Musik der letzten drei Monate…
Liebe Piraten,
der Bundesparteitag ist toll. Wir haben die ersten Personenwahlen geschafft, einige Satzungsänderungen und sind dabei flott durch den ersten Tag gekommen. Das verdient Lob. Wir hatten eine wunderbare Versammlungsleitung, einen tollen Wahlleiter und unendlich viel Hilfsbereitschaft. Unvergesslich ist der Moment, wo zum Ende des Samstags 20 Wahlhelfer fehlten und eine Flut von Piraten nach Vorne schwemmte, um die Lücken zu füllen.
Dennoch bleibt etwas Kritik. Es ist die übliche Kritik. Und da es die übliche Kritik ist, finde ich es schade, dass sie erneut geäußert werden muss: Wir brauchen mehr Respekt voreinander!
Wir haben einer Geschäfts- bzw. Wahlordnung zugestimmt, bei der Fragen nicht per direkter Ansprache des Kandidaten gestellt werden, sondern durch das Ablegen der Fragen in einer Urne, aus der sie dann für das Fragen wieder entnommen werden. Wir stellen vor der Befragung eines jeden Kandidaten der Versammlung die Frage, ob wir dem Kandidaten Fragen stellen möchten. Dies ist eine Mehrheitsentscheidung. Diese führt dazu, dass besonders unerwünschte oder sehr bekannte und konsensfähige Piraten nicht befragt werden (weil wir denen kein Podium bieten möchten oder alles als geklärt ansehen). Ein bekannter Pirat, der spontan kandidiert, wird dementsprechend nicht befragt werden. Neupiraten, die die internen Verflechtungen nicht kennen, werden benachteiligt, da sie keine Fragen stellen können. Wie sollen diese dann aber entscheiden, wer der bessere Kandidat ist? Außerdem kann das Verfahren dazu führen, dass sich die Mehrheit aus gänzlich anderen Gründen gegen eine Befragung entscheidet, z.B. weil sie schnell nach Hause möchte und es schon spät ist. Die Verwendung dieses Verfahrens jenseits der Möglichkeit, unerwünschten Kandidaten kein Podium zu bieten, ist dementsprechend gegenüber Neupiraten diskriminierend. Gerade wir als Piraten sollten jede Möglichkeit nutzen, Fragen zu sinnvollen Kandidaten zuzulassen, damit unsere Ergebnisse möglichst gut werden. Wenn das länger dauert, dann ist das halt so.
Die mittlerweile wohl gängige Praxis, den Unmut über Vorstellungen von Kandidaten durch das Hochhalten der roten Nein-Karte auszudrücken, noch während der Kandidat spricht, ist respektlos. Es ist das Recht eines jeden Piraten, zu einer Wahl zu kandidieren. Es ist das Recht eines jeden Piraten, sich für diese Wahl vorzustellen. Gerade wir als Piraten sollten dies respektieren und es ihm ermöglichen, sein Recht ungestört wahrzunehmen. Das Hochhalten der roten Karten erzeugt Verunsicherung. Es ist für uns unwürdig. Dies gilt ebenfalls für das Hochhalten selbst gebastelter Schilder, auf denen “m(” oder “GTFO” steht. Wer jetzt argumentativ mit den Nazi-Kandidaten kommt kann die Keule gleich wieder einpacken. Ich spreche hier nicht von Kandidaten, die die Meinungsfreiheit am rechten Rand zu weitschweifig auslegen, sondern z.B. von der 68er-Dame, die gegen eine Flut roter Karten anreden musste. Die Unterschiede liegen auf der Hand.
Leute, wir sind kein Kindergarten! Wir machen Poltik. Und wir haben Spaß dran! Nyancat während Auszählungspausen nimmt der Veranstaltung nicht den Ernst (und auch keine Ponytime in Pausen). Das schafft ihr durch “GTFO”-Schilder und dem Herumtanzen (ja, es wurde getanzt) mit roten Nein-Kärtchen, während Menschen von sich erzählen.
