu wenige andere Leute auf App.net, zumal andere Twitter-Funktionen wie Listen auf App.net weder intern noch über Apps realisiert wurden. Auch ich war nie in der Lage, Twitter komplett zu verlassen.

Der Vergleich mit Facebook ist noch drastischer: Galerien, Sichtbarkeitseinstellungen, Veranstaltungen und der komplette Instagram-Bereich sind auf App.net entweder nicht vorhanden oder nicht konkurrenzfähig.

Auch mit Direct Messages konnte App.net kaum punkten. DMs bietet auch Facebook. Privat sind die da auch. Und da das Verschlüsselungsthema in der ADN-Infrastruktur nie ein anerkanntes Thema war konnten andere Dienste wie Threema oder Telegram die User abgreifen, die verschlüsselt chatten wollten oder schlicht Facebook nicht mochten. Threema ist in den Verkaufscharts übrigens immer noch auf Platz 1. Seit Monaten. Und verdient sich dumm und dämlich. Das hier hätte App.net sein können:

Aus den bislang bekannten Daten und den Informationen von unseren Servern gehen wir davon aus, dass Threema zwischen 21. und 24. Februar auf Google Play ca. 500’000x und im App Store ca. 600’000x heruntergeladen wurde.

Stattdessen gab es Broadcast, ein Feature für Content-Lieferanten, kein Feature für Endanwender.

Das Henne-Ei-Problem ist heutzutage schwer zu knacken. Mein gesamter Kreis an Leuten, die ich im realen Leben kenne, ist bei Facebook. Niemand von denen ist bei Twitter. Ich halte es genau umgekehrt und hatte Twitter durch ADN weitgehend ersetzt, wohl wissend, dass ich damit meinen virtuellen Bekanntenkreis wechsle oder mit ihm zu ADN umziehe, meine realen Bekanntschaften sich aber eh in einem Netzwerk bewegen, in welchem ich nicht sein möchte. Meine Frau ist mit allen ihren Bekanntschaften auf Facebook und Instagram unterwegs. ADN wäre keine Alternative gewesen. Niemand hätte wechseln können, weil ADN im Kern wichtige Funktionen fehlten oder keine App sich so weit entwickelt hat, dass sie Facebook oder Instagram hätte ersetzen können. Der reine Ersatz ist heutzutage aber zu wenig: Benötigt werden deutliche Unterschiede und deutliche Verbesserungen. Ein Killer-Feature. Ein eindeutiges Merkmal. Für mich war das das technisch bessere Microblogging (Diskussionen!) und das Fehlen des Piraten-Fußvolks und somit sämtlicher Shit-Storms. Für andere fehlte App.net diese Eindeutigkeit.

Das Henne-Ei-Problem ist damit selbst geschaffen, denn App.net wollte nie Konkurrent sein für die Produkte der Entwickler, die für ADN entwickeln. Damit wollte ADN niemals ein Produkt sein, sondern ein Framework, mit denen andere etwas Tolles bauen konnten. Bislang gibt es aber nichts Tolles, was für eine Vielzahl an Personen einen Mehrwert gegenüber den vorhandenen Produkten darstellt. Letztlich haben wir App.net dafür bezahlt, ein Social Network Operating System zu sein, für welches keine Applikationen geschrieben wurden, die es nicht auch, in besser, woanders gibt. Die Idee war eine Nische und es blieb eine Nische.

Ich mag Nischen.