Liebe Kandidaten, wenn ihr mit knapp einem Dutzend Stimmen von weit über 1.000 Anwesenden gewählt und somit nicht Vorsitzender wurdet, wie sinnvoll ist es, dann noch mehrmals als stellvertretender Vorsitzender anzutreten? Jeder vollkommen sinnlose Kandidat kostet uns wertvolle Zeit beim Auszählen. Zeit, die uns später für Anträge fehlt! Das ist respektlos gegenüber den sonstigen Anwesenden der Versammlung und es ist respektlos gegenüber der Partei, die dadurch Geld verbrennt (jede BPT-Minute kostet etwa 50€) und mit ihren Themen nicht voran kommt!
Liebe GO-Optimierer, die ihr beständig mit dem Entwickeln der besten Geschäfts- und Wahlordnung beschäftigt seid: In den letzten 2h eines Parteitags, wenn alle schon müde sind, kostet das Abändern und diskutieren von GO-Änderungen nur Zeit, Nerven und Geld. Alleine der Verzicht auf Optimierungsversuche der Fragerunde vor der letzten (!) Wahl des Tages hat soviel Zeit gekostet, dass wir damit problemlos die Gebärdendolmetscher die zusätzlichen Stunden hätten bezahlen können! Bitte seid reif und weise genug, um die Konsequenzen eurer GO-Anträge zu betrachten.
Danke.
Liebe Piraten,
seit Tagen und Wochen verbleibt mein Mund in entsetzter O-Stellung, wenn ich auf unsere Mailinglisten und Twitter-Accounts schauen. Da wird unser Landesvorsitzender zerlegt und zerlegt sich selbst, was dann in einer Rücktrittsforderung seiner “Freunde” endet, die sich ja nur Sorgen um ihn machen. Da endet das PAV gegen Bodo wegen eines Formfehlers im Nichts, wofür wir in Talkshows angebrüllt werden. Da kandidiert jemand für den Buvo, der “Mein Kampf” frei zugänglich machen und das Leugnen des Holocausts nicht mehr unter Strafe stellen möchte. Und da begeht Martin Delius den dummen Fehler, das Wachstum der Piraten mit dem Wachstum der NSDAP zu vergleichen, was natürlich wunderbar aus dem Zusammenhang gerissen werden kann.
All diese Situationen regen mich nicht auf. Wir können gerne darüber diskutieren, was wir innerhalb der Partei und außerhalb der Partei im Sinne der Meinungsfreiheit ertragen möchten und was nicht, bis hin zum Zerrbild, in der Gesellschaft eine Meinungsfreiheitsform nach amerikanischem Vorbild und in der Partei eine rein satzungskonforme haben zu wollen. Das Verfahren gegen Bodo wird wieder aufgenommen werden. Hartmut und Martin haben aus ihren Fehlern gelernt. So sieht das erst einmal recht objektiv betrachtet aus.
Was mich aufregt ist unser Umgang mit diesen Situationen! Wie ein hysterischer Haufen Hühner, in den man gerade den Wolf geworfen hat, rennen wir wild durcheinander, schreien uns an und beleidigen uns. Dank der größeren medialen Aufmerksamkeit kommt das natürlich auch alles in der Öffentlichkeit an - passend verzerrt, um die Piraten in einem eher schlechten Licht dastehen zu lassen. Grund genug, uns wieder gegenseitig anzupissen, parteischädigendes Verhalten vorzuwerfen und weitere Rücktritte zu fordern.
Liebe Piraten, merkt ihr nicht, wie ihr euch verhaltet? Merkt ihr nicht, dass ihr im Wahlkampftaumel nur noch Angst um Stimmen habt und vollkommen vergesst, dass zu dem Machen von anderer Politik auch ein anderer Umgang mit Fehlern gehört? Merkt ihr nicht, dass die Medien nicht nur gut sind? Dass die Medien Quote/Auflage machen möchten und deshalb kontroverse Themen bevorzugen, Themen, bei denen es evt. innerparteilich noch keinen Konsens gibt und bei denen wir deshalb in Diskussionen nur verlieren können? Merkt ihr nicht, dass IHR SELBER dieses System gerade antreibt und immer weiter beschleunigt? Merkt ihr nicht, dass wir keine politischen Inhalte mehr transportieren, sondern nur noch Hysterie, dass wir nicht mehr führen, sondern geführt werden?
Krönung war für mich folgender Tweet:

Möglicherweise möchten mir die Siegener Piraten erklären, was sich durch einen Rücktritt von Martin Delius und somit dem Verbleib von nur noch 14 Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus für den Siegener Wahlkampf verbessern würde. Oder was auch immer mit “zurück tretten” gemeint war.
Wir waren in den letzten Tagen und Wochen nicht einmal in der Lage, auf die offensichtlichsten Dinge zu reagieren. Ja, da gibt einige müde Meldungen über die Vorratsdatenspeicherung und die Gema. Aber wo wird gegen den Innenminister vorgegangen, der gerade gelogen hat? Wo wird über das YouTube-Urteil gesprochen? Wo wird der Herr Rösler angegangen, der uns mit den Piraten vor Somalia verglichen hat? Wenn es vielen so wichtig ist, in den Medien zu sein, hätte man sich doch wenigstens an dieses Thema ranhängen und so in den Medien präsent sein können!
Was können wir also machen?
Ein Jahr ist meine Beschwerde über das eher umständliche Bloggen am iPad nun her. Und ziemlich genau ein Jahr nach meinem Artikel ist nun Blogsy mit einem Update erschienen, welches auch Tumblr unterstützt. Wie bloggt es sich denn so?
Kurz zu meiner bisherigen Vorgehensweise: Ich habe die Artikel in Writer vorgeschrieben. Da Writer zwischen iPhone, iPad und Mac per iCloud synchronisiert eignet es sich sehr gut für das Vorschreiben von Artikeln. Der Artikel wurde anschließend in die Web-Oberfläche von Tumblr kopiert und dort formatiert, evt. auch bebildert. Bilder kommen aus unterschiedlichen Quellen und werden mit Acorn skaliert, mit dem ImageOptimizer verkleinert und in einem Public Folder von Dropbox abgelegt. Die URL dieser Grafik kopiere ich dann im Tumblr-Editor ein.
Wie sieht das nun in Blogsy aus?
Blogsy verfügt über ein aufgeräumtes Interface mit einer Formatierungsleiste am oberen Rand und Mediencontainern auf der rechten Seite. Posts können offline erfasst und anschließend in den jeweiligen von der Blogplattform unterstützten Formaten hochgeladen werden. Je nach Plattform können Bilder ebenso gleich mitgeladen oder bei Picasa oder Flickr abgespeichert werden. Dropbox wird leider nicht unterstützt.
Die rechte Toolbar bietet einen Browser und damit kleine Hilfen, um z.B. Verlinkungen durchzuführen: Ein Wort muss markiert werden, anschließend kann eine URL aus dem Browser in den Bearbeitungsbereich gezogen werden - fertig.
Die Verwendung von Bildern ist bei meinem Dropbox-Setting leider kaum möglich: Auf dem iPad skaliere ich Bilder mit der Batch-Funktion von OneEdit, welches direkt nach Dropbox exportiert. Leider gibt es offenbar keine Möglichkeit, eine Bild-URL direkt in Blogsy einzufügen. Sobald man sich allerdings auf einen der unterstützten Bilderdienste einlässt ist alles kinderleicht: Mein OneEdit exportiert nach flickr. Über die flickr-Seitenleiste kann das so hochgeladene Bild bequem in Blogsy ausgewählt und an die passende Textstelle gezogen werden. Genau das hätte ich jetzt gerne noch für Dropbox, denn dort liegen die Bilder immer auch lokal auf dem Mac herum und kommen im Backup an.
Blogsy ist nicht Universal. Wer in Blogsy einen Artikel verfasst und gerade das iPad nicht zur Hand hat, der schaut in die Röhre. Die Vorarbeit in einem Multiplattformeditor wie dem erwähnten Writer bleibt somit Bestandteil meines Workflows. Immerhin: Auf dem iPad kann jetzt auch für Tumblr richtig gebloggt werden. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass Blogsy zusammen mit einer externen Tastatur und der Diktierfunktion richtig Spaß macht.
Auf meinem Schreibtisch steht ein großer iMac. Ich würde ihn gerne loswerden und durch ein iPad ersetzen. Mittlerweile gibt es ja für das iPad sehr schicke Hüllen, die daraus ein Notebook mit Tastatur machen. Mein Problem ist nur: Es geht nicht. Ich weiß nicht, wie eure private Rechnernutzung so aussieht, aber ich komme mit dem iPad auch drei Jahre nach seinem Erscheinen nicht weit:
Mail, Browser, Kalender, Kontakte, YouTube und Musik bzw. Videos sind dank der mitgelieferten Apps und Zusatzprogrammen wie EyeTV oder AirVideo kein Problem. RSS und all das, was ich schon früher erwähnt hatte, sind natürlich ebenso kein Problem.
Aber:
Deshalb: Ich mag mein iPad weiterhin. Aber es ist dient, wenn überhaupt, nur dem Konsum von Dingen. Aber und an verwende ich den Browser oder starte RowMote, um den Mac Mini fernzusteuern. Oder spiele etwas. Oder schreibe Notizen. Mehr nicht.
Wer jetzt hier einen Anwendungsfall für Windows 8 sieht: Nein, ich möchte kein Windows verwenden. Ich bin seit 2002 auf dem Mac und auch davor hatte ich nur eine sehr kurze Windows-Phase. Windows entspricht nicht meinem Denken. Schon kurze Sitzungen mit Office erzwingen im Büro Schreiattacken. Deshalb würde für mich nur ein Windows 8-Tablet mit ausschließlicher Metro-Oberfläche infrage kommen. Und ob das die obigen Dinge besser oder schlechter hinbekommen wird, wird sich erst Monate oder Jahre nach seiner Veröffentlichung zeigen. Zumal die Zusammenarbeit zwischen Windows 8 und iOS - mein iPhone ist mein mobiles Hauptgerät - faktisch nicht möglich ist.
Da ich es gerade hinter mir hatte, hier zur Archivierung die einzelnen Schritte um mit allen Daten (Musik, Podcasts, Filme, Musikvideos, Bücher, Apps, Dokumente und Einstellungen, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Browser-Historie) von einem iPhone auf ein neues zu wechseln:
Wiederhergestellt wird hierbei alles bis auf die Icon-Position auf dem Homescreen. Wer kein verschlüsseltes Backup hat, der muss zusätzlich alle seine Passwörter neu eingeben. Die obigen Schritte funktionieren selbstverständlich auch, wenn man sein Backup in der iCloud abgelegt hat.
Interessehalber habe ich einen Kollegen gebeten, mir zu beschreiben, wie das bei Android funktioniert:
Wir Androiden haben ja die Möglichkeit, unsere Daten auf der SD-Karte zu speichern. Da sind meine gesamte Musik, Dokumente, Bilder, usw. drauf. Klassischer Wechseldatenträger. Für die Speicherung der App-Daten gibt es leider kein einheitliches Konzept. Die meisten Apps legen ihre Daten auf der SD-Karte ab und finden sie auch nach einer Neuinstallation selbständig wieder.
Die Kontaktdaten, Telefoneinstellungen, Mails, gekaufte Apps, Bücher, Musik werden über den Google/Amazon - Account im Hintergrund gesichert - wenn man es möchte. Nach dem Telefonwechsel braucht man sich nur anmelden und der Sync startet. Er übernimmt dann alles, was online war, nicht nur das, was man zuvor auf dem Telefon hatte.
Als Bonus gibt es noch diverse Backup-Apps, die meine Apps nebst Konfiguration und Cachedaten auf der SD-Karte ablegen und einen lauffähigen Zustand wiederherstellen. Ohne musst du alle Apps wie oben beschrieben nochmal aus dem Market (der seit gestern Google-Play heißt) runterladen.
Wer die Eier hat, sein Telefon zu “rooten”, der kann sogar auf ein Image-Backup zurückgreifen. Das ist dann ähnlich wie der Hybernate-Modus ein Abzug aller Speicherbereiche.
Mein Wechsel sähe dann so aus:
- Backup durchlaufen lassen
- Karte wechseln
- Einloggen
- Backup wiederherstellen
Als 2008 der AppStore eröffnete, war das iPhone 3 aktuell. Seitdem gab es drei weitere iPhone-Modelle, bessere Prozessoren, eine bessere Grafikleistung, das Retina-Display, drei Betriebssystem-Aktualisierungen und natürlich das iPad - mittlerweile auch mit Retina-Display, welches eine höhere Auflösung als ein Full HD-Fernseher aufweist. In diesen wenigen Jahren haben sich deshalb auch die Spiele verändert. Ein kurzer, gänzlich subjektiver, Blick auf drei Genres:
Kart-Racer
Cro-Mag-Rally (2008):

Sonic & Sega All-Stars Racing (2011):

Rennsimulationen
GTS World Racing (2008):

Real Racing 2 (2010-2012):

Real Racing zeigt ebenfalls, wie vielseitig die Plattform mittlerweile geworden ist: Synchronisierung der Spielstände zwischen iPhone und iPad (zukünftig auch zwischen der Mac-Version), 720p-Streaming an einen Apple TV, 1080p-Streaming an einen HDMI-Fernseher, 4-Spieler-Split-Screen…
Kampfspiele
Kroll und Infinity Blade 2 trennen drei Jahre. Beides sind 1st-Class-Citizen und durften ihre Spiele in einer Apple-Keynote vorstellen. Die Unterschiede könnten nicht größer sein.
Kroll (2008):

Infinity Blade 2 (2011):

Blick über den Tellerrand: Im selben Zeitraum veröffentlichte Nintendo den Nintendo DSI und DSI XL, sowie 2011 die neue Konsole Nintendo 3DS. Sony warf für die PlayStation Portable die Aktualisierungen PSP-3000, PSP N-1000 und PSP-E1000 in den Ring, sowie ebenfalls 2011 die neue Konsole PlayStation Vita. Im Gegensatz zu Sony hat Nintendo seinen Nintendo DS aber stets mit relevanten Neuerungen wie einem größeren Display oder einen schnelleren Prozessor versorgt - nahezu im Jahrestakt. Die PlayStation Portable blieb sieben Jahre nahezu unverändert.
Die Zukunft wird interessant: Der Portable-Markt sieht durch leistungsfähige Handys und günstige, sofort herunterladbare Spiele, im Jahre 2012 deutlich anders als als 2004. Zudem kommen die Hersteller von Android- und Windows Phone-SmartPhones im Wochentakt mit neuen Geräten und somit geänderter Hardware heraus. Apple beharrt weiterhin auf dem Jahrestakt, hat diesen allerdings durch die unterschiedlichen Erscheinungszeiträume von iPod Touch, iPhone und iPad im Grunde schon gedrittelt. Dass Sonys Vita hier 2013, wenn nicht schon 2012, abgehängt wird, ist abzusehen.
Hinzu kommt, dass Gelegenheits- oder Pausenfüller-Spieler keine leistungsfähige Hardware benötigen, um Angry Birds laufen zu lassen. Sony, aber auch Nintendo, sehen sich einer Flut von günstigen Android-Telefonen und 79 Cent-Spielen gegenüber. Die Gründe, sich für 250 Euro eine PlayStation Vita plus 30€-Speicherkarte plus 20€-Spiel zu kaufen, sind gering, wenn das Android-Smartphone für 100-150€ zu erstehen ist und man sowieso ein Smartphone haben möchte. Tragbare Spielkonsolen entwickeln sich damit zum Ballast, der zusätzlich zu transportieren ist. Und aufzuladen: Denn die Zeiten, wo ein Nintendo DS problemlos 14 Stunden durchgehalten hat sind leider vorbei. Nintendo 3DS und PlayStation Vita “glänzen” mit maximal fünf Stunden Spielzeit und bewegen sich damit in dem Rahmen, den auch ein Smartphone mit einem 3D-Spiel hinbekommt. Für eine mobile Spielkonsole ist das allerdings inakzeptabel.
Es wird bei mir der Eindruck erweckt, dass Nintendo und Sony den Kampf um mobile Konsolen bereits aufgegeben haben und sich auf häusliche Hardcore-Gamer beschränken, die gerne ein Gerät mit Playstation 3-Grafik in der Hand halten möchten, stets an der Steckdose hängen und die klassischen 50h+-Spiele spielen möchten. Dummerweise greift Apple aber auch immer deutlicher hier an: Wer zu seinem iPad oder iPhone noch 50€ für den HDMI-Adapter ausgibt, der kann sich auf seine Couch setzen und jedes Spiel auf dem TV ausgeben lassen. Wenn es das Spiel speziell unterstützt, wird das Gerät der Controller für das, was auf dem Fernseher sichtbar ist. Real Racing 2 oder die Pinball-Serien von Gameprom handhaben dies z.B. so. Der Platz für Nintendo und Sony wird damit immer enger.

Als Apple-User vergisst man häufig, wie die technische Realität bei der Mehrzahl von Erste-Welt-Menschen aussieht. Umso überraschter bin ich stets, wenn ich wieder einmal in diese “andere” Welt hineingezogen werde, in der millionenfach und seit Jahren gelöste Probleme nicht nur allgegenwärtig sind, sondern als selbstverständlich akzeptiert werden:
Gib mir mal die Telefonnummer von Frank, ich habe ein neues Handy und seine Nummer noch nicht vom alten übernommen.
Dieser Satz, in der U-Bahn gehört, versetzte mich etwa in das Jahr 2004. In eine Zeit, bevor das iPhone problemlos das Adressbuch synchronisierte oder der Mac per Bluetooth Adressen übertrug. Nur: Wir schreiben 2012. Man kommt ins Grübeln, wie andere mit ihren Systemen umgehen und stellt fest, dass es für viele schlicht ein Telefon ist. Oder ein PC. Der angeschaltet wird. Und dann guckt man Internet. Und E-Mails funktionieren als Kommunikationsmethode nicht, weil “man ja dafür extra an den Rechner gehen muss”. Ja, das ist auch 2012 noch so.
Letztens bin ich einer 23-jährigen begegnet, die noch nie online eingekauft hat. Noch. Nie. Mein Amazon-Konto beginnt 1999! Und während ich seit etwa 2004 Musik nur noch online kaufe, ich Mitte der 00er Jahre im Schlafzimmer Musik per Soundbridge streamte und seit Jahren auch DVDs aus meinem Leben verschwunden sind verteilt Guttenberg seine Doktorarbeit im Jahre 2007 auf 80 Disketten… Disketten, meine Damen und Herren, sehen so aus:

Schonmal gesehen? Oder verwendet? 2003 dürfte ich die letzte Diskette verwendet haben. Und schon damals besaß mein Rechner kein eingebautes Laufwerk mehr dafür.
Kurz gesagt: Für viele ist der Rechner nur Mittel zum Zweck. Er spielt im Leben nur eine untergeordnete Rolle. Vergleichbar mit der Mikrowelle wird er kurz angeschaltet und danach wieder abgeschaltet. Absurd, ich weiß, aber so ist das nunmal. Daran sollte man sich von Zeit zu Zeit erinnern, wenn man mit großen Augen das neue rechts-unten-Modell von Apple anschaut oder einen Barcode auf ein Demonstrationsplakat druckt.